Vorhaben von Eurogruppen-Chef Südwest-Sparkassen laufen gegen europäische Einlagensicherung Sturm

Die Sparkassen im Südwesten wehren sich gegen eine baldige Einführung der europäischen Einlagensicherung. Die Mittel der eigenen Kunden dürften nicht zweckentfremdet werden.

„Da braucht man halt mal 100.000 Leute vor der EZB in Frankfurt.“ Quelle: dpa

StuttgartDie Sparkassen in Baden-Württemberg gehen gegen die geplante europäische Einlagensicherung auf die Barrikaden. „Die zurückgelegten Mittel für die Absicherung der Sparer in Baden-Württemberg dürfen nicht als Haftungsmasse für Banken in anderen Ländern zweckentfremdet werden“, sagte der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider am Mittwoch in Stuttgart. Falls die europäische Einlagensicherung überstürzt eingeführt werden solle, würden die Sparkassen ihre Kunden informieren und mobilisieren. „Da braucht man halt mal 100.000 Leute vor der EZB in Frankfurt.“

Der neue Eurogruppen-Chef Mario Centeno hatte vor kurzem beim Aufbau einer europäischen Einlagensicherung zur Eile gedrängt. Bundeskanzlerin Angela Merkel will darüber aber erst sprechen, wenn die Bankenrisiken auf nationaler Ebene reduziert worden sind.

Dank der brummenden Wirtschaft im Südwesten erzielten die 51 baden-württembergischen Sparkassen im vergangenen Jahr Rekordwerte bei der Kreditvergabe und schnitten besser ab als noch im Sommer befürchtet. Der Zinsüberschuss – die wichtigste Einnahmequelle der Sparkassen – schrumpfte um 68 Millionen Euro auf 3,26 Milliarden. Der operative Gewinn ging um ein Prozent auf 1,64 Milliarden Euro zurück. Die Risikovorsorge sei so niedrig wie noch nie, sagte Schneider. Um sich für den nächsten Abschwung zu wappnen, soll der Gewinn komplett ins Eigenkapital gesteckt werden und die Kernkapitalquote von gut 17 Prozent weiter verbessert werden.

Der baden-württembergische Sparkassenpräsident sprach sich für weitere Zusammenschlüsse im Sparkassenlager aus, insbesondere bei den Versicherern und den Landesbausparkassen aus. „Hier liegt noch Geld auf der Straße für uns.“

Bei den Filialschließungen sei in Baden-Württemberg die große Welle durch. „Wir müssen in der Fläche präsent bleiben“, sagte Schneider. 2017 ging die Zahl der Filialen um 56 auf 2100 zurück, die Mitarbeiterzahl sank auf rund 32.700. Trotz der schwindenden Zinsüberschüsse wollen die Sparkassen im Südwesten von Privatkunden keine Strafzinsen verlangen. „Wir wollen so lange wie irgendwie möglich keine Negativzinsen“, sagte Schneider.

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