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Villeroy de Galhau Frankreichs Notenbankchef: Ausstiegsplan für Krisen-Anleihekäufe hat keine Eile

Aus Sicht von Frankreichs Notenbankchef hat die Europäische Zentralbank noch ausreichend Zeit, um einen Ausstieg aus ihrem Notfall-Anleihekaufprogramm auszuarbeiten.

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Frankreichs Notenbankchef bezeichnete Überlegungen, die Transaktionen schon ab dem dritten Quartal herunterzufahren, als reine Spekulation. Quelle: Reuters

Die EZB hat aus Sicht von Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau noch genügend Zeit, um den Ausstieg aus ihren billionenschweren Pandemie-Anleihenkäufen auszuarbeiten. „Wir haben immer noch reichlich Zeit, um zu urteilen und zu entscheiden, weit nach unserer Juni-Sitzung“, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) am Dienstag auf einer Online-Konferenz der Danske Bank. Die nächste Zinssitzung der EZB ist für den 10. Juni geplant.

Das „PEPP“ getaufte Notfall-Anleihenkaufprogramm der Euro-Notenbank ist auf 1,85 Billionen Euro angelegt und soll noch bis mindestens Ende März 2022 laufen. Rund eine Billion Euro des Kaufrahmens wurde schon genutzt.

Das zu Pandemie-Beginn im März 2020 aus der Taufe gehobene Programm ist eine der wichtigsten geldpolitischen Waffen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Virus-Krise. Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot hatte unlängst die Möglichkeit ins Auge gefasst, dass die EZB bei einer kräftigen Konjunkturerholung ab dem dritten Quartal beginnen könne, die PEPP-Käufe abzuschmelzen. Andere Ratsmitglieder, etwa Griechenlands Notenbankchef Yannis Stournaras, plädieren dagegen zur Vorsicht.

Villeroy bezeichnete Überlegungen, die Transaktionen schon ab dem dritten Quartal herunterzufahren, als reine Spekulation. Das Kaufvolumen werde bis mindestens März 2022 frei bestimmt werden, sagte er. Aktuell erwerben die EZB und die nationalen Euro-Notenbanken im Rahmen von PEPP Staatsanleihen, Firmenanleihen und andere Titel im monatlichen Volumen von rund 80 Milliarden Euro.

Auch nach dem PEPP-Programm besitzt die EZB aus Sicht von Villeroy immer noch genügend andere Werkzeuge, um die Finanzierungsbedingungen im Euro-Raum günstig zu halten. „Diese unkonventionellen Instrumente werden nach Covid und den Krisen-Werkzeugen bleiben“, sagte er.

„Das bedeutet, dass unsere Geldpolitik so konjunkturstützend bleiben kann wie nötig und dies so lange wie notwendig.“ Villeroy zufolge könnte die EZB etwa das ältere Kaufprogramm APP mit mehr Flexibilität ausstatten. Dieses Programm zur Stützung der Konjunktur läuft bereits mit Unterberechung seit Anfang 2015. Es besitzt im Vergleich zum PEPP schärfere Regeln für die Kauffähigkeit von Wertpapieren oder für die Volumina der Käufe.

Die EZB könne aber nötigenfalls auch den Einlagesatz, der aktuell bei minus 0,5 Prozent liegt, noch weiter senken, sagte Villeroy. Das derzeitige Niveau sei keine Untergrenze. Auch sei vorstellbar, dass die EZB ihre längerfristigen, supergünstigen großen Kreditspritzen für Banken - in der Fachwelt TLTRO genannt - noch länger beibehalte.

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