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Wirtschaft von oben #19 - Borneo Hier wächst der Krombacher-Regenwald heute heran

Satellitenfotos liefern spannende Einblicke in die Wirtschaft. Diese Woche: Mit Biertrinken den Regenwald retten. Damit warb die Brauerei Krombacher jahrelang – und das erfolgreich. Der Absatz stieg. Doch was wurde aus dem Regenwald? Satellitenbilder zeigen, wie sich der Wald in Borneo entwickelt hat. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.


Ein Kasten, ein Quadratmeter Regenwald. Diese Formel dachte sich Wolfgang Schötz 2001 aus. Es war sein größter Erfolg: „Saufen für den Regenwald“, sagt Schötz und lacht, „das kennen auch die heute 18-Jährigen noch. Dabei waren die damals keine zwei Jahre alt.“

Es war eine Idee, mit der sich Krombacher von der Konkurrenz absetzen wollte. Die klebte damals gerne lustige Hüte und andere sinnlose Werbegeschenke an Bierkästen, um mehr Bier zu verkaufen. Immaterielle Zugaben aber waren aus wettbewerbsrechtlicher Sicht verboten. Krombacher entschied sich trotzdem, den Verkauf der Kästen an Spenden für den Regenwald zu knüpfen. Der Fall ging sogar bis vor den Bundesgerichtshof. Die Richter gaben Krombacher schließlich recht – kritisierten aber gleichzeitig, dass es der Werbung an der „erforderlichen Transparenz“ fehle.

Denn beim ersten Projekt 2002 pflanzte Krombacher gar keine Bäume. Vier Millionen Euro spendete die Brauerei zwar für den Nationalpark Dzangha-Sangha in Zentralafrika. Doch das Geld floss in eine Stiftung, die den Bestand des Nationalparks für hundert Jahre garantieren soll. Von den Zinsen stattete der Projektpartner WWF zum Beispiel Ranger aus, die gegen Wilderer vorgehen sollen. Das brachte Krombacher Kritik ein, weil viele Verbraucher mit der Formel „ein Kasten, ein Quadratmeter“ eine andere Vorstellung verbanden.

Das Bäume pflanzen holte Krombacher einige Jahre später nach: Fünf Millionen spendete die Brauerei über die Jahre an den WWF, um im indonesischen Teil der Insel Borneo einen Regenwald aufzuforsten.

Satellitenbilder zeigen nun die Entwicklung des Areals um den Nationalpark Sebangau: Der Regenwald musste einst schwer leiden. So zeigen Aufnahmen von 2004, wie Firmen in den Urwald eindrangen und mitten in die grüne Lunge eine kahle Fläche schlugen. Sie rodeten den Wald mit dem wertvollen Tropenholz und zogen Kanäle durch das Moor, um die Baumstämme abzutransportieren. Das führte dazu, dass der Grundwasserpegel absank und das Torfmoor austrocknete. Torfmoore gelten als eine wichtiger Speicher von Treibhausgasen – die nun in die Atmosphäre drangen.

2009 begann Krombacher für das Projekt zu spenden. Mit dem Geld bauten die Umweltschützer Dämme, um die Fläche wieder zu bewässern und schließlich zu bepflanzen. Mehr als 100.000 Hektar sollten so wieder zu einem natürlichen Lebensraum für Pflanzen und auch die dort lebenden Orang-Utans werden.

Schötz war schon vier Mal vor Ort, um sich den Fortschritt persönlich anzusehen. „Die Bäume, die ich 2009 gepflanzt habe, sind heute über 15 Meter groß“, erzählt Krombacher-Manager.

Doch auch an diesem Projekt gab es Kritik: Es sorgte für Konflikte mit der einheimischen Bevölkerung, die auf den Kanälen fischten und in den neuen Dämmen ein Hindernis sah. Andere Umweltschützer kritisieren, Krombacher betreibe Greenwashing. Mit derselben Werbeaktion, mit der die Brauerei ihre Regenwaldaufforstung verkündete, verloste sie schließlich auch Autos unter ihren Kunden. Immerhin: Ein anderer Gewinn war eine BahnCard.

Zudem ist auf den Satellitenbildern zu erkennen, dass die Waldfläche in dem Nationalpark an anderer Stelle in den vergangenen Jahren geschrumpft ist.

Intern gilt die Aktion trotzdem weiter als Erfolg. Krombacher startete 2016 noch ein weiteres Spendenprojekt für die Artenvielfalt in Deutschland. Und die nächste Spendenaktion sei schon in Planung, verkündet Schötz.

Die Rubrik „Wirtschaft von oben“ entsteht in Kooperation mit LiveEO – einer Beteiligung der DvH Ventures. Die Handelsblatt Media Group ist Teil der DvH Medien, zu der auch DvH Ventures gehört.


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