US-Notenbank Fed Zu ungewiss, zu schwach, zu flach

Die maßgebenden Geldpolitiker der USA sind sich uneins bei der Einschätzung der Steuerreform, der Inflation und der Zinsen, wie aus einem Protokoll hervorgeht. Auch die Finanzstabilität bereitet einigen von ihnen Sorgen.

Die Fed-Chefin wird im Februar von Jerome Powell abgelöst. Quelle: AP

Mitte Dezember war noch nicht klar, dass US-Präsident Donald Trump seine lang angekündigte Steuerreform durch beide Kammern des Parlaments bringen würde. Aber die Mitglieder im geldpolitischen Ausschuss der US-Notenbank (Fed) diskutierten schon eifrig die möglichen Auswirkungen. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der Fed-Sitzung hervor, bei der die Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt auf 1,25 bis 1,5 Prozent angehoben wurden.

Einige Teilnehmer der Runde zeigten Hoffnung, dass mit der Steuerreform die Investitionen der Unternehmen steigen würden. Außerdem sollte sie die Kauflaune der Amerikaner unterstützen, heißt es in dem Protokoll. Beide Effekt seien aber „ungewiss“. Hinzu kommt, dass die geschäftlichen Kontakte, die die regionalen Ableger der Fed überall im Land haben, Skepsis zum Ausdruck brachten. Sie befürchten zum Teil, dass die Unternehmen zusätzliches Geld, zum Teil auch aus der Rückführung von bisher gebunkerten Finanzreserven im Ausland, für weitere Übernahmen und Aktienrückkäufe ausgeben.

Viele Ökonomen sehen den Wachstumseffekt der Reform vor allem deswegen mit einer gewissen Skepsis, weil die USA mit nur noch gut vier Prozent Arbeitslosigkeit nicht mehr viel Kapazität frei haben. Zum Teil gibt es auch die Sorge, dass die steuerlichen Anreize das Handelsbilanzdefizit, das Trump abbauen will, eher noch vergrößern, weil sie zusätzliche Nachfrage schaffen, die aus dem Inland gar nicht mehr bedient werden kann.

Das Dauerthema der Fed bleibt die Inflation. Sie ist im Jahr 2017 tendenziell sogar zurückgegangen. Nach dem von der Fed bevorzugten Maß, dem Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE), erreichte sie zum Zeitpunkt der Diskussion rund 1,6 Prozent und lag damit deutlich unter den angestrebten zwei Prozent. Auch hierüber gab es eine lebhafte Diskussion. Während die meisten der versammelten Geldpolitiker optimistisch blieben, dass auf längere Sicht das Inflationsziel zu erreichen sei, äußerten einige auch deutliche Skepsis. Sie befürchten zum Teil, dass die über lange Zeit schwache Preisentwicklung zum Absinken der langfristigen Inflationserwartungen führt. Zwei der Zweifler, Neel Kashkari von der Fed Minneapolis und Charles Evans von der Fed Chicago, stimmten deswegen auch gegen die Zinserhöhung. Beide sind im laufenden Jahr aufgrund einer Rotation zwischen den regionalen Fed-Präsidenten nicht mehr stimmberechtigt.

Diskutiert wurde bei dem Treffen auch, das Inflationsziel von zwei Prozent durch ein anderes System zu ersetzen, das nach längeren Phasen niedriger Preissteigerungen eine gewisse Aufholjagd mit höheren Prozentsätzen erlauben würde. Dazu hatten sich einige Geldpolitiker, darunter Evans, zuletzt auch öffentlich geäußert. In Europa gibt es diese Debatte bislang nicht.

Die dritte Sorge betrifft die immer flacher werdende Zinskurve in den USA. Während die kurzfristigen Zinsen durch die Fed hochgetrieben werden, bewegt sich im langfristigen Bereich nur wenig, zum Teil auch wegen der hohen Nachfrage aus dem Ausland nach US-Staatsanleihen, die wenigstens noch ein bisschen mehr einbringen als zum Beispiel deutsche Papiere.

Hinzu kommt offenbar, dass das US-Finanzministerium sich in nächster Zeit stärker kurzfristig finanzieren will. Das erhöht noch den Aufwärtsdruck im kurzfristigen Bereich und führt dazu, dass die Fed kaum noch eingreifen muss, um den Markt auf das von ihr gewünschte Niveau zu bewegen. Das erzeugt aber auch innerhalb der Fed die Sorge, dass sich die Zinskurve umdrehen könnte, also zu höheren kurz- als langfristigen Zinsen kommt. Einige der Geldpolitiker befürchten deswegen negative Auswirkungen für die Konjunktur und die Stabilität des Finanzsystems. Aus der Finanzszene, heißt es, habe es in dem Punkt noch keine Bedenken gegeben.

Alle diese Sorgen müssen vor dem Hintergrund einer insgesamt sehr robusten Entwicklung der US-Wirtschaft gesehen werden, darüber ist man sich in der Fed einig. Kurz gesagt: leises Jammern auf hohem Niveau.

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