Elsässers Auslese: Sinkende Aktienkurse - was ist zu tun?
Das Basis-Portfolio
Die Stiftung Warentest hat die besten Tipps für faule Anleger zusammengestellt. Die einfachste Variante besteht dabei aus zwei Fonds: zum einen ein Aktien-ETF auf den Weltaktienindex und zum anderen ein Renten-ETF auf einen Euro-Staatsanleihenindex.
Foto: dpaSchwellenländer
Eine andere Möglichkeit, das Portfolio für Faule anzureichern ist, ihm einen ETF auf Schwellenländer-Aktien oder Rohstoffe beizumischen.
Foto: APLangfristig denken
Beim Anlegen für Faule geht es um langfristigen Vermögensaufbau. Geld, das nicht kurzfristig gebraucht wird, kann dort angelegt werden. Außerdem können sich Anleger auch mit einem Sparplan ein Faulen-Portfolio aufbauen.
Foto: dpaSicherheit kostet
Auch das Mischverhältnis beeinflusst die Kosten. Wer sich für eine Sicherheitsvariante mit mehr Rentenfonds entscheidet, zahlt mehr als derjenige, der eine ausgewogene Mischung wählt.
Foto: dpaGut Ding will Weile haben
Faule Anleger sollten mit einer Anlagedauer von mindestens sieben Jahren planen – besser sind zehn. Mit den Aktienfonds investiert man in volatile Märkte und kann zwischendurch deutlich ins Minus geraten. Bei Anlagen über längere Zeit bieten Aktienfonds allerdings bessere Renditechancen als sicherere Geldanlagen.
Foto: dpaDie Mischung macht's
Ein wichtiger Faktor beim Anlegen für Faule ist die Mischung der Fonds. Grundsätzlich sollten langfristig orientierte Anleger eine 50-50-Mischung wählen und zur Hälfte in Aktienfonds, zur Hälfte in Rentenfonds investieren. Besonders vorsichtige Anleger können auch 75 Prozent ihres anzulegenden Vermögens in den Rentenfonds stecken. Wer mehr riskieren will, sollte stärker auf Aktienfonds setzen.
Foto: dpaVariationen
Das Portfolio für Faule kann leicht variiert werden, indem man statt eines Aktien-ETF auf den Weltaktienindex einen ETF auf einen europäischen Index wählt.
Foto: dpaNotgroschen
Faule Anleger sollten darauf achten, einen Teil des Geldes kurzfristig zur Verfügung zu haben, um für unvorhergesehene Ausgaben gewappnet zu sein. Wie hoch dieser Notgroschen sein sollte, hängt von der Lebensführung der Anleger ab. Empfohlen wird aber ein Notfalltopf in Höhe von zwei bis drei Monatsgehältern oder -renten.
Foto: dpaMinimalbetrag
Wie hoch der Minimalbetrag beim Anlegen für Faule ist, hängt in der Regel davon ab, wie teuer die Bank ist und welche Art des ETF-Portfolios gewählt wurde. Günstig wird es etwa ab 10.000 Euro.
Foto: dpaAchtung, Gebühren
Faule Anleger sollten ein Auge auf Bankgebühren haben. Die Faustregel ist: Je kleiner der Anteil eines Fonds, desto stärker schlagen die Gebühren der Bank zu Buche. Besonders gilt das bei den Umschichtungen.
Foto: dpaKontrolle ist wichtig
Auch wenn der Anleger faul ist – er sollte sein Depot ungefähr einmal im Jahr kontrollieren. Tatsächlich aktiv werden und umschichten muss man aber nur, wenn die Fonds um mehr als 20 Prozent von ihrer anfänglichen Gewichtung abweichen.
