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Erfolgreich im JobWann Arroganz gut für die Karriere ist

Eine gesunde Portion Selbstbewusstsein ist gut für die Karriere. Aber wann wird daraus gefährliche Überheblichkeit? Wann sich Arroganz im Berufsleben auszahlt und wann sie schadet.Kristin Rau 25.08.2015 - 06:00 Uhr

Narzissten sind selbstbewusst

Selbstbewusstsein und die dazugehörige Portion Rücksichtslosigkeit macht Narzissten so erfolgreich - und Unternehmen häufig erst innovativ. Eine Studie deutsch-amerikanischer Forscher um Wolf Christian Gerstner und Andreas König von der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt: Unternehmen investieren umso häufiger in neue Technologien, je narzisstischer der jeweilige CEO ist. Dennoch ist Vorsicht angebracht: Zu viel Risikobereitschaft kann dem Unternehmen auch schaden.

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Narzissten sind ideale Chefs

Narzissmus ja, aber bitte nicht zu viel. So lautet die Beschreibung für den idealen Chef. Wissenschaftler um Emily Grijalva von der Universität von Illinois fanden heraus, dass der Zusammenhang zwischen Narzissmus und dem Erfolg als Führungskraft die Form eines umgekehrten U annimmt. Soll heißen: Extremer Narzissmus hilft ebenso wenig weiter wie überhaupt kein Narzissmus. „Der ideale Chef ist in Maßen narzisstisch“, sagt Grijalva.

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Narzissten sind ehrgeizig

Vor allem in Chefetagen sind Narzissten keine Seltenheit. Kein Zufall: Zum einen sind Narzissten ehrgeizig, motiviert und machtgierig. Zum anderen verfügen sie über die nötige soziale Intelligenz, um ihre Untergebenen und Kollegen zu umschmeicheln. Das beweist auch eine Studie von der Ohio State Universität aus dem Jahr 2008. Die ergab: Narzisstische Studenten sind nicht nur besonders dominant bei Diskussionen, sondern wurden auch häufig in den Vorsitz von Studentenvereinigungen gewählt.

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Narzissten machen steiler Karriere

Ego hin oder her: Dass Narzissten schneller die Karriereleiter erklimmen, ist bekannt. Rücksichtslos und konsequent egoistisch lassen sie alle Hindernisse links liegen und ziehen durch, bis sie in der Chefetage angekommen sind. Dieses Charisma kann manchmal sogar ansteckend wirken - und Mitarbeiter dazu verleiten, selbst ein bisschen mehr Ehrgeiz an den Tag zu legen.

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Narzissten sind sympathisch

Zumindest auf den ersten Blick. Das zeigt eine Studie der Universität Münster. Befragte Kommilitonen gaben bei Narzissten oft an: „Finde ich sympathisch, würde ich gern besser kennenlernen.“ Langfristig machen sich Narzissten dagegen keine Freunde – wer länger mit ihnen zu tun hat, dem werden Narzissten auf Dauer unsympathischer.  

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Narzissten sind extrovertiert

Vor allem mit ihrer Extrovertiertheit können Narzissten oft punkten. Die kann schon beim Bewerbungsgespräch zum entscheidenden Vorteil werden - wenn der Narzisst es schafft, bereits bei diesem ersten Treffen zu glänzen.

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Narzissten sind beharrlich

Narzissten sind von sich und ihren Ideen überzeugt - und wirken dementsprechend selbstbewusst. Ihre Ziele halten sie für die einzig waren – und verfolgen sie daher konsequent, wenn andere bereits aufgeben. Auch das ist ein Charakterzug, der im Berufsleben von Vorteil ist. Zumindest in Maßen.

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Narzissten bleiben neutraler

Da sie meist weniger Empathie zeigen, sind Narzissten weniger anfällig dafür, in die Probleme ihrer Kollegen hineingezogen zu werden. Es interessiert sie schlichtweg nicht, mit welchen Komplikationen die anderen gerade zu kämpfen haben. So unsozial diese Eigenschaft auch ist - so sehr kann sie von Vorteil sein.

Foto: Werner Heiber/Fotolia

Die Begeisterung an sich selbst ist vor allem prominenten Zeitgenossen selten fremd. Napoleon etwa erklärte 1811 auf dem Höhepunkt seiner Macht: „Noch drei Jahre, und ich bin Herr über das Universum.“ Vier Jahre später erlebte er im Städtchen Waterloo seine finale Niederlage. Beatles-Sänger John Lennon verkündete 1966 vollmundig: „Wir sind jetzt populärer als Jesus.“ Nun ja. Und Modezar Karl Lagerfeld antwortete 2008 auf die Frage, warum er kein Handy besitzt: „Telefone sind etwas fürs Personal.“

Hand aufs Herz: Rutschen Ihnen solche Sprüche auch manchmal raus? Vermutlich werden Sie diese Frage verneinen – und genau da beginnt das Problem, findet zumindest der Finne Ari Turunen. In seinem neuen Buch mit dem originellen Titel „Kann mir bitte jemand das Wasser reichen?“, widmet sich der Wissenschaftsjournalist der Geschichte der Arroganz. Denn die kommt nicht nur in prominenteren Breitengraden vor. Ein bisschen Bonaparte steckt doch in jedem von uns.

