Lebenserwartung: Welche Eigenschaften zu einem langen Leben verhelfen
Sport und Bewegung
Auch wenn es schwer fallen mag: Wer sich vor dem Schlafen gehen an der frischen Luft bewegt, bekommt den Kopf frei und schläft besser ein und durch. Dafür reicht schon ein Spaziergang an der frischen Luft - es muss ja nicht gleich das Power-Workout-Programm sein.
Foto: dpaDen Job Job sein lassen
Guter Schlaf hat viel mit Abschalten zu tun. Also schalten Sie Diensthandy und E-Mails aus, sobald Sie nach Hause kommen und kümmern Sie sich um Ihre Lieben und sich - und nicht um den cholerischen Chef.
Foto: dpaZeit mit geliebten Menschen verbringen
Apropos Ihre Lieben: Nachdem Sie die letzten acht bis zehn Stunden mit Kollegen und Chefs verbracht haben, die Sie sich nur indirekt aussuchen können, verbringen Sie abends Zeit mit Familie, Kindern, Freunden oder Ihrem Goldfisch. Hauptsache, es ist etwas Lebendiges, das Sie mögen. Das entspannt enorm und sorgt für einen anderen Blick auf den Tag. Zumindest, wenn Sie sich mit Menschen beschäftigen.
Foto: WirtschaftsWocheDen Tag Revue passieren lassen
Manchen Menschen hilft es, vor dem Schlafen gehen zehn Minuten zu meditieren. Sollte Ihnen der Spiritismus abgehen, lassen Sie einfach den Tag noch einmal an Ihrem inneren Auge vorbei ziehen - und zwar nur die guten Dinge. Konzentrieren Sie sich auf das, was gut gelaufen ist.
Foto: WirtschaftsWocheEine to-do-Liste machen
Bevor Sie sich ins Bett legen, tragen Sie kurz - schriftlich oder in Gedanken - zusammen, was Sie am nächsten Tag erwartet: Der Hund muss zum Tierarzt, Sie wollten Milch kaufen, den Müll runter tragen, die Präsentation fertig stellen und abends mit den Kollegen Fußball spielen. So klären sie Ihre Gedanken und schlafen besser ein.
Foto: WirtschaftsWocheLesen
Statt zum Einschlafen Fern zu schauen oder sich auf dem Smartphone Youtube-Videos anzusehen, lesen Sie lieber ein Buch. Das ist gut für die grauen Zellen und müde macht es auch.
Foto: dpaDass die Lebensdauer nicht nur mit einer gesunden Lebensweise, sondern auch mit ganz bestimmten persönlichen Eigenschaften zusammenhängt, ist in der Forschung längst kein Geheimnis mehr. Eine der ersten Studien, die einen Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Lebensdauer festgestellt hat, war die des US-Psychologen Lewis Terman. Sie begann bereits in den 1920er Jahren, wurde über seinen Tod hinaus fortgeführt und bis heute immer wieder neu analysiert. Dabei kam heraus, dass sich vor allem drei Eigenschaften positiv auf die Lebenslänge auswirken: Freundlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit.
Wer freundlich ist, hat mehr Erfolg
Warum das so ist, weiß Ursula Staudinger. Sie ist Alternsforscherin und Gründungsdirektorin des Columbia Aging Centers an der Columbia University: „Studien konnten zeigen, dass sehr gewissenhafte Personen akribischer darin sind, ein bestimmtes Gesundheitsverhalten an den Tag zu legen.“
Es gehe dabei also um ganz konkrete Verhaltensweisen, zum Beispiel die regelmäßige – und damit gewissenhafte - Einnahme von Medikamenten. Ein gewissenhafter Mensch zu sein, bedeute aber auch, sich weniger wahrscheinlich hochrisikoreichen Sportarten oder einem sehr riskanten Fahrstil auszusetzen.
Diese drei Eigenschaften werden in unserer Gesellschaft tendenziell als positiv bewertet. Das ist kein Zufall: „Wer freundlich und umgänglich ist, hat ein größeres Netzwerk an Bekannten und Freunden, die bereit sind, zu unterstützen.“ Wir sind nun mal in fast jeder Situation darauf angewiesen, mit anderen zusammenzuarbeiten – „und je freundlicher ich bin, desto leichter wird es mir fallen, meine Ziele umzusetzen.“
Wer freundlich ist, kann mehr positive Emotionen von anderen und sich selbst erfahren und deshalb auch erfolgreicher sein.
Kontrolle über das eigene Leben
Staudinger nennt außerdem einen weiteren wichtigen Persönlichkeitsfaktor, der sich „Handlungskontrolle“ nennt: Ob also Personen das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr eigenes Leben zu haben, oder eher der Meinung sind, dass ihr Leben stark von anderen Personen, von Glück oder Pech abhängt. „Wenn ich in der Tendenz eher dazu neige, die Dinge unter der eigenen Kontrolle zu sehen, dann kann ich positive Lebensumstände auch eher positiv für mich erleben und umsetzen - was sich wiederum positiv auf eine höhere Lebenserwartung auswirken kann.“ Wer hingegen der Meinung sei, wenig Einfluss auf die Dinge zu haben, die ihm oder ihr passieren, könne im Leben weniger für sich nutzen.
Im Jahr 2013 verstarben in Deutschland insgesamt 893.825 Menschen, davon 429.645 Männer und 464.180 Frauen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, ist damit die Zahl der Todesfälle gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent angestiegen.
