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Wirtschaft von oben #32 – Australien Australiens schwarzes Gold

Während Deutschland aus der klimaschädlichen Kohle aussteigt, plant Australien neue Kohlebergwerke und baut seine Seehäfen zum Export des Rohstoffes aus. Exklusive Satellitenbilder zeigen das rasante Wachstum der Häfen. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.

Abbot Point, Australien.

Die Buschbrände in Australien haben weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Seit Monaten wüten vor allem im Südosten des Kontinents heftige Feuer. Menschen und Tiere sterben. Mit den Bränden rückt auch die klimaschädliche Energiepolitik der Regierung in den Fokus und ein deutscher Dax-Konzern: Denn ausgerechnet das Technologieunternehmen Siemens aus München liefert die Signaltechnik für die Bahnstrecke der neuen australischen Kohlemine Carmichael.

Während sich andere Länder vom umwelt- und klimaschädlichen Kohleabbau und der Verbrennung des fossilen Gesteins zur Stromerzeugung verabschieden, setzt Australien weiter auf Stein- und Braunkohle, baut den Bergbau sogar weiter aus: Sechs neue Minen sind geplant. Aktuelle Satellitenbilder von LiveEO zeigen nun zudem, dass das Land seine Seehäfen für den Export des Gesteins in den vergangenen Jahren erkennbar vergrößert hat.

Denn: Für Australien ist Kohle einer der wichtigsten Rohstoffe und wichtiges Außenhandelsgut. Das Land fördert fast 30 Prozent der Kohle und mehr als 20 Prozent des auf den Weltmärkten gehandelten Erdgases. Damit ist Australien der weltweit größte Exporteur von Kohle und Gas: 2018 stiegen die Exporteinnahmen aus diesen Rohstoffen auf über 117 Milliarden australische Dollar.

Um mit der Kohle noch mehr „Kohle“ zu machen, wird auch mitten im Feuerchaos eine neue riesige Kohlengrube eröffnet. Die Carmichael-Mine hatten australischen Behörden erst 2019 genehmigt – nach jahrelangem Kampf von Umweltschützern gegen das Projekt. Ausschlaggebend für das Ja der Behörden waren vor allem die mehr als 1000 Arbeitsplätze, die dort in der von Dürre geplagten Region mit dem Bergbauwerk entstehen sollen. Jährlich sollen rund 60 Millionen Tonnen Kohle gefördert werden – im Tagebau wie auch Untertage.

Um die Kohle zum nächsten Hafen, Abbot Point, transportieren zu können, braucht es auch eine Bahnstrecke. Eben dafür liefert Siemens die Signaltechnik – für 18 Millionen Euro. Die Mine gehört wie der Hafen zum indischen Konzern Adani. Damit die Kohle dort auch gelagert und verschifft werden kann, wird der Hafen erweitert, wie die Bilder aus dem All zeigen. Schon 2011 hatte die indische Firma Mundra Port, die zum Adani-Konzern gehört, einen Pachtvertrag über 99 Jahre zur Nutzung der Hafenanlage unterzeichnet.

Da der Hafen nur 20 Kilometer vom Great Barrier Reef entfernt liegt, befürchten Umweltschützer für das zum Weltkulturerbe zählende Riff erhebliche Schäden. Auch deshalb steht Siemens-Chef Joe Kaeser in der Kritik. Die Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer sagte über ihn, dass ihm bewusst sei, was der geplante Kohleabbau für die Welt und das Klima bedeute, „für die Menschen vor Ort, für das Great Barrier Reef, für die heiligen Stätten, für das Trinkwasser“. Das sei verantwortungslos.

Auch in Australien kritisieren Klimaschützer das geplante neue Kohlebergwerk und den Bau weiterer Minen. Australien werde zu einer Emissions-Supermacht, sagte ein Sprecher der Australian Conservation Foundation. Der Ausbau der fossilen Energieerzeugung stehe im Widerspruch zum Bekenntnis Australiens zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens von 2015. Dieses sieht vor, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten und die Bemühungen fortzusetzen, sie auf 1,5 Grad zu begrenzen. Doch Australien hat weltweit die zweithöchsten CO2-Emissionen pro Einwohner. Mehr hat nur Saudi-Arabien.

Der Rohstoff aber ist zu wichtig für die Wirtschaft des Landes. Nach Berechnungen reichen die australischen Steinkohle-Reserven 111 Jahre und die der Braunkohle 539 Jahre. 2018 förderte Australien etwa 486 Millionen Tonnen Stein- und Braunkohle. Diese großen Reserven will Australien fördern. Deshalb sind weitere neue Minen geplant. Und je mehr Gestein gefördert wird, umso größer müssen auch die Häfen sein, um die Kohle exportieren zu können. Daher wurden auch jüngst auch die Häfen Gladstone, Hay Point und New Castle ausgebaut, wie die Satellitenaufnahmen zeigen.

Die Seehäfen zum Export des fossilen Gesteins liegen alle an der Ostküste Australiens. Denn von dort wird die Kohle hauptsächlich nach Ostasien verschifft. Hauptabnehmer sind Länder wie China, Japan, Taiwan und Süd-Korea. Auch einzelne EU-Länder gehören zu den Abnehmern.

Der größte Teil der australischen Kohlevorkommen, rund 80 Prozent, kann im Tagebau abgebaut werden. Das ist von großem Vorteil. Der Abbau des Gesteins unter Tage ist technisch viel schwieriger und teurer. Der Tagebau ist für Australiens Minenbetreiber deshalb ein großer Wettbewerbsvorteil.

Adani will ungeachtet der seit langem anhaltenden Proteste gegen die neue Kohlemine an deren Bau festhalten. Der Konzern lasse sich nicht einschüchtern oder davon abhalten, seine Versprechen einzulösen – für die Menschen in Queensland, die Australier und die Menschen in Entwicklungsländern, die dringend bezahlbare Energie brauchten, um ihnen zu helfen, der Armut zu entkommen, sagte eine Konzernsprecherin.

Die Rubrik „Wirtschaft von oben“ entsteht in Kooperation mit LiveEO – einer Beteiligung der DvH Ventures. Die Handelsblatt Media Group ist Teil der DvH Medien, zu der auch DvH Ventures gehört.


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