WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Vorläufige Eckzahlen Munich Re hält die Dividende stabil

Die hohen Schäden durch Naturkatastrophen im Spätsommer bekommen auch die Munich-Re-Anleger zu spüren. Statt einer leicht erhöhten Dividende, wie sie Analysten erwartet hatten, gibt es nun wie im Vorjahr nur 8,60 Euro.

Mit einem einfachen „Weiter so“ wird der neue Chef den Konzern nicht durch die kommenden Jahre führen können. Quelle: PR Munich Re

MünchenEs war alles andere als ein Einstand nach Maß: In seinem ersten Jahr an der Spitze der Munich Re kann Joachim Wenning bei der Vorstellung der Bilanz in sechs Wochen nur einen vergleichsweise kleinen Gewinn von 392 Millionen Euro verkünden. Das wurde am Dienstagfrüh bekannt, als der Rückversicherer die Eckpunkte seines Zahlenwerkes für das abgelaufene Jahr bekanntgab.

Für Wenning ist es ein erster Rückschlag. Unter seinem Vorgänger waren die Aktionäre in der Regel Gewinne von über zwei Milliarden Euro, manchmal gar über drei Milliarden gewohnt. Unvorbereitet traf sie der Gewinneinbruch indes nicht. Die schweren Wirbelstürme „Harvey“, „Irma“ und „Maria“, die im Spätsommer über Teile der USA, die Karibik und den Golf von Mexiko hinwegfegten, belsteten das Ergebnis erwartungsgemäß schwer. Die 3,2 Milliarden Euro an Großschäden, die allein im dritten Quartal anfielen, enthielten 2,7 Milliarden Euro, die zur Begleichung der Schäden der drei Wirbelstürme nötig waren. Insgesamt fielen im abgelaufenen Jahr über 4,3 Milliarden Euro an Großschäden an und damit fast dreimal so viel wie 2016. Dass unter diesen besonderen Voraussetzungen nur ein kleiner Gewinn möglich war, stand bereits seit dem Herbst fest.

„Dank unserer Kapitalstärke konnten wir die hohen Schäden aus Naturkatastrophen gut verkraften“, so Finanzvorstand Jörg Schneider. Das Eigenkapital sank im vergangenen Jahr zwar um 3,6 Milliarden Euro, liegt aber immer noch bei auskömmlichen 28,2 Milliarden Euro.

Den kurzen Kurseinbruch, den die Aktie verzeichnet hatte, ist mittlerweile weitgehend aufgeholt. Das vierte Quartal verlief wieder positiv. Der Überschuss fiel nach vorläufigen Berechnungen mit 538 Millionen Euro sogar höher aus als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum: Da lag er bei 486 Millionen Euro. Der Bestand an Kapitalanlagen ohne Versicherungsbezug zu Buchwerten betrug 217,6 Milliarden Euro und damit ebenfalls nur knapp weniger als die 221,8 Milliarden Euro ein Jahr davor.

Dennoch müssen die Anleger eine Enttäuschung verkraften, die sie so von der Munich Re nicht gewohnt sind. Über Jahre ist die Dividende gestiegen, diesmal soll sie aber bei 8,60 Euro verharren und damit auf dem Niveau des Vorjahres. Analysten hatten im Vorfeld mit einem leichten Anstieg auf 8,85 Euro je Aktie gerechnet. Zum aktuellen Kurs von unter 190 Euro ergibt sich so aber immer noch eine Dividendenrendite von rund 4,5 Prozent, womit die Aktie ganz weit oben unter den 30 Dax-Werten rangiert.

Operativ entwickelt sich ausgerechnet das einstige Sorgenkind Ergo weiter positiv. Der eingeschlagene Restrukturierungskurs von Konzernchef Markus Riess schlägt sich mittlerweile auch in den Zahlen nieder: Der Überschuss lag bei 273 Millionen Euro und damit weit über den 41 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Damit hat Ergo auch das im August angehobene Ziel einer Spanne von 200 bis 250 Millionen Euro übertroffen. Einerseits wurde das durch geringere interne Kosten möglich, andererseits durch geringere Aufwendungen für Schadensfälle. Besonders das Geschäft in Polen lief erfreulich. Die Schaden-Kosten-Quote, also das Verhältnis Beitragseinnahmen zu den Ausgaben für Schäden, fiel von 100,2 Prozent auf 94,7 Prozent. Wo somit noch im Jahr davor etwas mehr ausgezahlt als eingenommen wurde, fiel das Verhältnis diesmal weitaus positiver aus.

Im anderen Kerngeschäft der Munich Re, der Rückversicherung, zeichnet sich zumindest eine leichte Entspannung ab. Waren in den Jahren davor die Prämien stets unter Druck, so zeichnet sich jetzt zumindest in den Märkten, die von jüngsten Naturkatastrophen besonders betroffen waren, ein Preisanstieg ab. Anderswo stabilisieren sich die Preise zumindest oder steigen leicht. Eine Entwarnung ist das aber noch lange nicht. Auch bei der jüngsten Erneuerungsrunde der Branche im Januar war das Angebot hoch. Weiterhin suchen Neueinsteiger wie Hedgefonds oder Großinvestoren in diesem Markt nach Chancen und drücken auf die Preise. Mit deutlich steigenden Prämien ist deshalb bei den künftigen Erneuerungsrunden im April in Japan und im Juli in den USA, Lateinamerika und Australien nicht zu rechnen.

Im Januar stand bei der Munich Re rund die Hälfte des Rückversicherungsgeschäfts außerhalb des Lebensversicherungsbereichs zur Erneuerung an. Bei einem Prämienvolumen von 8,3 Milliarden Euro wurden rund 1,2 Mrd. Euro nicht erneuert. Demgegenüber wurde Neugeschäft mit einem Volumen von rund 2,3 Milliarden Euro gezeichnet. Das Geschäftsvolumen erhöhte sich damit um 19 Prozent auf rund 9,9 Milliarden Euro. Besonders neue großvolumige Verträge in den USA und in Australien wurden gezeichnet.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%