Überall finden sich Schnösel, die sich für etwas Besseres halten; andere von oben herab behandeln; sich für ein „Hallo“ auf der Straße oder im Büro zu fein sind – nicht aus Versehen, sondern aus Kalkül. Diese charakterliche Deformation betrifft Nachbarn ebenso wie Kollegen. Doch vor allem bei Menschen mit Macht und Verantwortung gibt es diese vor Selbstbewusstsein strotzenden Egomanen überdurchschnittlich oft. Bloß: Warum?

Macht Erfolg überheblich?

Stimmt der Spruch, demzufolge Niveau „nur von unten wie Arroganz aussieht“, etwa doch? Macht Erfolg die Menschen überheblich? Oder hilft Arroganz gar beim beruflichen Aufstieg? Und wo liegt eigentlich die Grenze zwischen gesundem Selbstbewusstsein und gefährlicher Überheblichkeit?

Psychologen forschen seit Jahrzehnten zu Themen wie Narzissmus und Selbstüberschätzung. „Eine Definition für Arroganz ist aber schwierig“, sagt Claas-Hinrich Lammers, ärztlicher Direktor der Psychiatrie an der Asklepios Klinik Nord in Hamburg. „Denn sie ist keine psychische Krankheit, die genauen Maßstäben unterliegt.“

Zwei Merkmale für Arroganz

Grob gesagt, lässt sich Arroganz an zwei Merkmalen ablesen: Erstens hält sich der Überhebliche für besser als andere – ob zu Recht oder nicht, spielt keine Rolle. Im beruflichen Kontext geht es um Leistung, er kann aber auch seine Religion für überlegen halten oder seinen Reichtum für unübertroffen.

Daraus resultiert das zweite Merkmal: Von seiner Vortrefflichkeit überzeugt, lässt er andere spüren, wie er die Rangverteilung sieht. Er stellt sich über seine Mitmenschen und grenzt sich bewusst von ihnen ab. Wie Volkswagen-Chef Martin Winterkorn, der Mitarbeiter duzt, während sie ihn mit „Herr Doktor Winterkorn“ ansprechen.

Gier – Genug kann nie genügen

Gier ist gut, wenn sie uns davor bewahrt, uns auf unseren Lorbeeren auszuruhen. Gier ist ein Gegengift gegen Trägheit und satte Selbstzufriedenheit. Gefährlich wird der Trieb, wenn er maßlos und blind für Risiken macht und wenn Gier zu Grenzverletzungen und zu Missachtung elementarer menschlicher Werte führt.

Gegenmittel: „Nicht alle Kritiker aus seiner Umgebung verbannen“, rät der Psychologe Rolf Schmiel in seinem Buch „Senkrechtstarter“, das heute im Campus-Verlag erscheint. Sich regelmäßig mit (mindestens) einem Vertrauten außerhalb der Geschäftswelt austauschen. Die eigene „rote Linie“ definieren.

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Zorn – Dir zeig ich`s!

Zorn ist gut, weil er Flügel verleihen kann - den Mut, bisherige Grenzen zu überschreiten und das Durchhaltevermögen, sich auf einen langen Weg zu machen. Ein glimmendes Zornesfeier kann ein PS-starker Erfolgsmotor sein. „Gefährlich wird der Trieb, wenn er blind macht und in jähe Aggression gegen andere umschlägt. Oder wenn er innerlich vergiftet, destruktiv wird, die Lebensfreude vergällt“, so Rolf Schmiel. Er rät als Gegenmittel, sich positive Vorbilder und Verbündete zu suchen. Vor allem aber sollte man darauf achten, dass man sich nicht aus der eigenen Verantwortung stiehlt. Schmiel: „Nicht jeder hat die gleichen Startchancen, aber jeder hat es selbst in der Hand, wie gut und wie schnell er vorwärts kommt.“

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Neid – Das will ich auch!

Neid ist gut, sagt der Psychologe. Und zwar weil er unsere Aufmerksamkeit auf außergewöhnliche Erfolge lenkt und uns inspirieren kann, „groß“ zu denken. Aus Neid entsteht Kraft, wenn man dem Beneideten nacheifert – so ist der Trieb ein wirksamer Motivator. Gefährlich wird Neid, wenn er in Missgunst umschlägt, die dann entsteht, wenn wir überzeugt sind, das Beneidete selbst nicht erreichen zu können. Gegenmittel? Selbstreflexion – Wen beneiden Sie und warum? Stecken dahinter verborgene Wünsche? Überlegen Sie, was sie dafür tun können und übersehen Sie nicht welchen Preis der Beneidete für seinen Erfolg gezahlt hat. Denn: Mitleid bekommen Sie bekanntermaßen geschenkt, Neid müssen Sie sich verdienen.

