Krankenversicherung: Die GKV muss günstiger werden, nicht teurer!

Karl Lauterbachs Gesundheitsreform wird teuer – vor allem für gesetzlich Krankenversicherte. Schon im kommenden Jahr sollen die Beiträge weiter steigen. Die Versicherten müssten halt in den „sauren Apfel“ beißen, kommentiert der Gesundheitsminister lapidar. Um wie viel die Beiträge steigen, will er nicht sagen. Doch es wird wohl richtig teuer. Schätzungen zufolge sollen die Reformen in den kommenden zehn Jahren rund 50 Milliarden Euro kosten.
Lauterbach hofft, das Gesundheitssystem nach diesen exorbitanten Investitionen auf Effizienz getrimmt zu haben. Und dann könnten irgendwann auch die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sinken? Das wäre zu schön.
Nur leider nicht sonderlich wahrscheinlich. Alle bisherigen Reformen haben, wenn überhaupt, nur kurzzeitig gewirkt. Die Beiträge indes sind immer weiter gestiegen. Es ist zynisch, wenn der Minister die Krankenversicherten damit tröstet, dass sich mit den 50 Milliarden Euro immerhin auch die Versorgung verbessere.
Es ist ja nicht so, dass GKV-Versicherte derzeit medizinisch schlecht versorgt werden. Insgesamt ist das Gesundheitssystem jedoch ineffizient. Allein die Zahl der Krankenhäuser zu reduzieren, Lauterbachs Lieblingsprojekt, wird nicht helfen. Bei der Digitalisierung der Patientenversorgung und des Datenaustausches zwischen den Ärzten beispielsweise besteht nach wie vor immenser Nachholbedarf. Mehrfachuntersuchungen ließen sich vermeiden, Diagnosen schneller stellen, Krankenhausaufenthalte verkürzen.
Zudem ist die Finanzierung der GKV intransparent. Nach wie vor müssen die Krankenkassen versicherungsfremde Leistungen finanzieren. Zwar zahlt der Bund dafür Geld ins GKV-System. Dieser Zuschuss reiche jedoch nicht aus, um die Mehrkosten zu decken, beklagen die Kassen. Es wäre besser, diese Leistungen auszugliedern und sie direkt aus Steuermitteln zu finanzieren. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die GKV-Beiträge nicht deshalb steigen.
Auch bei den gesetzlichen Krankenkassen ließen sich die Kosten mindern. Es stellt sich die Frage, ob wir wirklich so viele Mitarbeiter im Management und in der Verwaltung brauchen. Manche Kassen kommen mit deutlich weniger Personal pro Versichertem aus als der Durchschnitt. Diese Kassen könnten ein Vorbild dafür sein, den Wasserkopf im Gesundheitssystem zu verkleinern.
Die GKV-Versicherten müssten nicht zehn Jahre lang auf mehr Effizienz warten, wie es ihnen Lauterbach abverlangt. Verbesserungen wären auch deutlich schneller zu erzielen. Dafür bräuchte es den politischen Willen. Genau daran hapert es aber noch.
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