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Wirtschaft von oben #3 - China Hier sehen Sie Chinas Autoindustrie wachsen

Satellitenfotos liefern spannende Einblicke in die Wirtschaft. Diese Woche: Chinas Autobauer haben in den vergangenen Jahren massenhaft neue Werke hochgezogen, um jetzt in eine handfeste Krise zu rutschen. Eine Kooperation mit LiveEO.

Als am 29. Februar 2008 ein Erdbeobachtungssatellit des US-Unternehmens Digital Globe in mehreren Hundert Kilometern Höhe über Zentralchina fliegt, macht er detaillierte Aufnahmen einer ländlichen Gegend südlich der Stadt Chengdu. Ein Bach, staubige Wege schlängeln sich durch die Landschaft, vorbei an kleinen Parzellen, Bäumen, Dutzenden Dörfern. Eine Idylle mit Verfallsdatum.

Einige Monate später fotografiert ein anderer Satellit die Gegend. Baumaschinen haben inzwischen Schneisen in die Landschaft graviert, für ein rechtwinkliges Straßennetz. Wenig später sind dann auch die meisten Dörfer eingeebnet. An ihrer Stelle wächst eine riesige Fabrik des chinesischen Autobauers Geely heran. Heute stellt der hier vor allem Wagen seiner Tochtermarke Volvo und den elektrischen Tesla-Konkurrenten Polestar her.

Wie Geely hier in Chengdu haben Chinas Autohersteller in den vergangenen Jahren daheim gewaltige Kapazitäten aufgebaut. Sie bauten ein neues Werk nach dem anderen, mehr als ein Dutzend sind es inzwischen allein bei Geely in der Volksrepublik. Und noch immer entstehen neue Fabriken, die nun zunehmend zur Last für die Konzerne werden. Denn Chinas Autoindustrie steckt in ihrer ersten großen Krise.

Seit Monaten sinken die Verkaufszahlen. Geely etwa verkaufte im Mai dieses Jahres immerhin 27 Prozent weniger Autos als ein Jahr zuvor. So füllen sich auch die riesigen Ausliefer-Parkplätze neben den Fabriken mit Tausenden Neufahrzeugen. Zwar hatten die Hersteller in den vergangenen Monaten versucht, einen Großteil der Überproduktion auf die Vertragshändler abzuwälzen. Doch deren Flächen sind inzwischen voll. So steigen zurzeit auch die Rabatte, die sie Käufern anbieten, nur um die Wagen irgendwie los zu werden.

Ein Ende der Krise zur zurzeit nicht in Sicht. So hofft die Branche jetzt vor allem auf staatliche Unterstützung, um das Geschäft wieder anzuleiern.

Die Rubrik "Wirtschaft von oben" entsteht in Kooperation mit LiveEO – einer Beteiligung der DvH Ventures. Die Handelsblatt Media Group ist Teil der DvH Medien, zu der auch DvH Ventures gehört.


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