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Wirtschaft von oben #18 - Texas Hier kommt Ihr nächstes Steak her

Im Handelsstreit mit der EU hat Donald Trump den Rinderzüchtern von Nordtexas einen neuen Absatzmarkt beschert. Satellitenaufnahmen zeigen das gewaltige Ausmaß der Fleisch-Industrie. Will sie eine steigende Nachfrage etwa aus Europa decken, muss sie sich wandeln. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.


Während der Handelsstreit zwischen Europa und den USA weiter schwelt, hat US-Präsident Donald Trump der EU bereits ein Zugeständnis abgerungen. Europa wird mehr amerikanisches Rindfleisch zollfrei importieren. Pro Jahr sollen die Steak- und Wurstfleisch-Einfuhren einen Wert von 420 Millionen Dollar haben – das entspricht etwa 150 Millionen Mahlzeiten. Zurzeit haben die Importe nur einen Wert von rund 150 Millionen Dollar.

Doch wo kommt all das Rindfleisch her? Satellitenaufnahmen zeigen die gewaltige Rinderzuchtindustrie, die die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahrzehnten in Nordtexas aufgebaut haben. Mehr als zwölf Millionen Kühe und Bullen leben laut US-Landwirtschaftsministerium in dem Bundesstaat, ein Großteil in der Gegend rund um die 200.000-Einwohner-Stadt Amarillo. Texas ist der mit Abstand größte Rindfleisch-Produzent der USA und erwirtschaftet damit pro Jahr etwa zehn Milliarden Dollar.

Die Mastbetriebe rund um Amarillo bringen es mitunter auf Zehntausende Tiere, eingesperrt in rechteckige Gehege, die je etwa 50 bis 200 Rinder fassen. Um die Anlagen herum bauen Bauern traditionell auch das Futter für die Rinder an - Mais und Heu beispielsweise. In den vergangenen Jahren, das zeigt die Analyse der Satellitenbilder, stieg die Zahl der Ackerflächen und Mastanlagen bereits deutlich. Und das, obwohl in der Gegend nur 40 bis 50 Zentimeter Regen pro Jahr fallen und somit ein trockenes Wüstenklima herrscht.

Mastbetriebe in Texas

Möglich macht die wasserintensive Rinderzucht der Ogallala-Aquifer: Ein riesiges Grundwasserreservoir, das sich von South Dakota bis nach Zentraltexas erstreckt und insgesamt acht Bundesstaaten versorgt. Weil die Rancher und Farmer jede Menge Wasser aus dem Speicher entnehmen und nur wenig hinzukommt, müssen sie immer tiefer bohren.

„Politiker machen sich zunehmend Sorgen um die Zukunft des Ogallala-Aquifer“, heißt es in einer Studie der renommierten Texas A&M Universität. Seit den Siebzigerjahren habe sich der Wasserverbrauch der Rinder-Branche vor Ort verdreifacht. Das führe dazu, dass „der Speicher dramatisch schrumpft“, heißt es in der Studie.


Die Universität liefert in ihrer Untersuchung auch die Lösung, wie die Region die Rinderzucht trotzdem intensivieren kann: Die Branche soll das Futter für das Vieh importieren, statt es in der Region anzubauen. Denn der Trinkwasserbedarf der Kühe ist gering, verglichen mit den Wassermengen, die der Futteranbau verbraucht. Erste Farmer wechseln inzwischen bereits zu Baumwolle, die deutlich weniger Wasser benötigt als die bisher angebauten Pflanzen. Das für die Rinderzucht benötigte Futter führen die Mastbetriebe stattdessen immer häufiger aus anderen Bundesstaaten ein.

Zugleich ersetzen mehr und mehr Farmer die traditionellen Gießwagen, die kreisförmig um einen Pol fahren und so für die typischen Kornkreise sorgen, durch moderne Tröpfchenbewässerung. Das spart bis zu 50 Prozent Wasser. Viele der heute noch aus dem All sichtbaren Kornkreise werden so in den nächsten Jahren wohl verschwinden.

Die Rubrik „Wirtschaft von oben“ entsteht in Kooperation mit LiveEO – einer Beteiligung der DvH Ventures. Die Handelsblatt Media Group ist Teil der DvH Medien, zu der auch DvH Ventures gehört.


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