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Wirtschaft von oben #41 – Die eigene Insel Wohin die Superreichen vor Corona fliehen können

Die eigene Insel bietet eine Zuflucht, vor allem in turbulenten Zeiten wie diesen. Ob in der Karibik, auf den Malediven oder im Mittelmeer. Unsere exklusiven Satellitenbilder erlauben auch Normalsterblichen Einblick ins abgeschiedene Leben der Milliardäre. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.

Mosquito Island

Die Inseln und Halligen an Nord- und Ostsee sind seit Kurzem für Touristen gesperrt. Urlauber mussten die Heimreise antreten. So soll die Ausbreitung des Coronavirus bekämpft und die medizinische Versorgung der Insulaner sichergestellt werden. Größere Fallzahlen hätten die Küstenregionen mit ihren medizinischen Kapazitäten nicht verkraftet. Doch die Maßnahme zeigt auch: Ein Wassergraben hat nicht nur Burgen im Mittelalter geschützt. Er schützt Inselbewohner auch heute noch, wenn sie niemanden mehr an Land lassen.

Genau diese Abgeschiedenheit wissen einige Superreiche zu schätzen. Sie haben sich, allerdings eher in der Süd- als der Nordsee, eine eigene Insel gekauft und halten alle unerwünschten Einflüsse fern – wenn’s gut läuft auch das Coronavirus.

Da wäre zum Beispiel Richard Branson, der seine erste Insel vor mehr als 40 Jahren kaufte. Eigentlich hat er dabei alles falsch gemacht: Er hatte kaum Ahnung, was er da eigentlich kauft. Er hatte wenig Pläne, was er damit machen wollte. Er hatte zu wenig Geld, um den Kauf zu stemmen.

Und doch war der britische Unternehmer und Multimilliardär der vielleicht erfolgreichste Insel-Investor unter den Schönen und Reichen dieser Welt. Zumindest wenn seine eigene Erzählung stimmt: 1978 suchte er demnach einen Weg, seine Traumfrau zu beeindrucken. Seine erste Ehe ging kurze Zeit später in die Brüche. Branson hörte davon, dass einige Inseln der British Virgin Islands in der Karibik zum Verkauf standen. Wie passend, hieß doch seine damals noch junge Unternehmensgruppe ebenfalls Virgin. Also ließ er sich von einem Makler vor Ort eine der Inseln zeigen: Necker Island. Als Bedingung habe er nur gestellt, dass er zur Besichtigung mit Helikopterflug eine Begleitperson mitnehmen dürfe – besagte Traumfrau.

Die Insel fand Branson paradiesisch, die Traumfrau war schwer beeindruckt. Doch als der Makler den geforderten Kaufpreis von sechs Millionen Dollar nannte, konnte Branson nur abwinken. Er habe das Äußerste geboten, was damals drin gewesen sei: 100.000 Dollar. Natürlich lehnte der Makler ab.

Vorerst. Ein Jahr später kam der Eigentümer auf Branson zu: Es habe bislang keinen anderen Interessenten gegeben. Für 180.000 Euro könne er die Insel nun haben, wenn er darauf binnen vier Jahren ein neues Resort errichtete. Branson schlug zu. 1989 heirateten er und seine Traumfrau Joan Templeman auf Necker Island.

Weltweit stehen mehrere hundert private Inseln auch heutzutage zum Verkauf. Für viele Milliardäre gehört die eigene Insel einfach dazu. Exklusive Satellitenbilder von LiveEO zeigen einige Beispiele. Luxuriöse Villen, teure Autos, schicke Yachten – das können sich viele Vermögende leisten. Die eigene Insel ist nicht nur ein Schutzort, sie ist auch ein echtes Statussymbol – der Beweis, dass der Eigentümer sich finanziell in anderen Sphären bewegt. Bransons Vermögen etwa wird auf vier Milliarden Dollar geschätzt.

Der französische Unternehmer Bernard Arnault (Chef und Großaktionär des Luxusgüterkonzerns LVMH), dem seit 1999 die Bahamas-Insel Indigo Island gehört, soll es gar auf knapp 100 Milliarden Dollar Vermögen bringen. Sein Luxusgüterkonzern LVMH sorgte jüngst für Aufsehen, weil er statt Parfüm nun vorübergehend Desinfektionsmittel herstellen will, um die Ausbreitung des Coronavirus in Frankreich einzudämmen.

