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Vorstandsmitglied tritt zurück Durch Dombrets Abgang verliert die Bundesbank ein wichtiges Sprachrohr

Andreas Dombret scheidet aus dem Führungsgremium der Bundesbank aus. Das Vorstandsmitglied hinterlässt bei der Notenbank eine Lücke.

Früh mahnte er die Banken, sich auf den Brexit vorzubereiten. Quelle: Bloomberg

Eines der präsentesten Gesichter der Bundesbank tritt ab: Der für die Bankenaufsicht zuständige Vorstand Andreas Dombret scheidet am 1. Mai aus dem Gremium der Notenbank aus. Der 58-jährige Deutsch-Amerikaner steht aufgrund seiner Lebensplanung für eine Verlängerung seines Vertrags nicht zur Verfügung, erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen.

Die Bundesbank bestätigte dies auf Anfrage. „Wir bedauern die Entscheidung von Herrn Dombret und respektieren sie“, sagte ein Sprecher. Im Umfeld heißt es, dass die Entscheidung seit Längerem gereift sei. Über die Vorstandspersonalien soll Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kürzlich mit Bundesfinanzminister Peter Altmaier (CDU) gesprochen haben.

Nach Dombrets Abgang kann die Politik nun nämlich sogar zwei Vorstandsposten in der Notenbank neu besetzen: Neben Dombrets Vertrag läuft auch der von Carl-Ludwig Thiele aus. Eine Stelle wird dabei von den Bundesländern nachbesetzt, hier kommt es vor allem auf Niedersachsen an. Als Favorit gilt derzeit der Stadthagener CDU-Europapolitiker Burkhard Balz. Da Dombret ebenfalls als CDU-nah gilt, hätte er es wohl schwer gehabt, selbst wenn er hätte weitermachen wollen. Denn über den zweiten Posten entscheidet die Bundesregierung. Schickt Niedersachsen Balz oder einen anderen CDU-Politiker, wird die SPD diesen Posten wohl beanspruchen.

In seiner achtjährigen Amtszeit war Dombret zunächst am Aufbau des Bereichs Finanzstabilität beteiligt. Als Sabine Lautenschläger 2014 aus dem Bundesbank-Vorstand zur Europäischen Zentralbank (EZB) wechselte, übernahm er von ihr die Bankenaufsicht. In dieser Funktion begleitete er den Übergang der großen deutschen Banken unter die Aufsicht der EZB. Dombret absolvierte ein Reisepensum wie ein Außenminister und vertrat die Bundesbank oft auf internationaler Bühne.

Früh mahnte er die Banken, sich auf den Brexit vorzubereiten. Außerdem führte er von deutscher Seite maßgeblich die Verhandlungen über das Banken-Regelwerk Basel III. Bei der Bundesbank hinterlässt er eine Lücke. Zum einen, weil er ein wichtiges Sprachrohr der Notenbank war. Zum anderen, weil der Posten für die Bankenaufsicht besonders sensibel ist.

Was Dombret nach seiner Tätigkeit bei der Bundesbank machen wird, ist noch nicht bekannt. Wollte er zu einer Bank wechseln, hätte er aber bis zu einem Jahr Abkühlungsfrist.

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