WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Versorgungs- und Pensionskassen Wie Klimarisiken die Altersvorsorge bedrohen

Eine Untersuchung zeigt: Deutsche Versorgungs- und Pensionskassen beschäftigen sich bislang wenig mit Klimakriterien bei der Kapitalanlage. Das könnte allerdings erhebliche Folgen haben. Was jetzt zu tun ist.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:

Berlin Auch wenn sich US-Präsident Donald Trump nicht mehr an das Pariser Klimaabkommen gebunden fühlt: Der Umbau der Wirtschaft weg von fossilen Brennstoffen wie Öl, Gas und Kohle kommt weltweit in Gang. Institutionelle Investoren sehen sich gezwungen darüber nachzudenken, wie sich der Umbau auf ihr Portfolio auswirkt.

Die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF und das Institut für nachhaltige Kapitalanlagen (NKI) haben kürzlich den Umgang deutscher Versorgungseinrichtungen mit Klimarisiken analysiert – und kommen zu einem „extrem ernüchternden Ergebnis“, wie Matthias Kopp, beim WWF Deutschland zuständig für nachhaltige Finanzen, sagt: „Offensichtlich besteht zum Thema große Distanz – bis hin zur offenen Ablehnung der Beschäftigung mit diesen Herausforderungen.“

Befragt wurden insgesamt 351 Unternehmen beziehungsweise Versorgungseinrichtungen, dabei auch alle im Dax gelisteten Konzerne. Einen vollständig oder zumindest teilweise ausgefüllten Fragebogen haben indes nur zwölf Einrichtungen zurückgeschickt, darunter elf betriebliche Versorgungseinrichtungen und eine kirchliche Zusatzversorgungskasse, aber keine einzige berufsständische Versorgungseinrichtung. Diese geringe Teilnahme werten WWF und NKI als Indiz dafür, dass bei Versorgungseinrichtungen die Risiken des Klimawandels bislang so gut wie keine Rolle beim Risikomanagement spielen.

Mit möglicherweise verheerenden Folgen: „Im Interesse der heutigen, vor allem aber der künftigen Rentenempfänger müssen die Einrichtungen sicherstellen, dass klimabedingte Risiken minimiert werden. Das gehört zu ihrer treuhänderischen Verantwortung“, sagte Kopp dem Handelsblatt. Wenn sich die Wirtschaft künftig an der Zwei-Grad-Leitplanke von Paris orientiere, müsse das Gleiche auch auf dem Finanzmarkt geschehen, sonst drohten immense Wertverluste – und die beträfen am Ende die Altersvorsorge von Millionen Menschen. Auf dem Weltklimagipfel im Dezember 2015 in Paris hatten sich 195 Länder und die EU darauf geeinigt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen.

„Alle Sektoren, die auf fossilen Brennstoffen aufbauen, stehen in den nächsten Jahren auf dem Prüfstand und werden von einem massiven Umbau betroffen sein“, sagt Rolf Häßler vom NKI voraus. In einzelnen Branchen sei das Geschäftsmodell insgesamt, zumindest aber die heute genutzten Anlagen, Prozessgrundlagen und Technologien betroffen. „Die Frage, ob diese Veränderungsprozesse proaktiv oder ungeordnet erfolgen, hat gravierende Auswirkungen auf zu erwartende Wertberichtigungen etwa von Anlagevermögen und damit auf Kapitalanlagen“, mahnt Häßler.

Sollten die Einrichtungen ihre Investments aus Unternehmen abziehen, die in der Förderung von Öl, Gas und Kohle oder der Energieerzeugung aktiv sind? Nicht unbedingt, findet Kopp. Hilfreich wäre es, einen stetigen Druck auf die Unternehmen auszuüben, damit die Wirtschaft einen klimafreundlichen Pfad einschlage, meint er. Würde den Unternehmen Geld entzogen, würde das bei den anstehenden Investitionen fehlen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%