Zinsentscheid EZB tastet Leitzinsen nicht an

Die Europäischen Zentralbank lässt sich nicht beirren. Trotz steigenden Drucks, den Ausstieg aus der Politik des ultra-billigen Geldes zu beschleunigen, bleibt beim Leitzins bleibt alles beim Alten.

EZB: Europäischen Zentralbank tastet Leitzinsen nicht an Quelle: dpa

DüsseldorfDen Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld beließen die Währungshüter erwartungsgemäß auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Auf diesem Niveau liegt er bereits seit März 2016. Der Einlagensatz steht weiterhin bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken. Sparer, die kaum noch Zinsen bekommen, müssen sich also weiter gedulden. Den Leitzins will die EZB erst dann anheben, wenn die Anleihekäufe schon längere Zeit beendet sind. Volkswirte rechnen gegen Ende 2019, möglicherweise sogar erst 2020, mit einem ersten Zinsschritt.

Auf ihrer Zinssitzung in Frankfurt am Donnerstag hielten sich die Notenbanker auch die Tür offen, notfalls die besonders in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe erneut auszuweiten. „In jedem Fall so lange, bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die mit seinem Inflationsziel im Einklang steht“, steht in der Presseerklärung.

Einen konkreten Endpunkt für die Transaktionen nannte die Notenbank nicht. Sie sind momentan das schärfste Schwert der Euro-Wächter. Im Oktober hatte die Europäische Zentralbank beschlossen, ihre Anleihekäufe ab Januar 2018 auf 30 Milliarden Euro zu halbieren und zunächst auf diesem Niveau bis September weiterlaufen zu lassen. Das Gesamtprogramm ist damit inzwischen auf 2,55 Billionen Euro angelegt.

Anders sieht die Entwicklung auf der anderen Seite des Atlantiks aus. Die US-Notenbank Fed hatte im vergangenen Monat gegen Ende der Ägide ihrer Chefin Janet Yellen die Zinsen ein drittes Mal in diesem Jahr angehoben und will die Zügel unter ihrem Nachfolger Jerome Powell weiter straffen.

Die Fed setzte den Schlüsselsatz um einen Viertelpunkt hoch – auf die neue Spanne von 1,25 bis 1,50 Prozent. 2018 sollen drei weitere Anhebungen folgen. Die mächtigste Notenbank der Welt reagiert damit auf die brummende Wirtschaft in den USA. Die Januar-Siitzung der US-Notenbank findet nächste Woche statt.

Details zum Zinsentscheid wird EZB-Präsident Mario Draghi auf der Pressekonferenz ab 14.30 Uhr erläutern. Das Handelsblatt berichtet in einem Live-Blog. Es wird dann auch erwartet, dass der Italiener mehr Einzelheiten zu den vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufen nennen wird.

Mit der vor allem in Deutschland umstrittenen ultralockeren Geldpolitik versucht die Notenbank seit Jahren, Konjunktur und Inflation anzuschieben. Die Wirtschaft im Euroraum wächst mittlerweile robust. Die Preisentwicklung bedarf aus Sicht der EZB aber weiter Unterstützung. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben – das würde die Konjunktur abwürgen.

Während Sparer und Banken unter der Zinsflaute leiden, profitieren Kreditnehmer von günstigen Konditionen, zum Beispiel beim Kauf von Häusern und Wohnungen.

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