Foto: dpaHat sich der Geldanleger erst einmal zum Kauf einer bestimmten Aktie entschieden, so erwartet er im Unterbewusstsein, dass sich schon bald nach seinem ersten Kauf Positives an der Börse tun wird. Das ist natürlich unrealistisch, aber im tiefsten Inneren hätte er es doch gerne so. Vor allem sollten die Kurse seiner Aktie ab jetzt doch - bitte schön - steigen. Genüsslich verfolgt der Aktionär jede Kursbewegung nach oben. Ein wohliges Gefühl der inneren Bestätigung schleicht sich ein. Schnell fühlt sich mancher Anleger wie ein Börsengenie vom Schlag eines Bernard Baruchs oder Kostolanys. Sinkt stattdessen der Börsenkurs, ganz entgegen seiner Erwartung, so setzt eine instinktive Reaktion ein: „Das kann ja wohl nicht sein, so eine Gemeinheit, am besten gleich mal nachkaufen“.
Das Fazit aus einer solchen Verdrossenheit heißt: Den Einstandskurs verbilligen. Dies ist eine gefährliche Zauberformel, die schon Generationen von Börsianern das Finanz-Genick gebrochen hat. Schauen wir uns einmal den Verlauf eines recht typischen Beispiels an: Der erste Kauf wurde zu Kursen um die 100 Euro getätigt. Kurze Zeit später steht die Aktie nur noch bei 91 Euro. Mutig kauft der Aktionär nach. Doch der Kursverfall setzt sich fort. Wenige Wochen später notiert die Aktie bei 78 Euro. Jetzt erst recht, heldenhaft stemmt sich der Anleger gegen die Flut. „Bei den Preisen muss man doch zuschlagen“.....und schon hängt der Investor mit seinem Engagement in einer Schieflage. Es ist eine Art Trotzreaktion („die Börse spinnt ja total“), welche den kühlen und klaren Blick vernebelt. Sobald Kurse sich ganz anders entwickeln, als erwartet, ist dies ein deutlicher Warnhinweis aller erster Güte. Es ist so, als wenn überall Stop-Schilder aufgestellt worden wären.
Die richtige Interpretation wäre, sein Ego in den Griff zu bekommen. Der besonnene Investor hat gelernt, dass in solchen Fällen vielleicht etwas vorliegt, was er nicht überblicken kann. Da heißt es, erst einmal nachdenken, recherchieren, Boden unter die Füße bekommen, herausfinden, was da im Busch verborgen sein könnte. Meist hat es seinen Grund, wenn ein Börsenkurs sich massiv auf Talfahrt begibt. Mit meinen 44 Jahren Börsenerfahrung als Value-Investor hat es mich viel Zeit, Geld und Mühe gekostet, konsequent diese Trotz- und (nennen wir es ruhig) Rechthaber-Reaktion abzulegen. Das war alles andere als einfach, dahin zu kommen. Ich habe gelernt, nicht blind den Einstandspreis zu verbilligen.
Deutschland-Atlas Anlageverhalten
Zwischen Wohlstand und Aktienbesitz gibt es einen direkten Zusammenhang, das zeigt der Deutschland-Atlas Anlageverhalten der Comdirect-Bank. Diese Korrelation zwischen Aktienquote und Wohlstand manifestiert sich auch auf regionaler Ebene: In Kreisen, in denen viele Besserverdienende wohnen, wird überdurchschnittlich häufig in Aktien investiert. Dabei stechen zwei Bundesländer besonders hervor.
Die Studie „Deutschland-Atlas Anlageverhalten“ der Comdirect Bank basiert auf aktuellen mikrodemografischen Daten von GfK und Acxiom zu Bevölkerungsstruktur, Einkommen und Aktienbesitz in Deutschland. Die Daten wurden auf Kreis- und Stadtebene konsolidiert und zu ausgewählten Fragestellungen in Bezug zueinander gesetzt.
