Aldi Nord: Erbenstreit im Albrecht-Clan
Aldi Süd testet ein neues Ladendesign. In Kirchseeon nahe München hat der Discounter dafür im November 2015 einen Konzeptmarkt eröffnet. Halb Flaggschiff-Filiale, halb Handelslabor enthält der Markt all jene Elemente, die Aldi Süd sonst allenfalls einzeln und an unterschiedlichen Standorten testet.
Die Hintergründe der neuen Aldi-Strategie finden Sie hier.
Foto: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWocheSchon der Eingangsbereich ist ungewohnt. Durch eine breite Glasfront flutet Licht. Neben dem Eingang zeigt ein digitales Werbedisplay aktuelle Aktionsangebote sowie lokale Informationen wie eine Wettervorhersage.
Foto: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWocheVor oder nach dem Einkauf können shoppingmüde Kunden ihre Kräfte auf der Sitzbank sammeln und sich an einem Kaffee aus dem Automaten laben. Einen Euro kostet die Aldi-Heißgetränkekreation.
Foto: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWocheDer Markt selbst ist heller und freundlicher gestaltet als ältere Filialen. Neue Fliesen und Holzoptik an Deckenstreben und Rückwänden prägen das Bild.
Foto: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWocheZu den Neuerungen, die Aldi Süd hier testet, zählt ein Automat, der auf Knopfdruck Zutatenlisten für Rezepte ausdruckt, die sich mit Aldi-Produkten kochen lassen. Auch die Schriftzüge etwa am Weinregal wurden überarbeitet.
Foto: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWocheBackautomaten gibt es flächendeckend in allen Aldi-Filialen
Foto: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWocheNeben dem Backautomaten steht ein Kühlgerät für Getränke und Snacks wie Salate und Sandwiches.
Foto: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWocheLED-Leuchten tauchen Obst und Gemüse und den gesamten Markt in angenehmes Licht, das sich auch den äußeren Lichtverhältnissen anpasst. Zugleich erhellen so genannte Tageslichtbänder die Shoppingszenerie.
Foto: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche„Unsere Kunden erwarten heute eine andere Ladengestaltung und auch ein vielfältigeres Sortiment als in früheren Zeiten“, sagt eine Sprecherin von Aldi Süd. Trotz aller Veränderungen bleibt sich der Discounter letztlich treu: Nach wie vor zieren etwa Kartons die Auslage.
Foto: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWocheHinter der Kasse wartet die mitunter wohl dringlichste Innovation: Einen Kundentoilette samt Wickelbereich für Babys. „In Zukunft werden wir in allen neu gebauten Aldi-Süd-Filialen Kunden-WCs anbieten“, heißt es bei Aldi Süd.
Foto: Bernhard Haselbeck für WirtschaftsWoche
Der Discountriese Aldi Nord gilt trotz aller Transparenzbemühungen in den vergangenen Jahren als einer der großen Geheimniskrämer der Branche. Umso unangenehmer dürften für den Konzern nun juristische Streitigkeiten innerhalb des Eigentümerclans sein, über die die „Lebensmittelzeitung“ (LZ) berichtet. Dabei soll es um den Einfluss auf eine Stiftung gehen – und letztlich wohl auch um deren Ausschüttungen.
Laut LZ haben die Kinder von Berthold Albrecht, einem der Söhne von Unternehmensgründer Theo Albrecht, vor dem Verwaltungsgericht Kiel gegen eine Satzungsänderung der Jakobus-Stiftung geklagt – und sich zunächst durchgesetzt.
Das Verfahren ist ähnlich komplex wie die Eigentümer- und Organisationsstruktur von Aldi. Doch im Kern hat die Klage wohl den folgenden Hintergrund: Die Aldi-Anteile der Familie Albrecht sind in verschiedenen Stiftungen gebunkert. Eine davon ist die so genannte Jakobus-Stiftung. Sie ist die Familienstiftung des 2012 verstorbenen Gründer-Sohns Berthold Albrecht. Die Kinder von Berthold sind sich uneins mit dem Bruder ihres Vaters Theo Albrecht jr. „Die Fronten zwischen den beiden Familienstämmen sind verhärtet“, schreibt die LZ dazu.
Als entsprechend heikel sahen sie offenbar eine Satzungsänderung der Jakobus-Stiftung, die darauf abzielte, Emil Huber, einen langjährigen Vertrauten des Unternehmensgründers, im Vorstand der Stiftung zu installieren. Die Aufnahme Hubers in den Stiftungsvorstand soll von den Nachfahren Berthold Albrechts demnach als Versuch der Familie von Theo Albrecht jr. interpretiert worden sein, in die Jakobus-Stiftung hineinzuregieren.
Um das zu verhindern und statt Huber einen eigenen Vertrauten in den Stiftungsvorstand zu entsenden, zogen die Erben von Berthold Albrecht vor das schleswig-holsteinische Verwaltungsgericht und klagten gegen die Stiftungsaufsichtsbehörde, die die Satzungsänderung zugelassen hatte. Das Gericht entschied laut LZ zu ihren Gunsten. Die 2010 erfolgte Satzungsänderung der Jakobus-Stiftung muss demnach zurückgenommen werden. Es besteht allerdings die Möglichkeit, gegen das Urteil vorzugehen. Das wird offenbar auch von mehreren Beteiligten geplant. Bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung soll Huber im Amt bleiben.
Bei Aldi Nord halte man die jüngste Gerichtsentscheidung für falsch, berichtet die LZ und der Konzern poche zudem darauf, dass die Satzungsänderung eindeutig dem Willen von Berthold Albrecht entspreche.