US-Notenbank Fed Was Taxifahrten über Insidergeschäfte aussagen

Pikante Verbindungen – aufgedeckt durch Taxifahrten: Nach einer neuen Studie treffen sich Noten- und Top-Banker rund um geldpolitische Termine.

Die Ostküstenmetropole galt lange als Finanzhauptstadt der Welt. Quelle: dpa

FrankfurtDavid Finer hat sein ganzes statistisches Arsenal eingesetzt. Der Forscher der Chicago Booth School of Business weist auch sehr genau darauf hin, dass seine Ergebnisse nichts beweisen, sondern nur Möglichkeiten aufzeigen. Aber insgesamt legt er mit seinem 74-seitigen Papier doch nahe, dass der New Yorker Ableger der US-Notenbank Fed und die dort ansässigen US-Großbanken verdächtige Kontakte pflegen.

Der Autor spricht von einer „eindrücklichen Evidenz“, dass sich Banker und Notenbanker besonders häufig an entscheidenden geldpolitischen Tagen treffen. Damit steht unausgesprochen der Vorwurf von Insidergeschäften im Raum.

Seine Auswertung lässt einen sofort an „Big Brother“ in George Orwells „1984“ und die häufigen Warnungen vor unbedachten Datenspuren denken. Denn Finer hat Informationen der Taxi-Zentrale von New York aus den Jahren 2009 bis 2014 ausgewertet. Die Jahre danach hat er ausgelassen, unter anderem deswegen, weil die Daten durch das Vordringen von Uber in den Taximarkt unübersichtlich geworden sind.

Klar ist: Der Forscher hat zwar keine Ahnung, wer die Taxis benutzt hat. Aber die GPS-Daten zeigen recht genau, von wo nach wo die Wagen gefahren sind. Und da wird deutlich, dass der Verkehr zwischen dem Bankenviertel in Manhattan und dem Sitz der Fed New York jedesmal kurz vor und kurz nach Fed-Sitzungen deutlich angestiegen ist. Finer verweist auf frühere Arbeiten, die aus der Analyse von Märkten auf einen problematischen Informationsfluss zwischen Fed und Banken ableiten. Und sieht seine Auswertung als Bestätigung des pikanten Verdachts.

Die Fed New York hat dem „Wall Street Journal“ bereits erklärt, dass Finers Analyse nichts beweise. Aber genau das räumt der Autor ja auch selbst ein.

Das Gebäude der Fed New York wurde in den 1920er-Jahren im Stil der italienischen Renaissance gebaut und ist auch als Herberge großer Goldvorräte, unter anderem aus dem Eigentum der Deutschen Bundesbank, bekannt. Es liegt nahe der Wall Street im Süden von Manhattan. Die meisten amerikanischen Banken sind nach dem Terrorangriff vom 11. September 2001 dort weggezogen, weiter nach Norden, oder wie Goldman Sachs nach Westen an den Hudson River.

Nur die US-Zentrale der Deutschen Bank liegt noch an der Wall Street. Von daher sind die Entfernungen weit genug, um Taxifahrten sinnvoll erscheinen zu lassen.

Nach Beobachtung von Finer war der Verkehr in den Tagen um die geldpolitischen Sitzungen herum besonders auffällig zur Lunch-Zeit und spätabends, also zur Bar-Zeit, das spreche für „informelle und diskrete“ Information, glaubt er. Tatsächlich ist es kein Geheimnis, dass es häufig Kontakte zwischen Banken und Notenbankern gibt.

Die Geldpolitiker wollen so auch in Erfahrung bringen, was an den Märkten los ist. Außerdem ist die Fed New York über ihren Verwaltungsrat auch personell mit der Finanzbranche verflochten und pflegt Kontakte zu Bank-Ökonomen wie auch zu Journalisten.

Aus Kontakten allein kann man daher noch nicht auf einen unzulässigen Informationsfluss schließen, wobei die Abgrenzungen manchmal schwierig sein können, schließlich sind auch schon rein atmosphärische Eindrücke mitunter hilfreich, um den Kurs einer Notenbank besser als andere Investoren einschätzen zu können. Im Jahr 2014 wurde zudem ein Fall bekannt, bei dem ein Mitarbeiter der Fed New York einen Kollegen, der zu Goldman Sachs gewechselt war, mit Insider-Informationen versorgt hatte.

Auch in Europa ist die Nähe von Geldpolitikern und Bankern ein kritisches Thema, weil die Notenbanken auch für die Finanzaufsicht zuständig sind. So gibt es deutliche Kritik an Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank, wegen dessen Mitgliedschaft im internationalen Banker-Gremium G30.

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