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Selbstsucht – So what, I'm God!

Gut ist die Selbstsucht laut Schmiel, weil sie uns auf Kurs hält und verhindert, dass wir Dinge tun, nur um anderen zu gefallen. Selbstsucht, so der Psychologe, ist ein Mittel gegen das Sichverbiegen aus Gefälligkeit. Selbstsucht verhindert, dass wir von anderen „gelebt werden.“ Gefährlich wird es allerdings, wenn wir über Leichen gehen und einsam und verbittert werden. Gegenmittel: Erleben Sie regelmäßig die Freuden der Großzügigkeit und machen Sie sich klar, wer im Leben wichtig ist und wo man Kompromisse eingehen möchte. Widerspruch ertragen gehört für den Psychologen genauso dazu wie die Notbremse ziehen zu können, sobald man Zynismus und Menschenscheu entwickelt.

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Skrupellosigkeit – Erfolg um jeden Preis

Skrupellosigkeit ist gut, wenn sie Menschen befähigt, Risiken und emotional belastende Situationen auszuhalten und notwendige Entscheidungen zu treffen. Gefährlich wird sie, wenn sie ohne jedes Korrektiv bleibt und in kriminelle und menschenverachtende Machenschaften abgleitet. Um das zu verhindern, empfiehlt Schmiel, sich ein Umfeld zu schaffen, dass einen vor sich selber schützt. „Vermeiden Sie es, sich nur noch mit kritiklosen Bewunderern zu umgeben und suchen Sie sich professionelle Hilfe, wenn Sie beginnen, große Sympathien für die Gekkos und Gökers dieser Welt zu hegen.“

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Wollust – The Winner takes them all!

Wenn wir sie im großen und ganzen beherrschen, dann ist Wollust gar nicht mal so schlecht, findet Rolf Schmiel. Die Sublimierung sexueller Wünsche ist ein starker Antrieb, der uns sehr erfolgreich machen kann. Gefährlich wird die Wollust, wenn sie uns beherrscht statt wir sie und sie so unsere Urteilsfähigkeit schwächt und uns zu unüberlegtem, gefährlichem Handeln veranlasst. Dagegen arbeiten lässt sich, wenn man seine Energie kanalisiert und sich andere Spielfelder sucht. Der Psychologe rät: „Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie merken, dass Ihnen das misslingt.“

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Arroganz – Eure Armut kotzt mich an!

Arroganz erlaubt die Fokussierung eigener Vorhaben und schlägt Zeit - und Kraftdiebe in die Flucht. Sie ist gut, wenn sie unabhängig macht; im Kopf und vom Beifall anderer. Steigert sie sich allerdings zu Selbstüberschätzung und Selbstherrlichkeit, ist Vorsicht geboten. Meiden Sie Isolation und Selbstbezogenheit. „Selbst Könige hatten Hofnarren, damit ihnen zumindest einer wiederspricht. Wen haben Sie?“, fragt Psychologe Schmiel.

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Wo Arroganz genau anfängt, ist ebenfalls umstritten. Autor Turunen schreibt nur: „Gesundes Selbstvertrauen wächst sich leicht zu krankhafter Überheblichkeit aus.“ Selbstbewusstsein ist also die Vorstufe zur Arroganz, Selbstüberschätzung ihre fatale Steigerung.

Während sie früher meist dem Adel zugeschrieben wurde, finden sich große Egos und distanzwahrende Souveränität heute, in einer Zeit ohne das System gesellschaftlicher Klassen, vor allem in Unternehmen. Kein Wunder: „Hierarchie ist der perfekte Nährboden für Arroganz“, sagt Astrid Schütz, Professorin für Persönlichkeitspsychologie an der Universität Bamberg. Denn sie entsteht vor allem dort, wo Rangordnungen akzeptiert, ja sogar notwendiger Teil des Systems sind. „In einer egalitären Gesellschaft wäre der Überhebliche hingegen ein Sonderling.“

Zeigen Sie Gefühle – in jeder Situation!

Ihr Chef hat Sie fälschlicherweise eines Fehlers bezichtigt oder das aktuelle Projekt geht seiner Meinung nach nicht schnell genug voran? Begehen Sie jetzt nicht den Fehler, die Situation auf sich beruhen zu lassen. Suchen Sie das Vier-Augen-Gespräch und sprechen Sie dosiert, aber konkret Ihre Frustration oder Ihre Enttäuschung an: „Ich bin frustriert / enttäuscht, weil ...“

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Würdigen Sie auch die Gefühle Ihres Chefs!

So wenig Sie den Ärger oder das aufbrausende Temperament Ihres Chefs auch verstehen können - versuchen Sie trotzdem, seine Gefühle anzuerkennen. Gehen Sie auf ihn ein! Schon einfache Sätze helfen, die Situation aufzulockern: „Ich verstehe, dass Sie sich ärgern. Auch ich hätte das Projekt gerne früher zum Abschluss gebracht.“ Das schafft Raum für konstruktives Arbeiten.

