Energiewende: Falsches Spiel um Mieterstrom

Energiewende: Falsches Spiel um Mieterstrom

Bild vergrößern

Potenzial von 3,8 Millionen Wohnungen

von Dieter Dürand

Mieter sollen nun auch von der Ökostromförderung profitieren, verheißt die Bundesregierung. Doch die meisten gehen leer aus – für viele wird es sogar teurer.

230 Mietparteien in der Gemeinde Burg vor den Toren Magdeburgs leben die solare Zukunft bereits. Sie beziehen rund ein Drittel ihres Stroms emissionsfrei aus Fotovoltaik-Anlagen, die die örtlichen Stadtwerke auf zehn Mehrfamilienhäusern einer Wohnungsbaugenossenschaft installiert haben. Für jede Kilowattstunde (kWh) zahlen sie etwas weniger als den gegenwärtigen Grundversorgungstarif des Energieversorgers von knapp 30 Cent. Der Preis ist für 20 Jahre garantiert.

Ähnliche Projekte gibt es quer durch die Republik. Zumeist treiben sie Ökostromanbieter wie Lichtblick, Polarstern und Naturstrom oder Stadtwerke mit kommunalen Wohnungsbaugesellschaften voran. Doch der Bundesregierung sind es viel zu wenige.

Anzeige

Sie holt nun zum großen Schlag aus. Vor allem private Vermieter will sie dazu ermuntern, die Dächer ihrer Häuser mit Solaranlagen zu bestücken und den damit produzierten grünen Strom an die Mieter zu verkaufen. Um das Modell für die Vermieter attraktiv zu machen, können diese laut dem gerade vom Kabinett verabschiedeten Gesetzesentwurf bis zu 3,8 Cent je kWh extra erhalten – zusätzlich zu dem Preis, den sie mit dem Vermieter für jede Kilowattstunde vereinbaren.

PremiumVom Winde verweht Woran Merkels Energiewende scheitert

Das Prestigeprojekt der Bundesregierung ist gescheitert. Strom ist politisch aufgeladen in Deutschland, viel zu teuer – und pseudogrün, denn wir erreichen nicht einmal unsere Klimaziele. Wir müssen umsteuern. Schnell.

Scheiternde Wende: Zu teuer, zu bürokratisch, zu klimaschädlich: die energiepolitische Stümperei der Bundesregierung. Quelle: Foto: Getty Images, Illustration: WirtschaftsWoche

Geradezu euphorisch verspricht Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD): „Mit der Förderung von Mieterstrom bringen wir die Energiewende in die Städte und beteiligen die Mieter an ihr.“ Auf bis zu 3,8 Millionen Wohnungen schätzt sie das Potenzial.

Doch profitieren Mieterhaushalte wirklich? Wird mit dem neuen Fördertopf tatsächlich die Ungerechtigkeit aus der Welt geschafft, dass Mieter über die Umlage für Erneuerbare Energien (EEG), die sie mit ihrer Stromrechnung überweisen, Immobilienbesitzer subventionieren, die sich eine Solarstromanlage anschaffen?

Zweifel sind angebracht. Vor allem aus zwei Gründen.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%