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Wirtschaft von oben #22 – Dämmung Warum Gebäude im Osten weniger Wärme verlieren

Als Teil des Klimapakets soll auch der Gebäudesektor künftig weniger CO2 verursachen. Exklusive Satellitenaufnahmen von Berlin zeigen stellvertretend für das Bundesgebiet: Der Westen hat hier mehr nachzuholen. Der Osten profitiert von umfangreichen Sanierungen nach der Wiedervereinigung – und hohen Förderprogrammen, die damals zur Verfügung standen. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.


Gebäude verlieren Wärme. Und das kostet Energie. 2017 war der Gebäudesektor für fast 35 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Dadurch, dass vor allem mit Öl und Erdgas geheizt und Wasser erwärmt wird, entstehen hier außerdem etwa 15 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen.

Je weniger Wärme also aus einem Haus entweicht, desto besser auch fürs Klima. Bei bestehenden Gebäuden bleibt dafür vor allem, besser zu dämmen – Außenwände, Decken, Dächer – und neue Fenster einzubauen. Um das zu fördern, will die Bundesregierung es steuerlich begünstigen, wenn Immobilieneigentümer ihre Gebäude energetisch sanieren und damit helfen, den CO2-Ausstoß zu mindern. Der Plan ist Teil des Klimapakets, und nach Jahren des Widerstands könnten nun auch die Länder zustimmen.

Allerdings gibt es Unterschiede beim Wärmeverlust zwischen Ost und West: „In den neuen Ländern – das gilt auch für den Ostteil Berlins – ist der Stand der energetischen Modernisierung deutlich höher als in den alten Ländern“, sagt Ingrid Vogler, Leiterin des Referats Energie und Technik beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Denn nach der Wiedervereinigung waren viele Gebäude sanierungsbedürftig und wurden in den Neunzigerjahren instandgesetzt – und dabei gleich energetisch modernisiert.

Der Bestand der Berliner Wohnungsbaugesellschaft Howoge sei weitgehend durchsaniert, bestätigt Mechthild Zumbusch, Bereichsleiterin Consulting der Berliner Energieagentur. Die Howoge betreut Immobilien in den Ost-Berliner Bezirken Lichtenberg, Treptow-Köpenick, Weißensee und Pankow. Dazu gehören viele Plattenbauten aus den Siebziger- und Achtzigerjahren. Die große Offensive der energetischen Modernisierung führe „zu besserer Wärmedämmung und entsprechend geringen Transmissionswärmeverlusten, wie auf dem Bild zu sehen ist“, erklärt Zumbusch.

Ein Grund dafür sei auch die hohe öffentliche Förderung gewesen, ergänzt GdW-Expertin Vogler. In einer Studie kam der Verband schon 2013 zu dem Ergebnis, dass in den neuen Bundesländern „praktisch die gesamte Grundsanierung der Plattenbauten der Wohnungsunternehmen einschließlich Wärmedämmung mit günstigen KfW-Krediten finanziert“ worden sei – bei einem Darlehensvolumen von mehr als 20 Milliarden Euro. Dazu kamen Landesfördermittel, in Berlin beispielsweise ein Programm mit 500 Millionen Euro mit Zinszuschüssen.

Durch diese Förderprogramme wurden demnach in den neuen Bundesländern fast drei Viertel der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern der Fünfziger- bis Achtzigerjahre entsprechend ihres Bedarfs saniert. Um in den alten Bundesländern vergleichbare Effekte zu erzielen, hätten 2013 bereits etwa 35.000 Euro Modernisierungskosten pro Wohnung (statt damals 20.000 Euro) veranschlagt werden müssen – und ein Programmvolumen allein für die GdW-Unternehmen von 30 Milliarden Euro innerhalb von zehn Jahren. Selbst dann, schrieben die Autoren, müsse „berücksichtigt werden, dass derart hohe Modernisierungsraten Wohnungsunternehmen praktisch handlungsunfähig für weitere Maßnahmen machen können“.

Dass der Osten energetisch stärker modernisiert ist, hat auch mit der Gebäudestruktur zu tun. Große Siedlungen sind beispielsweise leichter zu sanieren als viele einzelne Häuser. Ein- und Zweifamilienhäuser verbrauchen ohnehin das Eineinhalbfache an Energie im Vergleich zu Mehrfamilienhäusern. „Dies dürfte auch der Grund für die intensive Abstrahlung im Südwesten Berlins sein“, sagt Jan Pohle, Projektmanager Energiewirtschaft bei der Energie- und Umwelt-Managementberatung Pöschk. Dort, wo in Dahlem und Zehlendorf Villen stehen, ist Berlin kleinteiliger bebaut.

Westlich der Bezirke liegen der Grunewald, die Havel und der Wannsee. Dort ist auf der Aufnahme eine besonders starke Wärmeabstrahlung zu sehen. Das könne an der gespeicherten Wärme und Feuchtigkeit des Waldes liegen, erklärt Alain Rappsilber von der Schornsteinfeger-Innung in Berlin. Auch die Temperatur von Seen läge im Winter oft über der Bodentemperatur. Oder, auch diese Möglichkeit gebe es: Am Tag der Aufnahme staute eine Wolkendecke Wärme über dem Gebiet.

Die Rubrik „Wirtschaft von oben“ entsteht in Kooperation mit LiveEO – einer Beteiligung der DvH Ventures. Die Handelsblatt Media Group ist Teil der DvH Medien, zu der auch DvH Ventures gehört.


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