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Äußern Sie Ihren Ärger deutlich!

Vergreift sich Ihr Chef im Umgangston, können, dürfen, ja müssen Sie dies zur Sprache bringen – und zwar wahrnehmbar! Belassen Sie es hier nicht bei Wünschen oder Bitten, sondern sagen Sie klar, was Sie erwarten und fordern. Wenn das nicht hilft, denken Sie darüber nach, sich an den Betriebsrat, eine Vertrauensperson oder den nächsten Vorgesetzten zu wenden.

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Drücken Sie sich klar aus!

Vielleicht ist Ihrem Chef bisher nicht bewusst, welche Werte und Verhaltensweisen Ihnen besonders wichtig sind. Kommunizieren Sie diese offensiv und drücken Sie sich klar aus – und zwar nicht erst, wenn eine Situation eskaliert ist: „Mir kommt es darauf an ...“; „Ich lege Wert auf ...“; „Entscheidend ist für mich ...“. Nennen Sie die Dinge beim Namen.

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Argumentieren Sie immer leistungsbezogen!

Machen Sie Ihrem Chef im Gespräch deutlich, was Sie sich konkret von ihm wünschen. Normalerweise sind Vorgesetzte empfänglich für Argumente zur Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Steigen Sie beispielsweise folgendermaßen ein: „Mir liegt etwas auf dem Herzen, was mir meine Arbeit momentan sehr erschwert.“

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Fordern Sie Verbindlichkeit!

Ihnen wurde eine attraktive Weiterbildung zugesagt, aber Ihr Chef hält sich nicht an seine Zusagen? Weisen Sie im Gespräch klar darauf hin, dass Ihnen das Einhalten von getroffenen Vereinbarungen wichtig ist und Sie nur so qualitativ hochwertige Arbeit abliefern können. Wünschen Sie sich höflich, aber bestimmt, verbindliche Zusagen, so zum Beispiel einen neuen Termin für die Weiterbildung.

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Stellen Sie Fragen bei Unklarheiten!

Ihr Chef gibt häufig unklare oder unvollständige Anweisungen und das Ergebnis ist meist vollkommen anders als gedacht? Selbst Schuld! Achten Sie beim Entgegennehmen der Arbeitsanweisungen auf Klarheit und Vollständigkeit. Stellen Sie „dumme“ Fragen: Wie soll das Ergebnis aussehen? Bis wann muss das Projekt beendet sein? Nur so können Sie die gewünschte Arbeit und die geforderten Ergebnisse garantieren.

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Weniger ärgern, mehr wünschen!

Nicht jeder Chef ist ein Choleriker. Auch fehlende Anerkennung kann die Arbeitsmoral senken – gemäß dem schwäbischen Motto „Nicht geschimpft ist gelobt genug“. Zögern Sie nicht und holen Sie sich die Anerkennung, die Sie brauchen! Auch hier hilft eine Mischung aus Nachfragen, ob Ihre Leistung nicht zufriedenstellend war, und direktem Ansprechen, wie wichtig Ihnen Lob ist.

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Zeigen Sie Ihre Ängste!

Sie wissen einfach nicht, woran Sie sind, Ihr Chef ist emotional unberechenbar: Heute lammfromm, obwohl ein wichtiger Auftrag verloren ging, lässt ihn morgen der stehengebliebene Kaffeebecher in der Küche ausflippen. Zeigen Sie ihm, dass seine Unberechenbarkeit eine Angst oder Unsicherheit bei Ihnen erzeugt. Manche Chefs kommen damit nur schwer zurecht und fangen an, nachzudenken sobald die Angst kommuniziert wird.

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Seien Sie konsequent!

Ihre bisherigen Versuche, das Verhalten Ihres Chefs zu ändern, waren erfolglos? Klärende Gespräche hatten nicht den erhofften Effekt? Können Sie unter diesen Umständen gute Arbeit abliefern? Gehen Sie gerne ins Büro? Werden Sie sich Ihrer eigenen Werte bewusst und ziehen Sie die Konsequenzen – auch wenn das einen neuen Job oder eine Versetzung bedeutet.

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In hierarchisch geprägten Chefetagen ist er das nicht. Natürlich träumen Angestellte von einem netten und verständnisvollen Chef, der ihnen zuhört und sie für ebenbürtig hält: „Das ist Wunschdenken“, sagt Psychiater Lammers, „und selten zu realisieren.“ Er hat von Berufswegen häufig mit Narzissten zu tun, viele von ihnen sind beruflich sehr erfolgreich. Deshalb glaubt er: „Eine gewisse Arroganz gehört leider zum Geschäft.“ Topmanager müssten ständig Anfeindungen und Auseinandersetzungen standhalten. „Nur wenn jemand besonders von sich überzeugt ist, bricht er unter dem Druck nicht zusammen.“ Vor allem bei Gründern sei eine gewisse Selbstüberschätzung nötig, sagt auch Astrid Schütz. „Würden alle ihr Können zu zaghaft einschätzen, gäbe es keine Innovationen.“

