Wall Street Trump-Ziel von 30.000 Punkten im Dow bleibt Wunschdenken

US-Präsident Donald Trump sagt dem US-Standardwerteindex Dow Jones einen frühzeitigen Sprung auf 30.000 Punkte voraus. Experten sind skeptisch und weisen auf die Vielschichtigkeit der Rekordserie an der Wall Street hin.

Ganz so optimistisch, wie der US-Präsident die Lage an der Wall Street beurteilt, sehen Experten die Situation nicht. Quelle: dpa

FrankfurtFür Donald Trump ist die Sache klar: Der US-Standardwerteindex Dow Jones wird eher früher als später die Marke von 30.000 Punkten knacken. Experten zufolge wird sich der US-Präsident aber gedulden müssen – US-Steuerreform hin, weltweiter Aufschwung her. Sie sind sich außerdem uneins darüber, ob die Wirtschaft wegen oder trotz Trump so stark wächst und welchen Einfluss die geplanten Steuersenkungen auf die Konjunktur haben.

Dabei reklamiert Trump die Rekordserie der Wall Street für sich. „Das liegt einzig und allein an der 'Make America Great Again'-Politik“, verkündete er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Anfang Januar, als der Dow Jones erstmals auf mehr als 25.000 Punkte stieg. „Der große Abbau unnötiger Regulierung geht weiter.“

Allerdings scheiterte der vor einem Jahr angetretene Präsident in seinem ersten Amtsjahr mit einigen zentralen Vorhaben wie der Abschaffung der Gesundheitsreform „Obamacare“ am Widerstand des Kongresses. Die dadurch eingesparten Milliarden sollten ursprünglich den Spielraum für Steuererleichterungen schaffen, die nun auf Pump finanziert werden.

Die Überschüsse der Unternehmen würden dank der Steuersenkungen und Deregulierungen in den kommenden Monaten wohl erstmals seit 2010 wieder prozentual zweistellig steigen, sagt Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. „Optimisten schätzen das Gewinnwachstum wegen der Steuerreform sogar auf über 20 Prozent.“ Daraus leite sich für den Dow Jones ein Kurspotenzial bis 29.000 Punkte ab. Das entspricht im Vergleich zum aktuellen Kurs von gut 25.000 Zählern einem Plus von etwa 15 Prozent.

Zurückhaltend aber beurteilt Helaba-Volkswirt Patrick Franke die konjunkturellen Auswirkungen der US-Steuerreform. „Das Entlastungsvolumen für das Kalenderjahr 2018 liegt am unteren Rand dessen, was wir unterstellt hatten.“ Ein zusätzlicher Wachstumsschub könne eher vom Arbeitsmarkt ausgehen, wenn die überfälligen Lohnsteigerungen kommen und sich positiv auf Einkommen sowie Konsum der US-Verbraucher auswirken. Dies schmälere aber gleichzeitig die Gewinne der Unternehmen, gibt Ib Fredslund Madsen, Chef-Anlagestratege der dänischen Jyske Bank, zu bedenken.

Außerdem spricht aus Sicht von Carsten Mumm, Chef-Analyst der Privatbank Donner & Reuschel, der bereits weit fortgeschrittene Konjunkturzyklus gegen zusätzliche kräftige Kursgewinne der Wall Street. „Die US-Ökonomie wächst seit 2010 durchgehend. Die US-Notenbank Fed hebt bereits seit 2015 sukzessive die Leitzinsen an. Beides erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das US-Wachstum ab 2019 nachlassen könnte.“

Gavyn Davies, Mitgründer des britischen Vermögensverwalters Flucrum rät aber zur Gelassenheit. „Die Wachstumssignale werden schwächer, aber keineswegs schwach.“ Auch Luca Paolini, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Pictet, beurteilt die Aussichten für US-Aktien optimistisch. „So lange die Unternehmensgewinne steigen, haben sie noch Luft nach oben.“ Er sieht aber eher die Weltwirtschaft als Motor dieser Entwicklung. „Das Wachstum sollte 2018 auf einer breiteren Basis stehen als in den vergangenen Jahren, getragen von einem soliden Anstieg der öffentlichen und privaten Investitionen plus starken Konsumausgaben.“

Seit Trumps Amtsantritt vor einem Jahr hat der breit gefasste US-Aktienindex S&P 500 gut 20 Prozent zugelegt. Dabei eilte er ebenso wie der Dow Jones von Rekord zu Rekord. Letzterer übersprang Anfang Januar erstmals die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten. Trumps Vorgänger Barack Obama kam in den ersten zwölf Monaten seiner Präsidentschaft auf ein Aktienmarkt-Plus von mehr als 40 Prozent. Allerdings hatte die Börse in den zweieinhalb Monaten zwischen seiner Wahl und der Amtseinführung auch fast 15 Prozent nachgegeben.

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