Uber-Deutschland-Chef Freese: "Die Taxi-Innung will keinen neuen Wettbewerber"

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InterviewUber-Deutschland-Chef Freese: "Die Taxi-Innung will keinen neuen Wettbewerber"

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Uber-Deutschlandchef Christian Freese war überrascht über die Reaktionen der Taxibranche.

von Stefan Hajek

Christian Freese, Chef von Uber Deutschland, über den Widerstand von Wettbewerb und Politik, neue Apps, zusätzliche Geschäftsfelder und warum er in Deutschland noch immer großes Potenzial sieht. Ein Interview.

WirtschaftsWoche: Herr Freese, die Taxibranche hat sie in Deutschland und Europa von Anfang an viel härter bekämpft als in ihrem Heimatmarkt USA. Wurde Uber von der Heftigkeit und dem Ausmaß des Widerstandes überrascht?

Christian Freese: Ein wenig. Wir werden teilweise von Menschen kritisiert, die, wie wir oft feststellen, unser Produkt überhaupt nicht kennen, oder nur vom Hörensagen. Da sind auch viele Vorurteile und Falschinformationen dabei. Damit hatten wir so nicht gerechnet, mit Widerständen allerdings schon.

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Welche Vorurteile sind das?

Zum Beispiel, dass unsere Fahrer keine Steuern bezahlen würden, was natürlich Unsinn ist. Uber Partner sind selbstständige Unternehmer, die es bereits seit Jahren gibt und die ganz normal ihre Steuern zahlen. Dann gibt es Taxifahrer, die von Ausbeutung sprechen, ohne je auch nur eine einzige Fahrt von Uber angenommen zu haben. Wenn Sie in den USA mit Fahrern sprechen, werden sie feststellen, dass das Gegenteil der Fall ist: Die meisten Uber-Fahrer verdienen mehr als in ihren vorherigen Berufen.

Zur Person

  • Christian Freese

    Christian Freese ist General Manager bei Uber in Deutschland. Vor Uber war er Principal bei Roland Berger Strategy Consultants. Dort verantwortete er das europäische Mobilitätsgeschäft und unterstützte globale Unternehmen aus dem Transportsektor bei der Entwicklung von Digital- und Wachstumsstrategien. Christian absolvierte einen bilingualen MBA der IESE Business School in Barcelona und studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der KIT in Karlsruhe.

Beim Markteintritt 2013 sind Sie erstmal laut und ruppig aufgetreten. Haben Sie sich unnötigerweise Gegner geschaffen?

Das würden wir rückblickend sicherlich anders machen. Wir waren begeistert von unserem Produkt und ein Stückweit von der Euphorie unserer Community getrieben. Außerdem hatten wir nicht erwartet, dass die bestehenden Gesetze so drastisch gegen uns ausgelegt werden. Wir haben aber verstanden, dass wir als digitales Unternehmen viel mehr Zeit investieren müssen, zu erklären, was genau wir machen und welchen Nutzen wir für die Gesellschaft erbringen können. Dass die Regulierung langsamer voranschreitet als die Digitalisierung liegt ja nachvollziehbarer Weise in der Natur der Sache. Dieser Herausforderung stellen nicht nur wir uns, sondern auch andere digitale Unternehmen wie zum Beispiel Fintechs.

Wie ist ihre Beziehung heute zur hiesigen Politik?

Wir machen Fortschritte. Noch vor nicht allzu langer Zeit haben wir in Gesprächen oft bei null angefangen. Wenige Politiker hatten unsere App je selbst ausprobiert. Wir mussten dann erstmal zeigen, wie unser Produkt überhaupt funktioniert, was es kann, wie bezahlt wird, und so weiter, bevor wir über Dinge wie den Regulierungsrahmen sprechen konnten. Wir sehen aber, dass das Verständnis in der Politik wächst. Einige kennen uns inzwischen aus dem Ausland.

Das Wichtigste zu Uber

  • Wer ist Uber?

    Uber, eigentlich Uber Technologies Inc, gegründet im März 2009, startete seinen Service 2011 in San Francisco. Zunächst beschränkte sich das Angebot auf einen Chauffeur-Service („UberBlack“), der für einen etwas höheren Preis Limousinen als Alternative zu den im Silicon Valley damals notorisch knappen Taxis bot. Das Unternehmen expandierte aber schnell in andere US-Metropolen, von 2012 an auch international, und erweiterte auch seine Dienste. In vielen US-Metropolen und seit November 2015 auch in London können Uber-Fahrer mehrere Fahrgäste unterwegs aufnehmen und eine Art Sammeltaxi auf Zeit bilden; die Kunden teilen sich den Preis („UberPool“). Der bei Kunden erfolgreichste, aber auch mit Abstand kontroverseste Service ist UberX (In Deutschland bis April 2015 als „UberPop“ im Angebot). Dabei kann der Kunde über sein Smartphone in der Nähe befindliche Privatleute anheuern, die ihn gegen Geld mit ihrem Auto befördern, von Uber vermittelt. In der Regel unterbietet Uber so den Preis einer vergleichbaren Taxifahrt um 25 bis 40 Prozent. Uber gilt als das am höchsten bewertete Start-up der Welt- Der Umsatz soll schnell wachsen, allerdings schreibt Uber noch hohe Verluste.

