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Zahlungsdienstleister Wirecard revidiert die vorläufigen Zahlen – Aktie steigt vorbörslich

Der Zahlungsabwickler hat seine Jahreszahlen vorgelegt. Die Dividende wird leicht angehoben, die Prognose für das laufende Geschäftsjahr bleibt bestehen.

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Wirecard wächst rasant – und steigert die Abhängigkeit von Asien Quelle: Reuters

München Der Zahlungsdienstleister Wirecard hat am Donnerstagmorgen seine Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vorgelegt. Das sind die wichtigsten Fakten.

  • Der

    Konzerngewinn

    lag mit 560,5 Millionen Euro im abgelaufenen Jahr um 36,6 Prozent über dem Vorjahr. Es sind aber weniger als die 568,3 Millionen, die Ende Januar als vorläufige Zahl für 2018 gemeldet wurden.  
  • Die bei

    Wirecard tendenziell spärliche Dividende

    wird trotz des Gewinnanstiegs nur um zwei Cent von 0,18 auf 0,20 Euro je Aktie angehoben.
  • Seine

    Prognose

    für das Ergebnis im Gesamtjahr 2019 hat der Dax-Neuling beibehalten. Es wird weiterhin ein Gewinn (Ebitda) in einer Bandbreite von 740 bis 800 Millionen Euro erwartet.
  • Die Aktie liegt vorbörslich 0,7 Prozent im Plus.

Das fällt positiv auf

Wirecard ist weiterhin auf Wachstumskurs. Und unterscheidet sich in der Dimension von allen anderen Unternehmen im Dax. Ein Plus bei Umsatz und Gewinn von mehr als einem Drittel im Vergleich zum bereits starken Vorjahr ist unter den deutschen Top-30 ungewöhnlich. In diesen Dimensionen soll es weitergehen. Ein Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ist für das laufende Jahr in einer Spanne von 740 bis 800 Millionen Euro geplant. Es wäre ein Gewinnplus zwischen 32 und fast 43 Prozent im Vergleich zu 2018. Auffällig ist auch das Transaktionsvolumen, also all die Zahlungen, die weltweit über die Plattform von Wirecard abgewickelt wurden. Sie wuchsen im vergangenen Jahr um 37,3 Prozent auf 124,9 Milliarden Euro. Da der Trend zum bargeldlosen Zahlen überall zunimmt, sind solche Steigerungsraten auch in den kommenden Jahren möglich. Die Handhabbarkeit mobiler Zahlungsfunktionen für den Endverbraucher wird stetig verbessert. Selbst im bargeldverliebten Deutschland fällt der Trend bei der Digitalisierung des stationären Handels auf. Immer mehr Kunden bezahlen selbst Kleinstbeträge per Karte oder Smartphone.

Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) haben bei ihrer Durchsicht des Geschäftsberichts von Wirecard keine Hinweise auf größere Unregelmäßigkeiten gefunden. EY erteilte dem Zahlungsdienstleister trotz der massiven Vorwürfe eines Mitarbeiters in Singapur ein uneingeschränktes Testat für das Jahr 2018, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Doch sei nicht auszuschließen, dass im Zuge der noch laufenden Ermittlungen bei Behörden in dem asiatischen Stadtstaat „Einschätzungen zu den Auswirkungen der dargestellten Sachverhalte auf die Rechnungslegung zukünftig anders ausfallen könnten“. Die „Financial Times“ hatte seit Ende Januar immer wieder über die Vorwürfe berichtet.             

Das fällt negativ auf

Wirecard musste sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) seine vorläufigen Zahlen vom 30. Januar in der Endabrechnung spürbar nach unten revidieren. Standen Ende Januar noch ein Ebitda von 568,3 Millionen Euro und ein Umsatz von 2,1 Milliarden Euro an dieser Stelle, so sind es jetzt 560,5 Millionen Euro beim Ebitda und 2,02 Milliarden Euro beim Umsatz. Das ist kein Beinbruch. Zumal die Spanne, die im Herbst für den geplanten Gewinn ausgegeben wurde, zwischen 550 und 570 Millionen Euro lag. Die nun angepassten endgültigen Zahlen zeigen aber auch, dass die Phase, in der beinahe wie selbstverständlich die Prognosen übertroffen und für die Zukunft nach oben angehoben wurden, vorbei sein könnte. Im vergangenen Jahr wurden die Vorhersagen immerhin dreimal nach oben angepasst. Jetzt ist für das Gesamtjahr wie bisher schon von einer Gewinnspanne von 740 bis 800 Millionen Euro die Rede. Auch die Dividende ist bei Wirecard traditionell nicht hoch. Sie soll diesmal von 0,18 Euro auf 0,20 Euro angepasst werden.            

Was jetzt passiert

Wirecard hat in seinen sieben Monaten im Dax mehr erlebt als manch etablierter Wert in sieben Jahren. Schwere Anschuldigungen wegen Betrug, Kontomanipulation und Geldwäsche, dazu Kurseinbrüche, juristische Ermittlungen und Hausdurchsuchungen. All das zeigt, dass die internen Strukturen bei Wirecard nicht mit dem rasanten wirtschaftlichen Erfolg mitgewachsen sind. Die Kunden, zu denen immer mehr internationale Großkonzerne stoßen, scheinen die vielen negativen Nachrichten aus dem vergangenen Vierteljahr nicht abgeschreckt zu haben. Ganz im Gegenteil. Große Namen wie die japanische Fluggesellschaft ANA sind zuletzt hinzugekommen. Auch Investoren halten trotz aller Vorbehalte gegen das Unternehmen weiterhin zu Wirecard. Die Nachricht vom Einstieg des japanischen Technologiekonzerns Softbank am Mittwoch und von der US-Bank Goldman Sachs wenige Tage davor verdeutlichen das weiterhin große Vertrauen in die Technologie des Aschheimer Unternehmens. Analysten wie Richard-Maxime Beaudoux vom investmenthaus Bryan Garnier gehen deshalb davon aus, dass die fundamentale Lage in der Gesamtbetrachtung nach den turbulenten Monaten zuletzt nun wieder verstärkt in den Blickpunkt rückt.

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