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Vermögensverwalter Anleger ziehen mehr als zwei Milliarden Dollar aus GAM-Fonds ab

Seit der Suspendierung von Top-Vermögensverwalter Tom Haywood ziehen Investoren mehr und mehr Geld aus GAM-Fonds ab. Auch der Aktienkurs ist deutlich gefallen.

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Der Schweizer Vermögensverwalter GAM verliert weiterhin Geld. Quelle: dpa

Zürich Der Schweizer Vermögensverwalter GAM hat in den vergangenen Wochen eine seiner größten Fonds geschlossen und einen Top-Vermögensverwalter suspendiert. Jetzt kommt der schwierige Teil: Die verbleibenden Kunden davon zu überzeugen, dass sich die Probleme nicht auf andere Bereiche des Geschäfts ausweiten werden.

Seit die Gesellschaft am 31. Juli die Suspendierung von Tim Haywood verkündet und die von ihm betreuten Fonds eingefroren hat, zogen Investoren etwa 2,3 Milliarden Dollar aus GAM-Fonds ab. Das geht aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervor. Die Zahlen bis zum 17. August legen nahe, dass sich die Rückflüsse seit Juli beschleunigten. In diesem Monat hatten Kunden rund 800 Millionen Dollar abgezogen.

„Für jedes Unternehmen in dieser Position ist Transparenz ein Schlüsselfaktor für die Wiederherstellung des Vertrauens, was absolut wichtig, aber leider äußerst schwierig ist“, sagt Jim Smigiel, Chief Investment Officer Absolute Return-Strategien bei SEI Investments. „Der Fall von GAM ist zudem kritisch, da es sich um eine Aktiengesellschaft handelt.“

Die Aktien des in Zürich ansässigen Vermögensverwalters, geleitet von CEO Alexander Friedman, haben seit Bekanntwerden der Suspendierung von Haywood fast ein Viertel ihres Wertes verloren. Die Gesellschaft liquidiert mehr als sieben Milliarden Dollar an Geldern, die zuvor von dem Anleihenexperten verwaltet wurden. Einzelheiten dazu gab GAM am frühen Dienstag bekannt. Demnach können die Anleger die ersten Zahlungen Anfang September erwarten.

Laut GAM spiegeln die Geldabflüsse im August schwierigere Bedingungen für Vermögensverwalter allgemein wider. Die Fondsströme begannen im Mai in Europa negativ zu werden und trafen einige der größten Asset Manager der Region wie Standard Life Aberdeen, Jupiter Fund Management und DWS Group. „Die Marktbedingungen für Asset Manager sind schwieriger geworden und GAM ist nicht immun gegen diesen Branchentrend“, erklärte Sprecherin Elena Logutenkova per E-Mail.

Dennoch, die bisherigen Geldabflüsse im August stellen die etwa 1 Milliarde Dollar, die laut Bloomberg-Daten seit Anfang Mai bis Ende Juni abgezogen wurden, in den Schatten. Die Zahlen über die Geldflüsse sind allerdings Schätzungen und können von tatsächlichen Zahlen abweichen.

Die größten Abflüsse im August passierten bei Fonds, die von Anthony Smouha bei Atlanticomnium gemanagt wurden. Dessen Fonds mit dem Namen Star Credit Opportunities ist mit einem Anlagevolumen von ungefähr zwölf Milliarden Dollar der größte, den GAM anbietet. Der auf Euro lautende Fonds verzeichnete seit dem 27. Juli Abflüsse in Höhe von umgerechnet rund 570 Millionen Dollar.

Atlanticomnium teilte in einer Mitteilung vom 2. August mit, dass Haywood „nie eine Verbindung zum Management“ ihrer Fonds hatte. Smouha sagte in einer separaten Erklärung, die Preisvolatilität des Marktes im Mai liege „hinter uns“, und dass die Eurozone „stark wächst und einen unterstützenden Markthintergrund für Unternehmensanleihen bietet“.

„Der Star Credit Fonds könnte eine vergleichbare Investorenbasis wie die Haywood-Fonds haben, so dass sie ähnliche Sorgen haben könnten“, sagt Michael Kunz, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank.

Laut GAM hat Haywood hat es möglicherweise nur versäumt, bei einigen Investments ausreichende Sorgfaltspflichten zu erfüllen oder zu dokumentieren, und er hat möglicherweise Verträge allein unterzeichnet, bei denen zwei Unterzeichner erforderlich gewesen wären.

Doch noch bevor Haywoods Suspendierung und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bekannt wurden, hatten einige Investoren begonnen, Gelder aus seinen Fonds abzuziehen, wie Bloomberg am 16. August berichtet hatte. Ein Asset-Consultant zeigte sich besorgt über den Mangel an Transparenz bei GAM und empfahl Kunden, die Gelder neu zu verteilen, da sie auf einige ihrer Fragen keine Antworten erhielten, erfuhr Bloomberg damals aus informierten Kreisen. Dies führte in den Wochen vor der Suspensierung des Managers zu Abflüssen.

GAM hat Haywoods Fonds per 31. Juli eingefroren, um eine geordnete Liquidation zu ermöglichen. Einen Fonds einzufrieren ist eine „Lösung für ein Krisenszenario“, sagt Heinz Rothacher, CEO des Schweizer Vermögensberaters Complementa. „Und dies ist eine Krise.“

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