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Innovationspreis-Sieger: Mittelstand Celonis – Röntgengerät für die IT

Erobern ein neues Feld: Celonis-Gründer Rinke, Nominacher und Klenk (von links) Quelle: PR

Celonis baut Software, die Geschäftsprozesse durchleuchtet, veranschaulicht – und optimiert.

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Der amerikanische Fahrdienstvermittler Uber optimiert mit dieser Software den Einsatz seiner Fahrer, der deutsche Industriekonzern Siemens seine Produktion und Auftragsabwicklung. Und der Versorger Innogy schaltet neue Stromkunden fünf Tage früher frei, seit er sie nutzt.

Dass sich seine Software zur Überwachung von Informationstechnik und Geschäftsprozessen in so vielen Bereichen einsetzen lässt, ist einer der Gründe, warum der Münchner Mittelständler Celonis den Deutschen Innovationspreis erhält. „Mit Anbietern wie Celonis haben wir die Kompetenz, die Chancen der Digitalisierung auszuschöpfen – und zwar im eigenen Land“, sagt Frank Mastiaux, EnBW-Vorstandschef und Jurymitglied.

Das vor acht Jahren von Bastian Nominacher, Martin Klenk und Alexander Rinke gegründete Unternehmen ist ein Pionier im sogenannten Process Mining, einer an der Technischen Universität Eindhoven entwickelten Disziplin.

Dabei geht es im Kern darum, „alle in einem Unternehmen anfallenden Daten – egal, ob aus einem SAP-System oder aus einem Internet-Shop – zu sammeln, zu analysieren und grafisch darzustellen“, sagt Co-Vorstandschef Nominacher: „Als wir anfingen, uns damit zu beschäftigen, gab es die Daten, aber keine Algorithmen – die haben wir entwickelt.“

Etwa zwei Jahre lang bastelten die drei Gründer an ihrer ersten Software. Sie kommt heute aus der Cloud. So lassen sich die Tools ohne viel Aufwand auf beliebige IT-Systeme aufsetzen. Dort helfen sie dann, Daten zu sammeln und zu analysieren, Geschäftsprozesse zu veranschaulichen – und Engpässe oder sonstige Probleme, etwa in der Logistikkette von Siemens, rechtzeitig zu erkennen. Celonis stellt Firmen „eine Art Röntgengerät für die IT“ zur Verfügung, sagt Nominacher.

Die Gründer spürten schnell, dass sie einen Nerv trafen: Die ersten fünf Jahre wuchs die Firma ohne fremdes Kapital. 2016 allerdings wurde die Nachfrage nach der Software aus dem Ausland so groß, dass das Unternehmen erstmals Investoren mit an Bord holte – und mit dem eingesammelten Kapital in die USA expandierte. Manche Marktbeobachter sehen Celonis bereits als deutsches Palantir; das geheimnisumwitterte US-Unternehmen ist einer der wichtigsten Technologielieferanten der amerikanischen Geheimdienste. „Es ist schön, zu sehen, dass deutsche Gründer hier auf Augenhöhe mit international etablierten Unternehmen agieren“, sagt Mastiaux.

Liebling der Investoren

Celonis ist nach Einschätzung des amerikanischen IT-Analysehauses Gartner Marktführer im Segment Process Mining. Und mit seinem Know-how und mehreren eigenen Patenten sollte es dem Mittelständler gelingen, Wettbewerber auf Abstand zu halten.

500 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen an mittlerweile neun Standorten weltweit. Und es wächst weiter. „Wir haben allein im vergangenen Monat rund 50 neue Mitarbeiter eingestellt“, sagt Nominacher. Kein Wunder, dass es sich bei Celonis seit der jüngsten Finanzierungsrunde Mitte 2018 um ein „Einhorn“ handelt: Den Begriff verwenden Investoren für Firmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar – ein Preis, den die amerikanischen Risikokapitalgeber Accel und 83North für Celonis bereitwillig aufgerufen haben.

Vielleicht kommt der Lohn für die Investoren ja schneller als gedacht: Der Börsengang von Celonis könnte bereits 2020 erfolgen – auch wenn sich Nominacher damit laut eigener Aussage bisher nicht beschäftigt.

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