WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Zehnjährige Bundesanleihe Blitzcrash am Anleihemarkt

Der Kursverfall der zehnjährigen Bundesanleihe geht weiter. Die Rendite steigt am Freitag auf bis zu 0,37 Prozent. Das sind mehr als 30 Basispunkte in nur zwei Wochen. Anleger müssen sich auf unruhige Zeiten einstellen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
So sparen die Deutschen
65 Prozent aller Westdeutschen sparen regelmäßig, im Osten sind es dagegen nur 56 Prozent Quelle: dpa
56 Prozent aller alleinstehenden Deutschen sparen regelmäßig Quelle: dpa
Die finanzielle Bildung hängt offenbar nicht mit der schulischen Bildung zusammen Quelle: dpa
Die Sparsituation hängt in Deutschland stark von der beruflichen Situation ab Quelle: dpa
Wer mehr verdient, der spart auch mehr Quelle: dpa
Wo wird fleißiger gespart: In Großstädten oder auf dem Land? Quelle: dpa/dpaweb
Bei den Bundesländern ist Bayern das Land der Sparer Quelle: dpa

Geheuer waren die niedrigen Renditen am Anleihemarkt den Anlegern schon geraume zeit nicht mehr. Lange habe er sich geweigert, die Rally aus steigenden Kursen und sinkenden Renditen als Übertreibung zu bezeichnen, meint Nick Hayes, Fondsmanager bei Axa Investment Managers. Doch Mitte des Monats wurde es ihm zu bunt – er zog die Notbremse. Seither kauft er nur noch Anleihen mit kurzer Laufzeit, denn dort sind Kursschwankungen geringer als bei Langläufern.

Wie Recht der Axa-Mann mit seiner Einschätzung hatte, zeigt sich jetzt. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Benchmark für die langfristige Kapitalmarktzinsen am Bondmarkt gilt, schnellt weiter nach oben. Nachdem sie am Mittwoch bereits um 0,13 Prozentpunkte (13 Basispunkte) auf 0,29 Prozent geklettert war, stieg sie am Freitagvormittag auf bis zu 0,37 Prozent. Das ist der höchste Stand seit dem 6. März, dem letzten Wochentagtag, bevor die Europäische Zentralbank (EZB) ihr gigantisches Anleihekaufprogramm startete.

Der EZB-Effekt ist damit zunächst komplett aufgezehrt. Die europäischen Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi haben am 9. März begonnen, Anleihen in großem Stil aufzukaufen. Bis mindestens September 2016 wollen sie jeden Monat Bonds über 60 Milliarden Euro kaufen. Etwa zehn Milliarden Euro davon dürften Schätzungen zufolge auf Bundesanleihen entfallen.

Die Experten der Commerzbank sprechen bereits – wenn auch etwas augenzwinkernd – von einem „Blitzcrash“. Denn in der Tat sind solch heftige Renditeschwankungen bei Anleihen ungewöhnlich. Immerhin lag die Rendite vor zwei Wochen noch auf einem historischen Tief von 0,05 Prozent. Der Kurs ist seither um 2,6 Prozent abgesackt. Wir dürften am Beginn einer Phase mit „größeren Kursschwankungen stehen“, meint Rainer Guntermann, Analyst bei der Commerzbank.

Sammelsurium aus Auslösern

Einen konkreten Auslöser für den Kursverfall gibt es aktuell nicht, eher ein Sammelsurium aus verschiedenen Gründen, die nervöse Anleger zum Anlass für den Ausverkauf nehmen. So sind die Verbraucherpreise in Deutschland im April im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozent gestiegen und damit etwas stärker als einige Ökonomen erwartet hatten.

In der Euro-Zone ist es das noch nicht so deutlich. Hier stiegen die Verbraucherpreise laut den am Donnerstag veröffentlichten Daten nicht. Ökonomen hatten mit Preissteigerungen von null Prozent gerechnet. Als Belastung wirkte zuletzt indes das große Angebot an neuen Staatsanleihen der Euro-Zone. Allein am Dienstag brachten Deutschland, Italien und Portugal neue Anleihen im Umfang von fast 15 Milliarden Euro auf den Markt.

Geldanlage



So äußerten sich zuletzt mit Bill Gross, dem Ex-Starfondsmanager von Pimco und Jeffrey Gundlach, Chef des in den USA sehr bekannten, Anlagehauses Doubleline sehr skeptisch zu Bundesanleihen und empfahlen Wetten auf fallende Kurse – wenn sie auch zugeben, dass das Timing schwierig sei.

Schließlich dürften die Käufe der EZB den Markt auch weiter unterstützen. Die Experten der Royal Bank of Canada sprechen denn aktuell auch nur von einer „technischen Korrektur“. In der Tat liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe immer noch deutlich unter ihrem Stand von 0,54 Prozent vom Jahresanfang. Und zu Beginn der großen Bondhausse Anfang der 1980er Jahre waren es sogar deutlich über zehn Prozent.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%