Foto: APPlatz 10: Baden-Baden
Auf Platz zehn kommt die Baden-Württembergische Stadt Baden-Baden - hier ein Blick auf den Leopoldplatz. Eine Erklärung für die Korrelation liefert Daniel Schneider, Leiter Investing bei Comdirect: „Dass vor allem in einkommensstarken Regionen die Anlagemöglichkeiten am Aktienmarkt gut genutzt werden, erscheint im ersten Moment logisch. Umgekehrt gibt es kaum Regionen, die bei durchschnittlichen Einkommen eine hohe Aktionärsquote verzeichnen. Tatsächlich aber sollten Aktien keine Anlageform nur für Besserverdienende sein.“
Foto: dpaPlatz 9: Ebersberg (Bayern)
Der Landkreis Ebersberg liegt im Speckgürtel von München, was seine hohe Platzierung erklärt. „In Nachbarkreisen des aktienaffinen München zeigen auch Normalverdiener eine hohe Aktienaffinität. Die Metropolen mit überdurchschnittlich vielen Aktionären strahlen auf ihre Nachbarregionen ab“, erklärt der Comdirekt-Experte.
Foto: dpaPlatz 8: Regensburg (Bayern)
Regensburg landet auf Platz acht. Doch die Korrelation zwischen hohem Einkommen und entsprechender Aktionärsquote gilt nicht zwangsläufig, so gibt es etwa in Bayern zwei Ausnahmen: Kaufbeuren mit unterdurchschnittlichen 25,5 Prozent Besserverdienenden und 10 Prozent Aktionärsquote, sowie Kempten im Allgäu mit 26,2 Prozent Einkommensstarken und 11,4 Prozent Aktienbesitz.
Foto: dpaPlatz 7: Erlangen (Bayern)
Erlangen landet auf Rang sieben. Eine Ausnahme für die Korrelation zwischen vielen Besserverdienern und hoher Aktienquote ist jedoch Leverkusen: Mit 29,9 Prozent Besserverdienern liegt die kreisfreie Stadt zwar leicht über dem Einkommensdurchschnitt. Die Aktionärsquote ist mit 11,5 Prozent jedoch deutlich höher. „Auch hier liegt mit Köln eine Aktienhochburg in unmittelbarer Nähe: Bei einem Drittel Besserverdienern beträgt die Aktionärsquote hier starke 12,6 Prozent“, so Experte Schneider.
Foto: dpaPlatz 6: Fürstenfeldbruck
Bei Fürstenfeldbruck kommt wieder die Nähe zu München ins Spiel. So landet die 35.000-Einwohnerstadt auf Platz sechs des Rankings.
Auf den letzten Plätzen der 402 deutschen Kreise nach Einkommen und Aktionärsquote rangieren 33 ostdeutsche Regionen. Hier liegt der Anteil Besserverdienender unter 20 Prozent, zugleich liegt die Zahl der Aktionäre bei unter sechs Prozent. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt sind es 28,2 Prozent Besserverdiener, die Aktionärsquote beträgt neun Prozent.
Foto: ScreenshotPlatz 5: Main-Taunus-Kreis (Hessen)
Der Main-Taunus-Kreis im Regierungsbezirk Darmstadt landet auf Platz fünf. Auch hier besteht eine hohe Korrelation zwischen einem hohen Anteil an Besserverdienern und dem in Aktien angelegten Vermögen.
Foto: imago imagesPlatz 4: Kreis München (Bayern)
Das direkte Umland von München landet auf Platz vier des Rankings. Die Nähe zur Landeshauptstadt spielt hier eine große Rolle. Doch auch in die andere Richtung gibt es vereinzelt Auffälligkeiten: Kreise, in denen viele Besserverdienende wohnen, die Anzahl der Aktionäre jedoch weit unter dem Bundesdurchschnitt liegen. So wohnen im rheinland-pfälzischen Eifelkreis Bitburg-Prüm zwar 31 Prozent Besserverdiener, jedoch sind hier nur sechs Prozent Aktionäre. Auch in Germersheim, wo 36 Prozent hohe Einkommen haben, liegt der Aktienbesitz mit 8,9 Prozent knapp unter dem Durchschnitt.
Foto: dpa, dpaPlatz 3: Starnberg (Bayern)
Auch Starnberg unweit von München hat sowohl viele Besserverdiener als auch Aktionäre unter den Einwohnern. So ist die gesamte Region rund um München im Top-10-Ranking gut vertreten.