Gesundes Selbstbewusstsein ist beim beruflichen Aufstieg hilfreich

Bestes Beispiel ist Oliver Samwer, CEO der Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet. Er hat zahlreiche Online-Start-ups wie Zalando groß gemacht. Deshalb steht Samwer auch dazu, dass er sein Geschäftsmodell für ziemlich clever hält. Bei Bedarf gerne öffentlich: „Geschäfte sind Mittelalter. Sie wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab“, sagte Samwer im Juni 2014 beim Konsumgüterforum CGF. Unter den Zuhörern: Metro-Chef Olaf Koch und sein französisches Pendant, Carrefour-CEO Georges Plassat. „Sie verstehen das nicht“, fuhr er fort, „weil Sie zu alt sind und zu alte Kunden befragen.“

Ob der Unternehmer ohne ein großes Ego überhaupt so weit gekommen wäre? Fraglich. Zweifelsohne ist ein gesundes Selbstbewusstsein beim beruflichen Aufstieg hilfreich. Wer sich selbst für besonders intelligent und mächtig hält und das entsprechend selbstbewusst vermittelt, wird von seinen Mitmenschen ebenso wahrgenommen – egal, ob es um Angestellte oder Investoren geht. Mit Arroganz lassen sich Schwächen übertünchen und das Umfeld einschüchtern.

Selbstüberschätzung

Zu diesem Ergebnis kamen auch Forscher der Universität in Berkeley, die 2012 die Geografiekenntnisse von 76 Studenten testeten. Jeder von ihnen sollte auf einer Karte ohne Bundesstaatsgrenzen 15 US-Städte markieren und anschließend sein eigenes Wissen einschätzen. In einer zweiten Runde wiederholten die Studenten das Experiment, diesmal in Paaren. Danach sollten sie die Fähigkeiten ihres Partners bewerten. Das Ergebnis: Wer sich selbst überschätzte, dem traute auch sein Gegenüber mehr zu.

Dieter Frey, Professor für Sozialpsychologie an der LMU München, spricht in diesem Kontext von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. „Wenn man permanent demonstriert, wie toll man selbst ist und wie mittelmäßig die anderen sind, kann das im Job hilfreich sein, vor allem in Konzernen.“

Macht macht "high"

Mächtige Menschen sind oft schlechte Zuhörer und halten sich selbst für den besten Ratgeber. Der Psychologe Gerben van Kleef von der Universität konnte feststellen, dass das Erleben von Macht oft mit einer Tendenz zur Selbstinspiration verbunden ist. Nicht was andere berichten, sondern was der Mächtige selbst erlebt hat, ist oft die Quelle seiner Ideen. Das macht viele regelrecht "high", schreibt van Kleef in einer Studie in der Fachzeitschrift "Social Psychological and Personality Science". Woran das liegt? Van Kleef vermutet, dass die Selbstinspiration schlicht eine Fortführung der Angewohnheit mächtiger Menschen ist, sich selbst für wichtiger als andere Menschen zu halten. Die Taubheit gegen anderer Menschen Erfahrungen ist dann nichts anderes als die Unfähigkeit, im Gegenüber möglicherweise überlegene Fähigkeiten zu erkennen.

Foto: WirtschaftsWoche

Macht macht sexy

Warum neigen Mitarbeiter dazu, ihren eigenen Chef attraktiv zu finden - auch, wenn Bekannte das rein äußerlich nicht nachvollziehen können? Eine Untersuchung, die von Kevin Kniffin der US-Uni Cornell geleitet und im Magazin "Leadership Quarterly" veröffentlicht wurde, ging dem Phänomen auf den Grund. Demnach spielt die Vertrautheit eine entscheidende Rolle. Die Studienautoren glauben, dass der Grad der Bekanntheit mit einer Person - und wie stark man sich mit ihr identifiziert -, auch unsere Wahrnehmung von Attraktivität beeinflusst. Die Untersuchung zeigte, dass Menschen mit einer starken emotionalen Bindung an eine Gruppe - sei es in einem Unternehmen oder auch bei einer politischen Partei -, ihre eigenen Führungspersönlichkeiten deutlich schöner bewerten, als es Außenstehende tun.

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Es kommt auf das richtige Maß an

Zu viel Macht ist gefährlich für die Psyche – zu wenig aber auch. Forscher der Universität von Kalifornien in Berkeley befragten 600 junge Frauen und Männer und fanden heraus, dass viele psychische Krankheiten daraus resultieren, dass der subjektive soziale Status als nicht adäquat erachtet wird. Wer unten ist, verspürt ein Gefühl der Machtlosigkeit. Das wiederum schwächt das Immunsystem und macht anfälliger für Depressionen. Umgekehrt gilt: Menschen, die glauben, zu viel Macht zu haben, leiden öfter an bipolaren oder narzisstischen Störungen. So sei der zunehmende Unterschied zwischen Arm und Reich dafür verantwortlich, dass immer mehr Menschen an einem niedrigen Selbstwertgefühl leiden – aber auch narzisstische Persönlichkeitsstörungen, Angstzustände und Depressionen resultierten daraus.

