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Valley Voice Schicksalstage des Einhorns namens Uber

Die kommenden Tage entscheiden über die Zukunft des Taxidienstes Uber: Investor Softbank legt den Preis fest, den er für die Anteile an dem Start-up zahlen will. Eine wichtige Wegmarke für den neuen Uber-Chef.

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Britta Weddeling, Korrespondentin des Handelsblatts im Silicon Valley, berichtet über neue Trends und den digitalen Zeitgeist im Tal der Nerds.

San Francisco Der Mann hat sich inzwischen aufs Beten verlegt. „Way of the Future“ taufte der Robotik-Ingenieur Anthony Levandowski die von ihm gegründete Kirche mit einem Gott namens künstliche Intelligenz (KI). Sich selbst setzte Ubers ehemaliger Experte für autonome Fahrzeuge laut Dokumenten der US-Steuerbehörde als eine Art Anführer ein.

Die religiöse Gemeinschaft richte sich an Menschen, „die daran interessiert sind, eine Gottheit anzubeten, die auf KI basiert“, heißt es verklärt darin, ganz so, als wolle Levandowski mit den Problemen dieser Welt kaum mehr etwas zu tun haben. Dabei könnte dem Dekan der neuen Maschinen-Religion bald die eigene Götterdämmerung drohen.

Waymo, die Mobilitätstochter der Google-Holding Alphabet, wirft seinem ehemaligen Mitarbeiter Levandowski vor, Informationen seiner selbstfahrenden Technologie illegal an den Konkurrenten Uber weitergeben zu haben. Am kommenden Montag beginnt der Prozess. Der 37-Jährige hat vor dem Gericht in San Francisco von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht.

Doch über die Zukunft seiner Ideen wird dennoch entschieden – und nebenbei auch über das Schicksal von Uber und die Frage, ob sich die hohen Investments von Risikokapitalgebern wie Menlo Ventures oder Benchmark langfristig auszahlen werden. Eine Gruppe, angeführt von dem japanischen Elektronikkonzern Softbank, will mehr als 14 Prozent am Start-up übernehmen. Uber-Gründer Travis Kalanick, der zehn Prozent an der Firma hält, signalisierte bereits, dass er nicht verkaufen wird. Möglicherweise könnte Benchmark die Gelegenheit nutzen, um die eigenen 13 Prozent abzustoßen.

Von der Summe, die Softbank-Chef Masayoshi Son und Co. zahlen wollen, hängt ab, ob Uber die derzeitige Bewertung von 68 Milliarden Dollar halten kann. Offenbar zeigt sich Son weniger freigiebig als gedacht. Wie verschiedene US-Medien berichten, könnte der Marktwert von Uber mit dem Softbank-Investment auf um die 50 Milliarden Dollar schrumpfen. Möglicherweise entscheiden sich die Anteilseigner dann gegen einen Verkauf und warten lieber auf den für 2019 angekündigten Börsengang.

Scheitert das der Deal mit Softbank, wäre dies ein peinlicher Rückschritt für den neuen Uber-Chef Dara Khosrowshahi, sind mit ihm doch fundamentale Reformen in der Unternehmensführung verknüpft. Kalanick will dem Aufsichtsrat ein Mitspracherecht bei den von ihm kontrollierten drei Plätzen in dem Gremium einräumen. Im Gegenzug kündigte Benchmark an, seine Klage gegen den Gründer fallen lassen. Die Risikokapitalgeber beschuldigten Kalanick, sich illegal Einfluss im Start-up gesichert zu haben.


Uber braucht dringend frisches Geld

Ohne Softbank drohen die internen Machtkampf erneut aufzubrechen. Son drohte zudem, bei einem Platzen des Uber-Investments den Rivalen Lyft zu finanzieren, der erst von Google Ventures eine Milliarde Dollar erhielt.

Uber braucht frisches Geld derzeit mehr denn je. Setzt sich Alphabets Autosparte Waymo beim Prozess in San Francisco durch, könnte Uber eine Strafzahlung in Höhe von 2,6 Milliarden Dollar für Patentverletzungen drohen. Möglicherweise beantragt Google erneut eine gerichtliche Verfügung, um die Weiterentwicklung der autonomen Fahrzeuge bei Uber zu stoppen, wie es der Softwarekonzern bereits Mitte März versucht hatte.

Das Urteil der Jury wird derzeit bis Weihnachten erwartet. Der vergangene Woche bei Uber bekannt gewordenen Hack von 57 Millionen Kundendaten dürfte vor Gericht wenig zur Glaubwürdigkeit des Angeklagten beitragen. Fast ein Jahr lang hatte das Start-up den internen Datenabfluss vertuscht, bei dem E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Informationen über Nummernschilder erbeutet wurden, und weder betroffene Fahrer oder Fahrgäste, noch die Aufsichtsbehörden informiert. Stattdessen zahlte die Firma den Kriminellen 100.000 Dollar Schweigegeld.

Zahlreiche Staatsanwaltschaften, darunter in den US-Bundesstaaten Illinois, Massachusetts, Missouri, New York und Connecticut nahmen inzwischen Ermittlungen auf. Auch die US-Wettbewerbsbehörde FTC, mit der Uber sich zur Zeit des Hacks über neue Privatsphäre-Richtlinien verständigt hatte, will den Vorgang erneut prüfen. Der Diebstahl zieht auch politisch immer weitere Kreise. Mark Warner, Senator des US-Bundesstaats Virginia, forderte in einem offenen Brief mehr Aufklärung von Uber-Chef Dara Khosrowshahi.

Mit der Entscheidung, die Hacker eigenmächtig aufzuspüren, könne Uber möglicherweise gegen bestehende Gesetz verstoßen haben, Firmen besäßen schließlich „kein privates Recht“, Angreifer „zurück zu hacken“, die ihre IT-Systeme bloßgestellt hätten.

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