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QuantentechnologienInvestoren wollen mit 300 Millionen Euro Quanten-Start-ups fördern

In Kopenhagen startet der wohl weltweit größte Wagnis-Fonds für Quantentechnologien. Das erste Geld fließt an Gründer aus Deutschland.Andreas Menn 02.10.2025 - 09:30 Uhr
Quantencomputer von IQM: Geldgeber wollen Rekordsummen investieren. Foto: picture alliance/dpa

Europäische Gründer, die Quantencomputer und Co. entwickeln, dürfen sich auf massive Unterstützung aus Dänemark freuen: In Kopenhagen geht an diesem Donnerstag offiziell der weltweit größte Wagniskapital-Fonds an den Start, der sich rein auf Quantentechnologien fokussiert.

300 Millionen Euro soll der neue Fonds namens 55 North in Unternehmen stecken, die an der Zukunftstechnologie arbeiten. 134 Millionen Euro davon sind schon zugesagt – von Novo Holdings (Mutter des Abnehmspritzenherstellers Novo Nordisk) und dem dänischen Export- und Investitionsfonds EIFOZu den Mitgründern des Fonds gehört auch der Münchner Wagniskapitalgeber Vsquared Ventures (IQM, Isar Aerospace, Neura Robotics).

„Quantencomputing ist kein wissenschaftliches Experiment mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit“, sagt Owen Lozman, geschäftsführender Gesellschafter von 55 North. Klassische Computer stoßen in Anwendungsbereichen wie der Arzneimittelforschung und der KI an ihre physikalischen und rechnerischen Grenzen. „Quantencomputing ist gut positioniert, diese Arbeitslasten zu beschleunigen.“

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Anders als herkömmliche Computer können die Recheneinheiten von Quantencomputern nicht nur den Wert null oder eins haben, sondern die beiden Zustände überlagern sich. Damit sind rasend schnelle parallele Berechnungen möglich – in wenigen Sekunden sind bestimmte Aufgaben gelöst, die heute tausende Jahre Rechenzeit bräuchten.

Neuer Rekord mit 6100 Qubits

Quantentechnologien dienen aber auch zum Bau hochsensibler Sensoren, mit denen sich künftig etwa Krankheiten früher diagnostizieren lassen sollen, oder zur hochsicheren Verschlüsselung sensibler Daten.

In all diese Technologien soll der 300-Millionen-Euro-Fonds nun investieren. Die ersten beiden Investitionen hat 55 North schon getätigt: Der neue Fonds hat sich an der jüngsten Rekord-Finanzierungsrunde des deutsch-finnnischen Quantenrechner-Start-up IQM beteiligt.

Außerdem hat der neue Quantenfonds eine Finanzierungsrunde über zehn Millionen Euro beim Münchner Start-up Kiutra mit angeführt. Das Spin-off der TU München entwickelt Tieftemperaturtechnik für Quantencomputer.

Die superschnellen Rechner müssen nämlich auf unter minus 270 Grad Celsius herabgekühlt werden, um zu funktionieren – Kälte also nahe dem absoluten Nullpunkt. Während bisher dafür meist teure und rare Flüssiggase benutzt werden, will Kiutra das mit einer Magnettechnik bewältigen und dabei auch weniger Energie verbrauchen.

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Quantencomputer machen stetige Fortschritte. So haben diese Woche Physiker am California Institute of Technology (Caltech) einen Quantencomputer mit 6100 Qubits vorgestellt – ein Rekord. Je mehr Qubits, desto leistungsstärker und fehlerfreier rechnen die neuen Superrechner.

Bis zur Marktreife braucht die Technik noch mehr Qubits und bessere Methoden zur Fehlerkorrektur. Unternehmen testen aber schon erste Anwendungen. So hat die britische Großbank HSBC diese Woche zusammen mit IBM gemeldet, man habe erstmals den empirischen Nachweis erbracht, dass Quantencomputer im Anleihehandel Nutzen brächten.

Wie viele Jahre noch bis zum Durchbruch?

An der Börse sind Quantencomputer ein großes Thema: Die Aktienkurse von Spezialisten wie Rigetti, IonQ und D-Wave haben sich in den vergangenen Monaten vervielfacht. Auch private Finanzierungsrunden nehmen zu: So hat das Start-up PsiQuantum Anfang September die enorme Summe von einer Milliarde Dollar eingesammelt.

Die Investoren wetten darauf, dass es die Technik bald zur Marktreife schafft – und dann zu lukrativen Anwendungen führt. „Irgendwann jetzt, in den 2020er-Jahren, haben wir den Durchbruch“, sagte unlängst auch Sabina Jeschke, Gründerin der Berliner Forschungsinitiative KI-Park, auf dem Weltmarktführer Innovation Day der WirtschaftsWoche.

In einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Studie taxieren die Berater von Bain & Company das Marktpotenzial für Quantentechnologien auf 250 Milliarden Dollar. Sie sehen eine mögliche Verwendung etwa in der Medikamentenentwicklung, der Finanzwirtschaft, der Logistik und den Materialwissenschaften.

Von fehlerfreien Quantenrechnern sei man aber noch Jahre entfernt. „Einige erwarten einen einzigen ‚Quantensprung'“, schreiben die Berater, „aber wir gehen eher von einer allmählichen Entwicklung aus“. Erste Erfolge in engen Bereichen werde es innerhalb von fünf bis zehn Jahren geben, gefolgt von einer breiteren Anwendung im Lauf der Zeit.

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