Windkraft Siemens Energy lotet Optionen für Gamesa-Komplettübernahme aus

Möglicherweise will Siemens Energy die restlichen 33 Prozent von Gamesa übernehmen: Die spanische Windkraft-Tochter hat Probleme an der Börse.

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Siemens Energy plant möglicherweise eine vollständige Übernahme der spanischen Windkraft-Tochter. Quelle: Reuters

Nach der dritten Gewinnwarnung von Siemens Gamesa innerhalb von neun Monaten verstärkt der Energietechnik-Konzern Siemens Energy Insidern zufolge seine Überlegungen bezüglich einer vollständigen Übernahme der spanischen Windkraft-Tochter. Das Unternehmen spiele mit Beratern Möglichkeiten durch, wie sich die restlichen 33 Prozent der Gamesa-Anteile am besten und bilanzschonendsten übernehmen ließen, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Bis zum Sommer könnte eine Lösung gefunden werden, fügte einer der Insider hinzu. Der jüngste Kursrutsch bei Siemens Gamesa könnte den Münchnern dabei in die Hände spielen. Eine Entscheidung bezüglich der Übernahme weiterer Gamesa-Anteile gebe es aber noch nicht, sagten die Insider.

Siemens-Energy-Vorstandschef Christian Bruch fehlt bisher der Durchgriff auf Siemens Gamesa, weil das Unternehmen mit Sitz in Zamudio im Baskenland selbst an der Madrider Börse gelistet ist. Er steht unter Druck, eine Lösung zu finden, nachdem Pannen und Rückschläge bei der Windkraft-Tochter kein Ende nehmen. Auch im neuen Geschäftsjahr 2021/22 (per Ende September) rechnet Gamesa mit Verlusten, weil der Hochlauf der neuen Generation von Windturbinen an Land (onshore) Probleme macht. Wegen Schwierigkeiten in der Lieferkette laufen dem Unternehmen zudem die Kosten davon.

Allerdings macht man sich den Insidern zufolge bei Siemens Energy bei einer milliardenschweren Übernahme der restlichen Gamesa-Anteile Sorgen um das Investment-Grade-Rating. Eine Möglichkeit, das Geld zusammenzuhalten und eine Kapitalerhöhung zu vermeiden, wäre ein Übernahmeangebot in eigenen Aktien, sagten die Insider. Größter Aktionär von Siemens Energy ist die ehemalige Muttergesellschaft Siemens AG, die ihren Anteil von 35 Prozent über kurz oder lang aber reduzieren will.

Die Analysten der Deutschen Bank sehen eine 50-Prozent-Chance für ein Gebot über 21 Euro je Aktie an den Streubesitz von Siemens Gamesa. Siemens Energy würde die Komplettübernahme damit 4,7 Milliarden Euro kosten. Das wäre zwar deutlich mehr als der gegenwärtige Aktienkurs von 17,45 Euro - Siemens-Gamesa-Papiere sind aber binnen zwölf Monaten um knapp die Hälfte eingebrochen, womit Siemens Energy deutlich günstiger davonkäme als damals.

Siemens Energy und Siemens Gamesa wollten sich zu den Informationen nicht äußern.

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