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Wegen Risiken China verschärft Regeln für digitale Bezahlsysteme

Chinas Notenbank reagiert auf die große Nachfrage nach digitalen Bezahlmodellen. Die PBOC hat Vorschriften für die Anbieter verschärft. Dadurch könnte die Branche circa 572 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr verlieren.

Wegen Risiken: China verschärft Regeln für digitale Bezahlsysteme Quelle: Reuters

Peking
Digitale Bezahlsysteme sind in China enorm erfolgreich. Ob im Taxi oder beim Einkauf im Supermarkt: Bargeldlos per Smartphone-App zu zahlen ist dort bereits sehr weit verbreitet. Doch die großen Geldströme, die über diese Kanäle fließen, bergen für das chinesische Finanzsystem auch Risiken. Der Geschäftszweig ist bislang vergleichsweise wenig reguliert. Daher verschärft Chinas Notenbank PBOC für die Anbieter solcher Bezahlsysteme jetzt die Vorschriften. Nach Einschätzung von Experten schrumpft damit auch eine große Einnahmequelle für die junge Branche.

Wie die PBOC mitteilte, müssen Zahlungsabwickler ab April nämlich 42 bis 50 Prozent statt bislang 12 bis 20 Prozent ihrer Kunden-Reservegelder auf zinsfreien Konten parken. Kunden-Reservegelder sind die vorausbezahlten Summen beim Einkauf, die die Firmen kurzfristig halten, bis sie diese an die jeweiligen Händler weiterleiten. Bislang nahmen sie dabei Zinsen ein – sie machten nach Daten des Bankhauses Zhongtai circa elf Prozent ihrer Gesamteinkünfte aus. Durch die neuen Regeln verliert die Branche umgerechnet rund 572 Millionen Euro an Einnahmen im Jahr.

„Die PBOC nimmt zunehmend die möglichen Finanzstabilitätsrisiken in den Blick, die mit einem großen Massenmarkt mit nichttraditionellen Unternehmen verknüpft sind“, sagt James Lloyd, Fintech-Experte bei der Unternehmensberatung EY. Nach Einschätzung der chinesischen Investmentbank Citic bleibt 2018 die Vermeidung von Risiken ein Kernthema. „Die Großen der Branche werden wahrscheinlich die aggressive Werbung aus dem Frühstadium ihrer Entwicklung herunterfahren und der Beachtung von Vorschriften mehr Aufmerksamkeit schenken“, so die Bank in einer Studie.

In China ist der Markt für mobiles Bezahlen in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Nach Schätzungen der Marktforscher von iResearch wurden damit dort 2016 bereits Transaktionen im Volumen von umgerechnet 2,4 Billionen Euro abgewickelt. Aktuell wird die Branche vom Facebook-Konkurrenten Tencent, der auch den Messenger-Dienst WeChat anbietet, und einem Ableger des Amazon-Rivalen Alibaba, Ant Financial, mit seiner Bezahl-App Alipay, dominiert. Auf sie entfallen 93 Prozent des chinesischen Markts für Online-Zahlungen. Daneben gibt es 200 weitere kleinere Firmen, die solche Dienste anbieten.

In der Euro-Zone und in Deutschland ist das bargeldlose Bezahlen per Smartphone noch nicht so weit verbreitet. Einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge wurden im Währungsraum 2016 immer noch 79 Prozent aller Einkäufe bar bezahlt. In Deutschland, Österreich und Slowenien waren es 80 Prozent oder mehr. Die Änderung der Bezahlform schreitet aber auch hier voran. So stellt sich beispielsweise der Handel in Deutschland immer mehr auf das kontaktlose Bezahlen mit der EC-Karte ein. Laut Bundesbank sollen alle Händler bis Ende 2018 ihre Terminals so umgerüstet haben, dass kontaktloses Zahlen mittels EC-Karte möglich wird. Die Bankenbranche plane für Ende 2019, dass rund drei Viertel aller EC-Karten - rund 75 Millionen Stück - dann entsprechend ausgestattet sind. Zuletzt seien es 35 Millionen Karten gewesen.

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