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Zinspolitik Euro-Anstieg besorgt Litauens Notenbank-Chef nicht

EZB-Ratsmitglied Vitas Vasiliauskas hat sich für einen Verbleib bei der lockeren Geldpolitik ausgesprochen. Obwohl der Euro zuletzt zulegte.

Er selbst sehe keine unerwünschten Verschärfungen des Finanzbedingungen, sagte Litauens Notenbank-Chef. Quelle: Reuters

FrankfurtDer starke Euro ist für EZB-Ratsmitglied Vitas Vasiliauskas kein Hindernisgrund für eine allmähliche Abkehr von der Politik des billigen Geldes. „Ich persönlich habe keine unerwünschte Verschärfung der Finanzbedingungen gesehen“, sagte Litauens Notenbank-Chef in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Er rechnet auch nicht damit, dass die Turbulenzen in der Bankenbranche im Nachbarland Lettland auf die heimische Finanzwirtschaft ausstrahlen werden.

Der Euro war kürzlich zeitweise über 1,25 Dollar geklettert - ein Plus von mehr als vier Prozent seit Jahresbeginn. Zudem zog die Verzinsung zehnjähriger Titel an. Steigende Anleihenrenditen drohen die Finanzprobleme der schuldengeplagten Südeuropäer wieder zu vergrößern, da sich frisches Geld am Kapitalmarkt für sie verteuern würde. Dies würde es der Europäischen Zentralbank erschweren, zu einer weniger expansiven Geldpolitik überzugehen.

Für den Notenbank-Chef des baltischen Landes spiegelt die Kursentwicklung vor allem die konjunkturelle Erholung im Euro-Raum wider. „Was den Wechselkurs betrifft, ist das eine ganz normale Reaktion.“ Das sei Folge der starken Wirtschaft. Die Märkte würden mittelfristig eine höhere Inflation erwarten. Die EZB hatte angedeutet, dass sie im Zuge des Aufschwungs die Kommunikation ihrer geldpolitischen Ausrichtung im Frühjahr auf den Prüfstand stellt.

Vasiliauskas zufolge ist es sinnvoll, diesen Ausblick zu ändern. Er plädiert dafür, sich künftig auf alle geldpolitischen Instrumenten zu beziehen und nicht wie bisher vor allem auf die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe. „Ich war immer ein großer Fan davon, alle Instrumente voll einzusetzen“, sagte er.

Das auf 2,55 Billionen Euro angelegte Kauf-Programm soll noch bis mindestens Ende September laufen. Vasiliauskas zufolge wird es danach wohl eine kurze Auslaufphase geben: „Niemand erwartet ein Szenario mit einem plötzlichen Ende des Programms.“ Aktuell sind die Käufe noch das zentrale Instrument der EZB im Kampf gegen eine aus ihrer Sicht zu schwache Inflation.

Eine Ansteckungsgefahr für Litauen wegen der Vorfälle in der Finanzbranche im benachbarten Lettland befürchtet Vasiliauskas nicht. Dort sei der größte Teil des Bankensektors auf den heimischen Markt ausgerichtet. Die drittgrößte lettische Bank ABLV steht wegen Geldwäsche-Vorwürfen in den Schlagzeilen. Die USA haben sie beschuldigt, es Kunden zu ermöglichen, die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen Nordkorea zu unterlaufen. Die Finanzlage der Bank hatte sich daraufhin deutlich verschlechtert. Die EZB forderte die lettische Bankenaufsicht inzwischen auf, der Bank sämtliche Auszahlungen zu verbieten. Zudem muss der lettische Notenbank-Chef Ilmars Rimsevics wegen Korruptionsverdachts sein Amt ruhen lassen. Er hat die Vorwürfe bestritten. Sie könnten der Regierung zufolge Teil einer Desinformationskampagne aus dem Ausland sein.

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