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Zinspolitik Bundesbankpräsident Weidmann war wohl gegen neue EZB-Guidance

Die EZB hat erklärt, an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten zu wollen. Führende EZB-Ratsmitglieder sehen die Entscheidung jedoch kritisch.

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Die Beschlüsse der EZB zur Zinspolitik bereiten ihm Sorge. Quelle: dpa

Bundesbankpräsident Jens Weidmann und der belgische Zentralbank-Gouverneur Pierre Wunsch sprachen sich laut informierten Kreisen gegen die neu eingeführte Forward Guidance der Europäischen Zentralbank aus, die auf eine längere Periode rekordniedriger Zinssätze hindeutet.

Die beiden EZB-Ratsmitglieder seien besorgt wegen Formulierungen, die als eine zu langfristige Verpflichtung zu einer lockeren Geldpolitik angesehen werden können, so die mit den Diskussionen vertrauten Personen.

Andere Geldpolitiker hätten der Forward Guidance unter der Bedingung zugestimmt, dass sie sich nur auf Zinssätze und nicht auf den Kauf von Vermögenswerten bezieht, heißt es. Ein Sprecher der EZB wollte sich auf Anfrage hierzu nicht äußern.

Die EZB hat am Donnerstag ihre Guidance für den Zeitpunkt einer möglichen Zinserhöhung überarbeitet, um Anleger davon zu überzeugen, die Unterstützung für die Wirtschaft nicht zu schnell zurückzunehmen.

Die entscheidende Änderung bedeutet, dass – selbst wenn die Inflation am Ende des Prognosehorizonts in bis zu drei Jahren ihr Ziel erreicht – die Geldpolitiker nicht gezwungen sein werden, mit einer Straffung der Politik zu reagieren. Für das Jahr 2023 rechnet die EZB derzeit mit einem durchschnittlichen Preiswachstum von 1,4 Prozent.

Der Schritt folgt auf eine 18-monatige Strategieüberprüfung, die darauf abzielte, die langjährigen Bemühungen zur Ankurbelung der Inflation zu verstärken. Weidmann und Wunsch haben beide Anfang dieses Monats der Überprüfung zugestimmt. Der Bundesbankpräsident sagte nach der Überprüfung, dass die EZB nicht bewusst höhere Inflationsraten anstreben werde, um frühere Unterschreitungen auszugleichen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte in einer Pressekonferenz, dass es keine einstimmige Unterstützung für die Entscheidung vom Donnerstag geben habe. Hinter ihr stehe jedoch eine „überwältigende Mehrheit“. Der Rest der geldpolitischen Instrumente der EZB, einschließlich ihrer Anleihekaufprogramme, wurden bei der Sitzung unverändert gelassen.

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