Foto: WirtschaftsWoche

Herrscher über die Zeit

Eigentlich vergeht die Zeit für alle Menschen gleich schnell - doch unser Gefühl sagt uns etwas anderes. Laut einer Studie haben mächtige Menschen das Gefühl, die Zeit besser kontrollieren zu können als ihre Untergebenen. Die Untersuchung der Uni Kalifornien die im "Journal of Experimental Social Psychology" veröffentlicht wurde zeigte, dass eine Machtposition tatsächlich die Wahrnehmung von Zeit verändern kann. Chefs hätten demnach das Gefühl, mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Das kann bei Projektplanungen zum Problem werden, wenn die Zeitwahrnehmung von Chefs und gestressten Untergebenen stark abweichen.

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Macht macht fies

Warum Macht und Sadismus oft nah beieinander liegen, erklärt eine Studie der Universität von Südkalifornien. Psychologen untersuchten, wie Menschen reagieren die formal in einer Machtposition sind, gleichzeitig aber über einen niedrigen sozialen Status verfügen - also vergleichsweise wenig Respekt erfahren. Das Experiment zeigte, dass dies die Betroffenen deutlich häufiger dazu verleitete, ihren Untergebenen erniedrigende Aktivitäten abzuverlangen. Das Fazit der Forscher: "Macht in Verbindung mit niedrigem Sozialstatus fördert den Drang, andere zu erniedrigen." Die Betroffenen litten unter der mangelnden Wertschätzung, doch die Machtposition gibt ihnen die Möglichkeit, ihr Selbstwertgefühl zu steigern.

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Plötzlich ist alles schwerer

Auch unser Körpergefühl wird davon beeinflusst, ob wir uns in einer Machtposition befinden. Eine Untersuchung zeigte, dass Menschen das Gewicht von Gegenständen schwerer einschätzen, wenn sie keine Macht haben. Die Probanden wurden zunächst befragt, wie mächtig sie sich fühlen. Anschließend sollten sie das Gewicht von Kartons schätzen, die mit Büchern gefüllt waren. Das Ergebnis: Je weniger mächtig die Versuchspersonen sich fühlten, umso schwerer fanden sie die Kartons. Die Erinnerung an eine Situation, in der die Probanden Macht verspürten, konnte wiederum das gefühlte Gewicht mindern. Wer keine Macht hat, fühlt sich also buchstäblich kraftloser.

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Breite Brust

Eine raumgreifende Körperhaltung mit breiter Brust signalisiert im Tier- wie Menschenreich Dominanz und Macht. Studien haben gezeigt, dass allein die Körperhaltung auch unser Gefühl verändern kann: Wer eine dominante Haltung einnimmt, fühlt sich auch so, als würde er tatsächlich Macht besitzen. Das zeigte etwa eine Studie der Uni Tübingen: Eine Gruppe von Probanden sollte drei Minuten in ausladender Körperhaltung sitzen, einen Arm auf die Stuhllehne legen, den anderen auf den Tisch vor ihnen und die Beine weit spreizen. Die andere Gruppe sollte Schultern und Hände hängen sowie die Beine eng beieinander lassen. Es zeigte sich, dass die Gruppe in der dominanten Körperhaltung die Pakete als leichter empfand.

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Macht macht Lügner aus uns

Wer mächtig ist, lügt leichter. So zeigte etwa eine Studie der Columbia Business School, dass Führungskräfte lügen können, ohne rot zu werden. Sie sollten Geld einstecken und anschließend versichern, es nicht geklaut zu haben. Untersuchungen des Stresslevels zeigten, dass in der Gruppe der Führungskräfte keinerlei emotionale, physiologische oder kognitive Reaktion auf die Lüge zu messen war. Bei der Gruppe der Angestellten hingegen machte sich das Lügen körperlich bemerkbar.
Eine weitere Studie zeigte, dass auch die Körperhaltung unsere Ehrlichkeit beeinflusst. Hier wurde von den Probanden wieder entweder eine ausladende, dominante Haltung oder eine reservierte Körperhaltung eingenommen. Es zeigte sich, dass unter den "Dominanten" sechs Mal häufiger gelogen wurde.

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Eine Frage der Perspektive

Mächtige fühlen sich sprichwörtlich "ganz groß" - so sehr, dass sie dazu neigen, ihre eigene Körpergröße zu überschätzen, zeigt eine US-Studie. Die Untersuchung konnte nachweisen, dass sich mächtige Menschen gegenüber ihren Mitmenschen als größer empfinden - auch, wenn das gar nicht stimmte.