Foto: dpaPlatz 2: Hochtaunuskreis
Seine vielen Besserverdiener und Aktionäre verdankt der Hochtaunuskreis in Hessen wohl seiner Nähe zur Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main. So durchbricht der Kreis die Dominanz des Münchener Umlands im Ranking.
Foto: dpaPlatz 1: München
Die bayrische Landeshauptstadt München landet auf dem ersten Platz. Hier verfügen 40 Prozent der Einwohner über ein Haushaltsnettoeinkommen von monatlich mehr als 3.600 Euro netto; die Aktienquote liegt mit 17,8 Prozent fast neun Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt.
Foto: APBeim Aufbau einer neuen Aktienposition sollte der Geldanleger immer klein anfangen. Die Position sollte er dann geduldig Schritt für Schritt über die Zeit ausbauen, aber nur wenn sich der Kurs der Aktie stabil entwickelt. Das ist der entscheidende Punkt, auf den es ankommt. Läuft die Börsennotiz gegen ihn, dann wird eben nicht zugekauft. Nach einer gewissen Recherche stellt man nämlich häufig fest, dass sich doch etwas unerwartet Negatives im Umfeld der Aktiengesellschaft ereignet hat. Dann sollte der Investor über seinen Schatten springen und die Aktienposition verkaufen. Der Schaden ist am Anfang in der Regel gering. Man sollte solch eine frühe Korrektur wie einen Fehlstart bewerten und nicht wie eine Katastrophe, die einem das Engagement an der Börse für immer verleidet.
Und umgekehrt heißt es, behutsam mit Freude Aktien nachkaufen, wenn steigende Aktienkurse den Erfolg der Unternehmung widerspiegeln (anstatt sich über die „davon gelaufenen Kurse zu ärgern). Hier gilt die simple Börsenweisheit: „Up is Good“. Indem der Geldanleger gegen die ureigenste psychische Reaktion angeht, handelt er in seinem Aktiendepot nach dem Gärtner-Motto: „Rosen stehen lassen und das Unkraut entfernen“. Hier liegt einer der Hauptgründe, warum einige Investoren in der Lage sind, langfristig eine deutlich bessere Performance zu erwirtschaften als der Gesamtmarkt. Die beschriebene Anlage-Methodik ist für das Ego des Geldanlegers schmerzlich.
Es geht um das frühe Eingeständnis, eine falsche Kaufentscheidung getroffen zu haben. In der Realität sieht es leider in den meisten deutschen Depots indessen ganz anders aus. Noch nach Jahren ist bei Depotanalysen festzustellen, dass die Aktien-Portefeuilles voll von solchen „angebissenen Äpfeln“ sind. Erst wenn der historische Einstandspreis erreicht ist, dann sind die meisten Geldanleger willens, sich von ihrem schief gelaufenen Aktienengagement zu trennen. Ein Anlageverhalten, welches ins Verderben führt. So wird die Qualität des Depots doch immer schlechter. Die Aktiendepots schauen mancherorts wie ein Sammelsurium zusammengeschossener Posten aus. Ganz nüchtern betrachtet ist es ja so: Die Höhe des gesamten Vermögens wird jeden Tag an der Börse ganz genau festgesetzt.
Wie mit einem Barometer dokumentiert die Aktienbörse mit ihren täglichen Börsenkursen genau, wie viel das gesamte Vermögen wert ist. Und deshalb ist es auch ganz gleich, was früher einmal für eine bestimmte Aktie gezahlt wurde. Das Vermögen ist nun mal was es täglich ist, nicht mehr und nicht weniger. An der Börse kann man sich nicht reich oder arm rechnen. Es gibt stets einen Kurs. Auf die Zukunft kommt es an – Rosen oder Unkraut. Von daher mein Rat: Überdenken Sie Ihre Anlagestrategie. Und was ist mit dem „Unkraut“ im Depot? Tun Sie mir den Gefallen, bitte nicht stehen lassen.