Durch einen Suizid beendeten 10.076 Menschen ihr Leben, wobei der Anteil der Männer mit 73,9 Prozent fast dreimal so hoch war wie der Anteil der Frauen mit 26,1 Prozent.
Foto: dpaIn 10.842 Fällen (4 972 Männer und 5 870 Frauen) war ein Sturz die Ursache für den Tod.
Foto: dpaBestimmte infektiöse und parasitäre Krankheiten waren für 18.475 Sterbefälle verantwortlich.
Foto: dpa3,8 Prozent aller Todesfälle waren auf eine nicht natürliche Todesursache wie zum Beispiel eine Verletzung, einen Unfall oder eine Vergiftung zurückzuführen (34.133 Sterbefälle).
Foto: dpaEine deutliche Zunahme um 16,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist bei den Psychischen und Verhaltensstörungen festzustellen. Hieran verstarben 2013 insgesamt 36.117 Menschen, davon 14.241 Männer und 21.876 Frauen. In 80 Prozent dieser Sterbefälle war eine Demenzerkrankung die Todesursache.
Foto: dpaDie Zahl der Sterbefälle infolge von Krankheiten des Verdauungssystems betrug im vergangenen Jahr 40.112. Das entspricht einer Rate von 4,5 Prozent.
Foto: dpaAn einem akuter Herzinfarkt starben im Jahr 2013 insgesamt 54.538 Menschen. Davon waren 56,1 Prozent Männer und 44,9 Prozent Frauen. Damit ist der Herzinfarkt, der zur Gruppe der Herz-/Kreislauferkrankungen gehört, die vierthäufigste Todesursache in Deutschland.
Foto: dpaAuf Platz drei der häufigsten Todesursachen in Deutschland folgen Krankheiten des Atmungssystems mit 7,3 Prozent beziehungsweise 64.918 Sterbefällen.
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Zweithäufigste Todesursache waren sowohl 2012 als auch 2013 die Krebserkrankungen: Ein Viertel aller Verstorbenen (223.842 Menschen) erlag im Jahr 2013 einem Krebsleiden, darunter 127.748 Männer und 102.094 Frauen. Bei Männern waren die bösartigen Neubildungen der Verdauungsorgane beziehungsweise der Atmungsorgane die am häufigsten diagnostizierten Krebsarten. Frauen waren ebenfalls am häufigsten von einer bösartigen Neubildung der Verdauungsorgane betroffen. Häufigste Einzeldiagnose bei den Krebserkrankungen von Frauen war jedoch der Brustkrebs.
Eine Herz-/Kreislauferkrankung ist die häufigste Todesursache in Deutschland - daran hat sich nichts geändert. 2012 wurden 40,2 Prozent aller Sterbefälle (insgesamt 349.217) durch eine solche Erkrankung verursacht, 2013 waren 39,7 Prozent aller Sterbefälle darauf zurückzuführen. Von den 354.493 Menschen, die an einer Herz-/Kreislauferkrankung verstarben, waren 153.309 Männer und 201.184 Frauen. 92 Prozent der an einer Krankheit des Herz-Kreislaufsystems Verstorbenen waren 65 Jahre und älter.
Foto: dpaWie nun aber Gewissenhaftigkeit lernen? Veränderungen der Persönlichkeit sind aus Ursula Staudingers Sicht zwar möglich. Man müsse sich jedoch klarmachen: „Die Art und Weise, wie wir die Welt sehen und auf sie reagieren, ist weder angeboren, noch über Nacht entstanden.
Sie hat sich in jahrelangen Wechselwirkungen zwischen meinen Erfahrungen, meiner Umwelt und dem, was ich an bestimmten genetischen Voraussetzungen mitbringe, entwickelt.“ Deshalb könne auch kein guter Vorsatz fürs neue Jahr einfach ungeschehen machen, was über Jahre hinweg gewachsen sei.
Der Blick über den Tellerrand
„Wenn ich mir wirklich einen neuen Blick auf die Welt angewöhnen will, muss ich mich ein Stück weit umtrainieren und mir selbst immer wieder Umstände schaffen, die eine Veränderung dieser Einstellungen erleichtern“, so Staudinger.
Wer also gerne anders werden möchte, tatsächlich aber nichts in seinem Leben verändert - im gleichen Job bleibt, die gleichen Freunde, den gleichen Partner hat – dem werde die Veränderung schwer fallen. „All diese Dinge beeinflussen, wer wir sind. Und alles, was meine alten Gewohnheiten unterbricht, erleichtert es mir, neue zu entwickeln.“ So würden zum Beispiel neue Menschen anders auf mich reagieren als meine Freunde, mir auf diese Weise aber auch die Chance geben, mich anders zu verhalten.
Es ist also möglich, die eigene Persönlichkeit zu verändern - unter der Voraussetzung, dass dafür aus der eigenen Komfortzone ausgebrochen wird. Vor allem muss die Veränderung als langfristiger Prozess verstanden werden. Staudinger warnt außerdem davor, sich im Hinblick auf die Lebensdauer zu sehr an einem Faktor festzubeißen: „Was Langlebigkeit angeht, spielen nicht nur Persönlichkeitseigenschaften eine Rolle.
Es ist immer eine Mischung zwischen dem, wie ich die Welt wahrnehme und auf sie reagiere und dem, was eine Person biologisch mitbringt und welches Gesundheitsverhalten sie an den Tag legt.“
Und worauf sollten wir darüber hinaus achten, um gut alt zu werden? „Wichtig ist ein Sinn im Leben, körperliche Aktivität und ein gesunder Umgang mit Stress.“