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Der scheinheilige Chef

Eine Untersuchung der Kellogg School of Management hat beleuchtet, wie der Hochmut der Mächtigen gegenüber den Untergebenen zustande kommt. In verschiedenen Experimenten gingen die Forscher der These nach, dass Macht die moralische Scheinheiligkeit fördert. Mit ernüchternden Ergebnissen: In allen Experimenten zeigte sich, dass die Probanden in einer Machtposition es in Ordnung fanden, etwa selbst Steuern zu hinterziehen - das selbe Verhalten aber bei anderen Menschen verurteilten. Das Fazit der Forscher: Wer Macht hat, sieht sein eigenes Verhalten lockerer. Zugleich wird das Verhalten anderer Menschen strenger beurteilt.

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Lieber die Taube auf dem Dach

"Besser den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach", lautet ein Sprichwort. Also besser, sich mit wenig zufrieden zu geben, als auf eine unwahrscheinliche, größere Belohnung zu hoffen. Doch Macht verändert diese Wahrnehmung. Wissenschaftler der Uni Südkalifornien haben herausgefunden, dass Menschen in Machtpositionen eher dazu neigen, auf eine größere Belohnung in der Zukunft zu warten, als sofort einen Bonus zu kassieren. Das Fazit der Forscher: Macht verleiht uns ein Gefühl von Sicherheit und befreit von Zukunftsangst. Deshalb verleitet sie dazu, eher auf kleine, direkte Belohnungen zu verzichten.

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"Mein Fehler...!"

Eine Studie an der Uni Tübingen präsentierte mehrere Experimente, die zeigten, dass Führungskräfte eher dazu neigen das eigene Verhalten kritisch zu beobachten. Bei Menschen in Machtpositionen zeigte sich, dass sie im Falle eines Scheiterns eher darüber nachdenken, was sie falsch gemacht haben, um es beim nächsten Mal dann besser machen zu können. Mitarbeiter neigten hingegen eher dazu, die Fehler bei anderen zu suchen. Da sie keine Machtgefühle hätten, fühlten sie sich eher dem Schicksal ausgeliefert, schlussfolgerten die Forscher. Da man "eh nichts ändern" könne, wolle man dann auch nicht über eigene Fehler nachdenken.

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Psychiater Lammers geht sogar noch weiter. Er glaubt, dass sehr selbstbewusste Chefs sogar bei vielen Mitarbeitern gut ankommen, weil sie den Angestellten Sicherheit vermitteln. Das gilt umso mehr in Zeiten, in denen die Digitalisierung ganze Branchen umkrempelt und weltweite Krisen Wachstumsprognosen infrage stellen. „Vorgesetzte, die offen selbstkritisch, nachdenklich oder gar zögerlich agieren, kommen deshalb bei den Mitarbeitern oftmals nicht gut an.“

Dieses Kalkül scheint auch im Kampf um die Kandidatur für die US-Präsidentschaft aufzugehen. Deutsche Beobachter staunen, wenn Immobilienunternehmer Donald Trump vollmundig verkündet, der großartigste Präsident zu werden, den Gott je gesehen habe. Im eigenen Lager kommen die Sprüche des Republikaners gut an. Einer Umfrage zufolge liegt er mit 32 Prozent der Stimmen derzeit vor seinen parteiinternen Konkurrenten. Ob das Verhalten arrogant ist, liegt also nicht am Absender – sondern auch an der Interpretation des Empfängers.

Die 1978 verstorbene Ethnologin Margaret Mead stellte schon in einer Studie in den Fünfzigerjahren fest, dass Briten Amerikaner häufig für Angeber halten. Umgekehrt gelten die Briten bei Amerikanern als hochnäsig. Mead erklärte diese Beobachtung damit, dass US-Jugendliche von Beginn an lernen, ihre Erfolge stolz zu präsentieren. Briten hingegen pflegen das Understatement.

Souveränes Auftreten oder Arroganz?

Im Büro gibt es zwangsläufig solche Missverständnisse, auch ohne kulturelle Unterschiede. „Je weniger Selbstvertrauen der Empfänger hat, umso eher wird er das Verhalten des Senders als arrogant beurteilen“, sagt Frey. Ein selbstbewusster Ansprechpartner interpretiere überhebliches Verhalten vielleicht sogar als souverän, weil er sich davon nicht bedroht fühle.

Wo sich Alphamännchen und -weibchen auf der Arroganzskala befinden, hängt also stark von der Firmenkultur ab. Große Unternehmensberatungen etwa rekrutieren bevorzugt jene Nachwuchselite, die diesen Anspruch auch selbst vor sich herträgt und beim Kunden von Anfang an durch souveränes Auftreten punktet. Würde jemand mit diesem Ego in einer Pflegeeinrichtung anheuern, hätte er schnell den Ruf des arroganten Fatzkes.

Gemeinschaftsgefühl und Zielorientierung gegen Rangkämpfe

Denn dort dominieren Frauen das Geschehen. Sie setzen tendenziell eher auf Gemeinschaftsgefühl und Zielorientierung, während es in der von Männern geprägten Wirtschaft meist um Rangkämpfe geht – zumindest zwischen den Zeilen. Wer in dieser Umgebung nicht regelmäßig demonstriert, dass er mehr drauf hat als der Rest, verliert Ansehen.

