USA Misstrauensvotum gegen Donald Trump

Die USA haben ein Jahr nach der Amtsübernahme von Donald Trump einen einmaligen Vertrauensverlust erlitten. Eine internationale Umfrage des Edelman Trust Barometers stellt fest: Der Grund ist der US-Präsident.

Das Vertrauen der US-Bürger in ihre Regierung ist um 23 Prozentpunkte gesunken. Quelle: AP

DavosEinen derartigen „Vertrauens-Crash“ hat Richard Edelman noch nicht erlebt. In den 17 Jahren seit seine New Yorker Beratungsagentur rund 33.000 Bürger und Bürgerinnen in 28 Ländern nach ihrem Vertrauen befragt, ist noch keine Nation so abgestürzt wie die USA im vergangenen Jahr. Das Zutrauen der wohlhabenden, gut ausgebildeten Amerikaner in ihre vier wichtigsten Institutionen sank um 23 Prozentpunkte auf nur noch 45 Prozent. Damit landen die USA hinter Russland und Südafrika auf dem letzten Platz. Nur noch ein Drittel der informierten Öffentlichkeit traut der eigenen Regierung in Washington über den Weg. Das ist ein Rückgang von 30 Prozent.

„Die Vereinigten Staaten erleben eine noch nie dagewesene Vertrauenskrise. Und der Grund dafür ist Trump“, sagte Richard Edelman kurz vor Beginn des World Economic Forums (WEF) in Davos. Aber auch Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), die Medien und US-Unternehmen haben einen Vertrauensverlust erlitten. Damit liegt die amerikanische Wirtschaft jetzt gleichauf mit spanischen und italienischen Unternehmen.

Wenn US-Präsident Trump am Mittwoch zu den rund 3000 Teilnehmern des WEF in Davos sprechen wird, muss er bei der Wirtschaftselite Boden gut machen. Selbst seine wirtschaftsfreundliche Steuerreform und der Abbau zahlreicher Regulierungen haben den Vertrauensverlust in die neue Administration nicht verhindern können. Zwar soll die US-Wirtschaft nach Vorhersage des International Währungsfonds (IWF) in diesem Jahr mit einer Rate von 2,7 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig und die Börse boomt. Trump hat davon bislang aber kaum profitieren können.

Während also die Führungsmacht des Westens bei ihren Bürgern massiv an Vertrauen verliert, zeigt sich die aufstrebende Weltmacht China politisch stabil. Nach dem Edelman Trust Barometer haben drei Viertel der befragten Chinesen Vertrauen in die wichtigsten Institutionen des Landes. Damit liegt das Reich der Mitte an der Spitze der 28 Länder.

Von den vier wichtigen Institutionen haben die Medien weltweit am meisten an Vertrauen eingebüßt. In 22 der 28 Ländern ist das Misstrauen der Bevölkerung heute größer als das Zutrauen in die vierte Gewalt. Fast 7 von 10 Befragten gaben an, sogenannte „Fake News“ würde gezielt als politische Waffe benutzt. Verantwortlich für das Misstrauen sind nach Angaben von Edelman die Suchmaschinen und sozialen Medien im Internet, die für die Information der Bevölkerung immer wichtiger werden. Zugleich ist allerdings das Vertrauen in den klassischen Journalismus wieder größer geworden. „In einer Welt, in der Fakten unter Druck stehen, werden zuverlässige Quellen immer wichtiger“, sagte Stephen Kahoe von Edelman.

Wachsendes Zutrauen gibt es weltweit auch in die Unternehmen. Fast drei Viertel aller Befragten gaben an, dass sie ihrem eigenen Unternehmen vertrauen. Auch die Top-Manager konnten im Vertrauensbarometer um sieben Punkte auf 44 Prozent zulegen. Mit dem gestiegenen Vertrauen wachsen aber auch die Erwartungen an die Wirtschaft: Fast 70 Prozent sehen „Vertrauensbildung“ als die wichtigste Aufgabe der CEOs.

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