Wissenschaft: Wie Krieg die Erwerbsbiografie verändert
Der Wirtschaftshistoriker Sebastian Braun von der Universität Bayreuth hat mit seinem Co-Autor Jan Stuhler untersucht, wie speziell die Re-Integration von Kriegsversehrten und Kriegsgefangenen funktioniert und welche Spätfolgen die Kriegsteilnahme verursacht. Die Studie erscheint in einigen Monaten im Journal of Economic History.
Für ihre Arbeit haben sich die Ökonomen die Erwerbsbiografien der Geburtskohorte von 1919 bis 1921 angesehen. „Die Männer dieser Kohorte waren im Zweiten Weltkrieg zu etwa 95 Prozent an der Front“, berichtet Braun. Der empirische Befund: Nach dem Krieg wurden verletzte Soldaten in Deutschland zunächst überraschend gut in den Arbeitsmarkt integriert.
„Signifikante individuelle Spätfolgen der Kriegsteilnahme zeigten sich erst in späteren Jahren“, so Braun. „Die Erwerbstätigkeit der Betroffenen nahm mit zunehmendem Alter ab und sie gingen im Schnitt ein Jahr früher in Rente als Nicht-Kriegsteilnehmer.“ Die Renten von Kriegsverletzten waren im Schnitt rund zehn Prozent niedriger.
Bei Soldaten, die in Kriegsgefangenschaft gerieten, führte der Verlust an Arbeitsjahren zu einer im Schnitt weniger erfolgreichen Karriere in der Nachkriegszeit – obwohl viele von ihnen den Ruhestand nach hinten schoben. „Mit Blick auf heutige Konflikte zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die Betreuung und Re-Integration von Kriegsveteranen langfristig angelegt sein sollte“, mahnt Ökonom Braun.
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