WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Zinsentscheid EZB tastet Leitzinsen nicht an

Die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank endet ohne Paukenschlag: Beim Leitzins bleibt alles beim Alten. Die Europäer entfernen sich damit weiter vom Kurs der US-Zentralbank Fed. Diese hatte die Zinsen erneut erhöht.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
EZB: Europäischen Zentralbank tastet Leitzinsen nicht an Quelle: dpa

Düsseldorf Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt sich nicht beirren. Trotz steigenden Drucks, den Ausstieg aus der Politik des ultra-billigen Geldes zu beschleunigen, hält die Notenbank Kurs. Den Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beließen die Währungshüter erwartungsgemäß auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Auf diesem Niveau liegt er bereits seit März 2016. Der Einlagensatz steht weiterhin bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken.

Auf ihrer Zinssitzung in Frankfurt am Donnerstag hielten sich die Notenbanker auch die Tür offen, notfalls die besonders in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe erneut auszuweiten. Sie sind momentan das schärfste Schwert der Euro-Wächter. Im Oktober hatte die Europäische Zentralbank beschlossen, ihre Anleihekäufe ab Januar 2018 auf 30 Milliarden Euro zu halbieren und zunächst auf diesem Niveau bis September weiterlaufen zu lassen.

Den Mitglieder lagen zur Ratssitzung neue Konjunktur- und Inflationsprognosen der hausinternen Volkswirte für die Euro-Zone vor, die erstmals auch das Jahr 2020 einschlossen. Sowohl Gegner als auch Befürworter der jahrelangen Geldschwemme erhofften sich dadurch bessere Argumente für ihre Forderungen. Vor allem die neuen Inflationsprognosen dürften diskutiert worden sein. Sie dürften den EZB-Kurs maßgeblich beeinflusst haben. Entscheidend ist dabei, wie nah die Europäische Zentralbank ihrem Ziel einer Teuerung von knapp zwei Prozent kommen wird.

Anders sieht die Entwicklung auf der anderen Seite des Atlantiks aus. Die US-Notenbank Fed hatte am Mittwoch gegen Ende der Ägide ihrer Chefin Janet Yellen die Zinsen ein drittes Mal in diesem Jahr angehoben und will die Zügel unter ihrem Nachfolger Jerome Powell weiter straffen. Die Fed setzte den Schlüsselsatz um einen Viertelpunkt hoch - auf die neue Spanne von 1,25 bis 1,50 Prozent. 2018 sollen drei weitere Anhebungen folgen. Die mächtigste Notenbank der Welt reagiert damit auf die brummende Wirtschaft in den USA.

Details zum Zinsentscheid wird EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz ab 14.30 Uhr erläutern. Das Handelsblatt berichtet in einem Live-Blog. Es wird dann auch erwartet, dass der Italiener mehr Einzelheiten zu den vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufen nennen wird.

Die EZB hatte im Oktober beschlossen, die monatlichen Transaktionen ab Januar zu halbieren, dafür aber bis mindestens Ende September 2018 zu verlängern. Wie dabei das genaue Verhältnis von Staatsanleihen zu anderen Wertpapieren sein wird, ist zum Beispiel noch unklar. Manche Volkswirte halten es zudem für möglich, dass Draghi andeuten wird, 2018 den bisherigen geldpolitischen Ausblick anzupassen.

Sorgen bereitet den Zentralbankern nach wie vor die Inflationsrate im Euro-Raum. Diese liegt nach wie vor unter der angepeilten Marke von annähernd zwei Prozent. Nach die Preissteigerung Anfang des Jahres bis auf zwei Prozent angezogen hatte, liegt sie seit Mai zwischen 1,3 und 1,5 Prozent. Im November lag sie bei 1,5 Prozent. Anders sieht die Entwicklung in der größten Volkswirtschaft Europas, Deutschland aus. Nach einem Spitzenwert von 2,2 Prozent im Februar und einem Jahres-Tiefstwert von 1,5 Prozent im Mai stieg sie zuletzt an und lag im November bei 1,8 Prozent.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%