Eine Insel ist eigentlich ein wirksames Mittel, aus einem sehr großen Vermögen ein deutlich kleineres zu machen. Ab gewissen Kontoständen aber spielt auch das keine Rolle mehr. Top-Schauspieler Johnny Depp, bekannt etwa aus „Fluch der Karibik“, soll 2004 rund 3,6 Millionen Dollar für die Insel Little Hall’s Pond Cay, ebenfalls auf den Bahamas, ausgegeben haben. Verkraftbar bei einem angeblichen Nettovermögen von Hundert Millionen Dollar. Und den reichen Inselbesitzern ist ihre Einsamkeit alles Geld der Welt wert. „Ich glaube nicht, dass ich jemals zuvor einen so reinen und schönen Ort gesehen habe“, sagte Filmstar Depp dem Magazin „Vanity Fair“ 2009. Er könne spüren, wie sein Puls um 20 Schläge heruntergehe, sobald er die Insel betrete. Es sei die pure Freiheit.

Dabei ist der Kaufpreis meist nicht die größte Ausgabe. Oft kennen die nötigen Investitionen vor Ort kaum eine Grenze – insbesondere, wenn die Insel nicht nur als einsamer Rückzugsort, sondern auch dem VIP-Tourismus dienen soll, um zahlende Gäste empfangen zu können. Der Bau eines Luxusresorts auf der Malediven-Insel Velaa des tschechischen Milliardärs Jiri Smejc soll 200 Millionen Dollar gekostet haben. Ende 2013 öffnete es. Die Tochter des russischen Milliardärs Dimitri Rybolowlew will auf der griechischen Insel Skorpios gut 180 Millionen Euro für ein neues Luxusresort investieren. Ursprünglich sollte es dieses Jahr eröffnen, doch der Bau verzögert sich. Bis 2022 könne die Fertigstellung nun noch dauern, heißt es.

Zwischenzeitlich wurde angezweifelt, dass die einst im Besitz des sagenumwobenen griechisch-argentinischen Reeders Aristoteles Onassis befindliche griechische Insel überhaupt wirksam in Besitz des Rybolowlew-Clans übergegangen ist. Einige Bauten auf der Insel wurden ohne Genehmigung errichtet. Strenge Naturschutzauflagen erschwerten die Pläne für Neubauten.

Doch Inselkönige müssen auch mit vielen Unwägbarkeiten kalkulieren. Bransons Karibik-Insel Necker Island zum Beispiel wurde 2017 bei einem Hurricane schwer verwüstet, dessen Schäden bis in die jüngere Vergangenheit behoben wurden. Gäste residieren schon wieder in dem Ressort. Die ganze Insel kostet für bis zu 34 Personen bis Ende März nur 87.500 Dollar pro Nacht. Ab April ist dann wieder Platz für bis zu 40 Gäste. Kostenpunkt dann: 102.500 Dollar pro Nacht. Immerhin ist die Verpflegung schon inklusive. Auf den Malediven kostet die Nacht im Resort „Velaa“ in der Beach Pool Villa derzeit nur 3739 Dollar. Eine ganze Privatresidenz mit über 1300 Quadratmetern Fläche würde mit gut 30.000 Dollar je Nacht zu Buche schlagen.

Keine Sorge: Für ausreichend Privatsphäre sollte auf der etwa acht Hektar großen Insel trotzdem gesorgt sein. Viele der Unterkünfte sind mit stegartigen Auslegern über dem Wasser rund um Velaa gruppiert. Außerdem dürfen gleichzeitig maximal 142 Gäste dort urlauben. Auf der Insel waren vor dem Kauf 2010 nur Vegetation und einige Papayafelder. Aus aller Welt wurden die Baumaterialien herangeschafft, Tropenholz aus Borneo etwa. Selbst die Palmen wurden von benachbarten Inseln geholt, um für das echte Inselflair zu sorgen.

Im Vorher-Nachher-Vergleich hat sich Velaa daher wohl am stärksten gewandelt. Aber schauen Sie am besten selbst.

Die Rubrik „Wirtschaft von oben“ entsteht in Kooperation mit LiveEO – einer Beteiligung der DvH Ventures. Die Handelsblatt Media Group ist Teil der DvH Medien, zu der auch DvH Ventures gehört.


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