Das hat auch der Unternehmensberater Peter Modler erkannt und bietet Arroganz-Trainings für Frauen an. Er hält „situative Arroganz“ für ein legitimes Instrument, um sich beim Gegenüber Gehör zu verschaffen. Das beginnt schon beim Betreten des Konferenzraums: „Verstehen Sie ihn als Bühne. Bleiben Sie kurz stehen, begrüßen Sie die Leute mit fester Stimme.“ Außerdem sollte man permanent den eigenen Rang verdeutlichen, auch wenn es gerade Frauen lächerlich erscheint. Die Machtverhältnisse müssten immer klar sein.

Weil er diese Kniffe beherrscht, steigt der Arrogante zu Beginn schnell auf. Das Problem ist nur: Im Laufe der Jahre kann Überheblichkeit zum Verhängnis werden.

Eine Studie des kanadischen Sozialpsychologen Delroy Paulhus belegt dies. 1998 versammelte er 24 Diskussionsgruppen mit vier bis sechs Teilnehmern sieben Wochen lang zu Gesprächen. Nach der ersten und der letzten Sitzung sollten sich die Teilnehmer gegenseitig beurteilen. Diskutanten, die zu Selbstüberschätzung neigten, wurden zu Beginn als umgänglich und kompetent angesehen. Doch nach dem letzten Treffen schnitten sie schlechter ab. Vor allem Eigen- und Fremdwahrnehmung klafften auseinander.

Persönlichkeitspsychologin Schütz versteht die Studie als Warnung an alle Angestellten. Sowohl Vorgesetzte als auch Kollegen ließen sich zunächst leicht blenden. „Ein bisschen Trommeln am Anfang ist okay, damit Sie nicht in der zweiten Reihe verschwinden“, sagt sie. „Aber dann müssen Sie liefern.“ Denn Mitmenschen entlarven schnell, ob Arroganz pures Gehabe ist oder der Aufsteiger sich zu Recht für überragend hält.

Gefährlich wird es dann, wenn das Selbst- nicht mehr zum Fremdbild passt, wenn aus Arroganz Selbstüberschätzung wird.

Uber-Chef Travis Kalanick bemerkte diese Entwicklung anscheinend noch rechtzeitig. Darauf deuten zumindest seine jüngsten Aussagen hin, in denen er verbal abrüstet. Der Gründer des Taxi-Rivalen hatte seine Kontrahenten in der Vergangenheit immer wieder als „Arschloch namens Taxi“ bezeichnet und Fahrverbote von Gerichten ignoriert, passend zum Image des von sich selbst eingenommenen Silicon-Valley-Revoluzzers. Seit Anfang des Jahres schlägt er jedoch zahmere Töne an. Offenbar hat er begriffen, dass in Europa mit Kompromissbereitschaft mehr zu erreichen ist. Vorübergehend hat er gar den Streit mit dem Taxigewerbe beigelegt: In Deutschland sind nur noch Fahrer mit Personenbeförderungsschein unterwegs.

Uniabsolventen tappen gerne in die Arroganzfalle

Andere sind weniger umsichtig. Gerne tappen Uniabsolventen in die Arroganzfalle. Eine Umfrage der Beratung Kienbaum unter 460 Personalleitern ergab, dass High Potentials vor allem über ihr Ego stolpern. Im Falle des Scheiterns sei bei 94 Prozent Selbstüberschätzung schuld. „Ist jemand arroganter, als es seinem Rang entspricht, kann das fatale Folgen haben“, sagt Coach Modler.

Doch dieses Schicksal widerfährt auch erfahrenen Managern. Denn je länger der Erfolg anhält, umso mehr sind sie von sich überzeugt. Sie werden taub für Kritik und betrachten ihre Entscheidungen nicht mehr aus anderen Perspektiven. Was bedeutet das für meine Mitarbeiter? Wie reagieren die Aktionäre? Das sollten sich auch die Besten fragen – und erst recht jene, die sich dafür halten.

Spirale der Arroganz

Denn einmal in der Spirale der Arroganz gefangen, hat schon so mancher Manager seinen Chefposten verloren. Etwa der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der den nach Umsatz 14-mal größeren VW-Konzern übernehmen wollte. Oder Thomas Middelhoff, der selbst vor Gericht nicht einsah, dass er seinem Exarbeitgeber Arcandor zu Unrecht Privatflüge in Rechnung gestellt hatte.

Trunken vor Selbstgefälligkeit – so enden nicht nur viele Karrieren, sondern auch griechische Mythen von Antigone bis Ikarus. Darin geht es immer um Helden, die den von Aristoteles propagierten Mittelweg verlassen, damit anecken und sich Zorn zuziehen – früher den der Götter, heute den der Mitarbeiter, Anleger und Kollegen.

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