Hurrikan Milton: „Die gesamten Lieferketten sind enorm belastet“
Zerstörtes Gebäude nach dem Hurrikon Milton.
Foto: APWirtschaftsWoche: Herr Hoffmann, in der Nacht auf Donnerstag hat der Hurrikan Milton bei Tampa in Florida das Festland erreicht. Wie ist die aktuelle Lage?
Matthias Hoffmann: Die Behörden haben sehr früh vor dem Hurrikan gewarnt und über 70.000 Menschen haben in Florida Schutz in Notunterkünften gesucht. Aktuell sind mehr als drei Millionen Haushalte ohne Strom, allerdings wissen sich viele mit Generatoren zu helfen.
Was bedeutet ein Hurrikan für ansässige Unternehmen?
Das ist unterschiedlich. In den USA erhalten Unternehmen normalerweise frühzeitig Informationen, sodass sie sich mehr oder weniger rechtzeitig auf die Umstände vorbereiten können. Dennoch bleibt es immer unklar, welche Auswirkungen ein Hurrikan letztlich haben wird.
Was passiert, wenn vor einer Naturkatastrophe gewarnt wird?
Zunächst werden die Mitarbeitenden informiert, Evakuierungen organisiert und dann müssen die Unternehmen buchstäblich mit Brettern vernagelt werden. In der Regel gibt es interne Vorschriften und Protokolle für den Katastrophenschutz. Normalerweise sind Unternehmen auch gegen Hurrikanschäden versichert.
Wie schränkt das Betriebsabläufe ein?
Die gesamten Lieferketten sind enorm belastet. Das hat man schon beim Sturm „Helene“ vor etwa zwei Wochen beobachten können. Besonders betroffen waren Zulieferer, zum Beispiel in der Automobilindustrie. Gesperrte Straßen verhinderten Lieferungen, es fehlten Mitarbeitende, und Strom- sowie Funkmasten wurden beschädigt. Das führte in unseren Mitgliedsunternehmen zum Stillstand und bedeutet letztlich, dass weniger produziert werden konnte. Zusätzlich verschärfte der Hafenstreik an der Ost- und Golfküste die Situation.
Viele Unternehmen in Florida mussten ihre Fenster verbarrikadieren, um sich vor dem Sturm zu schützen
Foto: PrivatWie lange dauert es, bis die Unternehme wieder zu gewohnten Abläufen zurückkehren können?
Das hängt vom Unternehmen ab. Wenn es nur darum geht, die Büros wieder zu nutzen und Strom und Internet wiederherzustellen, geht es schneller. Bei den zuvor erwähnten Lieferketten kann es Tage oder sogar Wochen dauern.
Ist Florida noch ein attraktiver Standort für Unternehmen?
Natürlich liegt Florida im Hurrikankorridor und ist dadurch anderen Risiken ausgesetzt als andere Standorte. Trotzdem glaube ich, dass der Standort attraktiv bleiben wird. Viele Branchen sind hier angesiedelt, wie zum Beispiel die Logistik- und Finanzbranche sowie die Luft- und Raumfahrt. Viele große Unternehmen haben ihre Hauptsitze in Florida. Auch für die Landwirtschaft ist Florida ein bedeutender Standort.
Gibt es schon eine Tendenz, wie hoch der Schaden ist?
Das kann man so früh noch nicht beziffern. Laut Gouverneur DeSantis ist das Worst-Case-Szenario ausgeblieben und der Hafen von Tampa scheint zumindest weitgehend verschont geblieben zu sein. Dennoch gibt es zahlreiche Infrastrukturschäden, die erst einmal überprüft werden müssen, zum Beispiel müssen die Flughäfen inspiziert werden. Auch andere Sektoren, wie der Tourismus, sind betroffen. Hotelbuchungen wurden storniert, und Freizeitparks wie Disneyland oder die Universal Studios sind auf unbestimmte Zeit geschlossen und können keinen Umsatz machen. Es sind auf jeden Fall Milliardenschäden.
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