Schmähpreis Plagiarius: „Schönes Design, für Jedermann bezahlbar“: Die frechsten Produktfälschungen des Jahres
Der Schmähpreis Plagiarius, den die gleichnamige Aktion vergibt, zeichnet jährlich die dreistesten Produktfälscher aus. Die Trophäe – die eher nicht in der Vitrine der „Sieger“ landen dürfte – geht 2025 an Unternehmen verschiedener Branchen. Manche Fälschungen sind auf den ersten Blick kaum vom Original zu unterscheiden, sind aber mindestens minderwertiger Qualität bis hin zu gefährlich.
Ein zeitloses und dennoch extravagantes Regalsystem stammt aus dem Studio Hausen und aus der Feder des Hamburger Designers Jörg Höltje. Das Original (links) ist aus Massivholz gefertigt und stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. 380 Euro kostet es. Ein deutscher Möbel-Filialist hat es nachgemacht – aus tropischem Mangoholz und Billig-Bügeln, moniert die Aktion Plagiarius. Immerhin: Das Handelsunternehmen habe mittlerweile den Verkauf der Plagiate gestoppt und Restbestände vernichtet. Der Claim „Schönes Design, für Jedermann bezahlbar“ von Handelsunternehmen dürfe nicht zu Lasten kreativer Designer gehen, begründet die Jury. Die Nachahmung hat es auf Platz 1 des Schmähpreises Plagiarius 2023 geschafft.
Das türkische Unternehmen Metplas A.S. hat Trinkgläser vom Unternehmen Koziol mit Sitz im Odenwald kopiert. Die Gläser bestehen laut der Aktion Plagiarius aus einem Hightech-Material, das die Eigenschaften von Glas wie Transparenz und Lichtbrechung mit den Vorteilen von Kunststoff vereine. Die Gläser, konzipiert für Gastronomie und Hotellerie, seien unzerbrechlich, isolierfähig, leicht und individuell einfärbbar. Beim Plagiat wurden Form, Konzept und das exklusive Facettendesign nahezu 1:1 übernommen. Die Fälschungen (unten) seien einfacher verarbeitet, weniger standfest und in ihrer Optik näher am Kunststoff – sie holen Platz 2 des diesjährigen Schmähpreises.
Platz 3 geht an die Kopie eines Fahrzeugdiagnosesystems (OBD). Autobauer entwickeln sie, um Modelle zu reparieren und zu warten, in dem Fall steckt Mercedes-Benz hinter dem Original-Produkt (links). Das Unternehmen OBD Diagnostic Tools mit Sitz in Fellbach (Baden-Württemberg) gewinnt den dritten Platz im Schmäh-Wettbewerb: Die Firma hat das abgekupferte Diagnosesystem über eine Webseite und Ebay verkauft. Gefälschte Fahrzeugdiagnosesysteme verwenden oft veraltete Software ohne Aktualisierungen – und erkennen deshalb möglicherweise Fehler nicht. Für die Verletzung der Markenrechte gab es in diesem Fall sogar eine zivilrechtliche Verurteilung des Landgerichts Stuttgart und ein Strafverfahren.
Die gesamte Identität wurde dem Messgerätehersteller Wika gestohlen: „WIKA China Website“ lautete der Copyright-Vermerk auf der Seite wika-wika.cn – Fälscher haben eine chinesische Internetpräsenz ins Leben gerufen. Inklusive Historie, Fotos, Texten: Also Marken- und Urheberrechtsverletzungen und der bewussten Täuschung der Nutzer der Webseite. Der Inhaber der Domain, Chu Chaofeng aus Shanghai, wurde mit dem Sonderpreis Identitätsklau ausgezeichnet.
Plagiarius zeichnet das Unternehmen Fath GmbH mit Sitz im fränkischen Spalt mit einem weiteren Sonder-Schmähpreis aus: Den des sogenannten faulsten Serientäters. Im Sortiment von Fath finde man seit Jahren zahlreiche Produkte, die dem Wettbewerber item Industrietechnik GmbH (Solingen) ähnlich sehen (links die Originale). Die Begründung: „Eine Weiterentwicklung, individuelle Ausprägung oder gar die erwähnte Innovation? Nicht erkennbar.“ Und die Jury legt nach: „Kreativbefreite Nachahmungen in Serie kann auch kein Marketing schönreden.“ Während sich andere Mitbewerber eher inspirierten, aber eine eigene Formensprache und Designmerkmale entwickelten, habe Fath „Inspiration falsch verstanden“.
Die polnischen Fälscher waren schneller als der Originalhersteller – und bekommen dafür ebenfalls einen Sonderpreis verliehen. Drei Monate, bevor Volkswagen seine Navigations-SD-Karte V16 auf den Markt brachte, konnten Käufer sie schon für den halben Preis in einem Ebay-Shop kaufen. Auch die Hüllte der Karte war abgekupfert. Der Anbieter räumt zwar die Markenrechtsverletzungen ein, weigerte sich der Aktion Plagiarius zufolge aber, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben. Der polnische Fälscher habe Volkswagen eine Zahlung von 2000 Euro gegen die Einstellung der Rechtsverfolgung angeboten – erfolglos. Weitere juristische Schritte seien geplant, heißt es weiter.