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Volksbanken Weniger Filialen, dafür höhere Gebühren

Volks- und Raiffeisenbanken haben es dank Zinstief und Regulierungen momentan schwer, sie schließen Filialen und heben Gebühren. Ihr neuer Verbandspräsident erwartet keine Besserung. Er fordert „mündige Verbraucher“.

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Volksbanken: Weniger Filialen, dafür höhere Gebühren Quelle: dpa

Frankfurt Für Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken brechen wenig rosige Zeiten an: Der zukünftige Präsident des Genossenschaftsverbandes erwartet höhere Gebühren. Das sagte er kurz vor seinem Amtsantritt in einem Interview. Seine Erwartung begründet er mit der aktuell schwierigen Lage für kleine Banken im Allgemeinen. Die niedrigen Zinsen machen ihnen zu schaffen. Ihr Kerngeschäft der Kreditvergabe im regionalen Bereich funktioniert daher nicht mehr so gut. Auch über die strenger werdenden Bankenregulierungen klagen sie.

Ralf W. Barkey tritt am 1. Januar das Amt als Präsident des Genossenschaftsverbandes an. Er vertritt dort die Interessen von Genossenschaften in allen Bundesländern mit Ausnahme von Bayern und Baden-Württemberg. Barkey machte noch eine weitere Ankündigung, die viele Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken ärgern könnte: Er rechnet mit einer weiteren Ausdünnung des Filialnetzes. Für die Institute sei es eben wichtig, eine „vernünftige Kosten-Nutzen-Relation“ hinzubekommen, sagte er. Die Ausdünnung des Filialnetzes sei also die logische Ableitung aus diesem Versuch.

Und das Filialnetz in Barkeys zukünftigem Verbandsgebiet ist im vergangenen Jahr schon geschrumpft. 2016 gab es noch 430 Kreditgenossenschaften, 2017 waren es nur noch rund 400. Die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin machen sich bei der Regulierung für vereinfachte Regeln für kleine Institute wie die in Barkeys Verband stark. „Wir müssen nun schauen, dass wir damit stärker auf europäischer Ebene durchkommen“, sagte er im Interview.

Dabei läuft es für Volksbanken derzeit in Brüssel nicht schlecht: EU-Kommission und Europaparlament wollen den kleinen Geldhäusern bei der Überarbeitung einer Richtlinie entgegenkommen. Es geht um die EU-Eigenkapitalrichtlinie CRD IV und die dazugehörige Verordnung CRR. Der federführende Europaabgeordnete Peter Simon (SPD) legte im November eine Stellungnahme vor, die für Volks- und Raiffeisenbanken deutlich besser ausfiel als erwartet. Darin ist nicht nur vorgesehen, kleine Institute von bürokratischen Lasten zu befreien. Es sollen auch deutlich mehr kleine Banken von diesen Vorteilen profitieren als im ursprünglichen Gesetzentwurf der EU-Kommission geplant.

Für die Zukunft der von ihm vertretenen Banken sieht Verbandschef Barkey aber noch jemanden verantwortlich: die zahlungsunwilligen Kunden. „Von der Kostenlos-Mentalität müssen wir uns verabschieden“, sagte er. „Ich glaube, dass wir stärker auf den mündigen Verbraucher setzen müssen.“ Diese mündigen Verbraucher sollen dann mit individuellen Preismodellen jeweils nur noch die Bankleistungen kaufen, die ihrem tatsächlichem Leistungsbedarf entsprechen, sagte er.

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