  • Wie funktioniert Uber?

    Der Kunde gibt auf seinem Handy den gewünschten Abholort ein. Nach der Eingabe des Zielorts erscheinen die verfügbaren Uber-Fahrer in der Nähe seines Standortes als kleine Auto-Symbole in der App. Auf Wunsch kann nun der voraussichtliche Fahrpreis angezeigt werden. Nachdem der Kunde die Fahrt verbindlich bestellt hat, bekommen die Uber-Fahrer den Fahrwunsch samt Strecke auf ihrer App angezeigt. Nimmt ein Fahrer an, sieht der Fahrgast dessen Bewertung durch frühere Kunden, den Autotyp und Namen des Fahrers.

    Das Kernprodukt ist, technisch gesehen, das Routing der Fahrer zum möglichst attraktivsten und nächsten Kunden. Da das System mit GPS arbeitet, kann der Fahrtpreis grob vorausberechnet werden und ein Taxameter ist nicht nötig. Nach der Fahrt wird der Kunde seinerseits aufgefordert, den Fahrer zu bewerten. Um die Bezahlung muss er sich nicht kümmern; die Abbuchung erfolgt automatisch von der bei der ersten Anmeldung hinterlegten Kreditkarte oder PayPal.

  • Worum geht die Kontroverse?

    Vor allem der Peer-to-Peer-Dienst, bei dem Privatpersonen andere Privatleute gegen Geld befördern, ist es, der von Taxiunternehmen heftig bekämpft wird. In Deutschland ist er seit Frühjahr 2015 sogar ganz untersagt, seit Gerichte den Argumenten der Taxibranche folgten. Die argumentierten mit unlauterem Wettbewerb: Bei UberPop (in anderen Ländern UberX) werden die oft nebenberuflichen Fahrer lediglich auf ihr Verkehrspunktekonto und auf ein Polizeiliches Führungszeugnis überprüft, während Taxifahrer einen Personenbeförderungsschein, Gesundheitsprüfungen, besondere Versicherungen und (wenn sie ihr eigenes Unternehmen gründen wollen) in vielen Städten eine teure Lizenz benötigen. Das Uber-Auto muss lediglich jünger als zehn Jahre sein, vier Türen und Kofferraum aufweisen und natürlich verkehrssicher sein, während Taxis speziell geprüft werden.

  • Wie ist der Stand der Dinge?

    Wegen der besonders hohen regulatorischen Hürden und der vielen Klagen sowie einstweiligen Verfügungen und Fahrverboten vor Gericht konnte Uber hier zu Lande nach dem Markteintritt in einigen Städten nicht genügend Fahrer akquirieren. Aus Hamburg, Frankfurt und Düsseldorf zog sich Uber inzwischen wieder zurück. Uber gibt es derzeit nur in Berlin und München, wo sich die Leistungen allerdings auf das Vermitteln eines traditionellen Taxis per Uber-App oder eines Chauffeurs beschränken. Der aus Sicht vieler Kunden attraktivste, weil preiswerteste Service (UberPop) wird derzeit in Deutschland nicht mehr angeboten.

Es scheint ruhiger um Sie zu werden. In der jüngsten Vergangenheit war nichts mehr von Gerichtsverfahren in Deutschland zu lesen. Warum haben Sie sich trotzdem aus Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt zurückgezogen?

Seit Mai dieses Jahres arbeiten wir nur noch mit professionellen Fahrdiensten und Fahrern mit Personenbeförderungsschein zusammen. Unser Dienst uberX hat sich seither gut entwickelt. Allerdings mussten wir feststellen, dass wir in den von Ihnen genannten Städten nicht so viele Fahrer auf die Plattform bringen konnten, wie es die Nachfrage erfordert hätte. Das hat damit zu tun, dass wir die bürokratischen Unsicherheiten und die Ermessenspielräume auf lokaler Ebene unterschätzt haben. Einige Tausend potenzielle Partner hatten Interesse geäußert, sich selbstständig zu machen und Fahrten auf der Uber-Plattform anzubieten. Für viele waren die extrem hohen Voraussetzungen, um jemanden als professioneller Fahrdienst von A nach B fahren zu dürfen, einfach nicht mehr verhältnismäßig. Sie müssen wissen, dass bis zu 70 Prozent der Bewerber bei der Unternehmerprüfung durchfallen. Da wird die Frage erlaubt sein, ob es hier noch um den Schutz des Verbrauchers geht, oder nur noch darum, einen etablierten Markt zu schützen.  

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