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Deutsche BankAktionäre nehmen Aufsichtsratschef ins Visier

Deutsche-Bank -Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat das Geldhaus und sich selbst gegen die heftige Kritik von Aktionären verteidigt. 19.05.2016 - 13:45 Uhr aktualisiert

Deutsche Bank: Klage wegen Anleihemarkt-Manipulation

Foto: dpa

Ungeklärte Skandale, keine Dividende und eine Schlammschlacht im Aufsichtsrat: Wütende Aktionäre haben Deutsche-Bank -Chefkontrolleur Paul Achleitner auf der Hauptversammlung von Deutschlands größtem Geldhaus am Donnerstag attackiert. "Nach einer Dekade des Missmanagements ist die Deutsche Bank heute ein Sanierungsfall", sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment, einem der größten Anteilseigner des Instituts. Achleitner verteidigte den Kurs der Bank und sich selbst. Er strebt eine weitere Amtszeit an der Spitze des Aufsichtsrats an. "Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde."

Die 5400 Aktionäre in der Frankfurter Festhalle reagierten auf Achleitners Ankündigung mit eisernem Schweigen, während es für den neuen Vorstandsvorsitzenden John Cryan und den scheidenden Co-Chef Jürgen Fitschen langen Applaus gab. Achleitners Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Mehrere Großaktionäre fordern dann einen Wechsel an der Spitze des Kontrollgremiums. Sie werfen dem Österreicher, der sein Amt 2012 mit großen Vorschusslorbeeren angetreten hatte, unter anderem vor, Ex-Vorstandschef Anshu Jain zu spät abgelöst zu haben.

Achleitner wies die Kritik zurück. Es sei richtig gewesen, zunächst die neue Strategie und die nötigen Strukturen festzulegen und dann die richtigen Personen dafür zu suchen. "Eine Strategie ist keine Lego-Bauanleitung für das Management", sagte der 59-Jährigen. "Eine Strategie ist vielmehr ein Kompass, der zeigt, wo wir hinwollen." Grund für den "ungewöhnlich radikalen Umbau" sei auch das Verhältnis zu den Aufsehern gewesen. Die Finanzaufsicht BaFin hatte vor allem dem im Sommer 2015 abgetreten Jain hart kritisiert. Kürzlich betonte sie, die Deutsche Bank sei nun auf dem "völlig richten Weg."

Mai 2016

Der italienische Staatsanwalt Michele Ruggiero ermittelt wegen Marktmanipulation gegen die Deutsche Bank und fünf aktuelle und ehemalige Top-Manager. Es geht um den Verkauf von italienischen Staatsanleihen im Wert von sieben Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2011. Die Deutsche Bank soll öffentlich versichert haben, dass die italienischen Staatsschulden stabil seien, gleichzeitig aber den Märkten und dem Finanzministerium in Rom verschwiegen haben, dass sie ihre eigenen Bestände drastisch abbauen werde.

Foto: REUTERS

Mai 2016

Die Deutsche Bank legt ein Verfahren in den USA außergerichtlich bei. Sie zahlt 50 Millionen Dollar wegen des Vorwurfs der Manipulation des Marktindexes Isdafix. Mehrere Pensionsfonds und Kommunen hatten insgesamt 14 Banken vorgeworfen, den Wettbewerb auf dem Markt für sogenannte Zinsswaps behindert zu haben.

Foto: REUTERS

Mai 2016

Die britische Finanzaufsicht FCA wirft der Deutschen Bank grobe Versäumnisse bei ihren Kontrollsystemen vor. Die Aufsicht kritisiert die Vorkehrungen des Instituts gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Sanktionsverstöße. Diese wiesen "systematische Mängel" auf. Führungskräfte seien nicht ausreichend im Kampf gegen Finanzkriminalität engagiert.

Foto: REUTERS

28. April 2016

Dieser Ärger ist hausgemacht: Georg Thoma, Leiter des Integritätsausschusses im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, legt sein Amt nach massivem Druck seiner Kollegen nieder. Da Thoma vor allem die Aufklärung von Skandalen vorantreiben sollte, verunsichert sein Rückzug die Investoren.   

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25. April 2016

Ausnahmsweise mal ein juristischer Erfolg für die Bank. Das Münchner Landgericht spricht Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und vier Ex-Spitzenbanker vom Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs frei. Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, im Zivilprozess um die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch gelogen zu haben.

Foto: dpa

22. April 2016

Aktionärin Marita Lampatz verlangt eine umfangreiche Sonderprüfung bei der Deutschen Bank. Neben vergangenen Jahresabschlüssen soll ein externer Experte auch Schadenersatzansprüche gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner und andere Topmanager wegen des Libor-Zinsskandals prüfen. Über den Antrag entscheidet die Hauptversammlung am 19. Mai.

Foto: dpa

April 2016

Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ zeigt, dass rund 30 deutsche Banken in den vergangenen Jahren die Dienste der Kanzlei Mossack Fonseca genutzt und mit ihrer Hilfe Briefkastenfirmen aufgesetzt haben. Auch die Deutsche Bank ist dabei.

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Januar 2016

Vorstandschef John Cryan bestätigt, dass der Vorstand der Bank eine Untersuchung gegen ein Mitglied des Aufsichtsrats eingeleitet hat. Der Vorsitzende des Kontrollgremiums Paul Achleitner könnte die Aufklärung der Libor-Affäre verzögert haben, weshalb die britische FCA die Strafe für die Bank um 100 Millionen Pfund erhöhte. Sollte Achleitner schuldhaft gehandelt haben, drohen Schadenersatzforderungen.  

Foto: dpa

Dezember 2015

Schon länger ermitteln Aufseher und interne Kontrolleure wegen eines Geldwäschefalls in Russland. Nun wird publik, dass dieser mit zehn Milliarden Euro größer als bisher bekannt ausfallen dürfte. Außerdem könnte die Bank gegen Sanktionen verstoßen haben. Es drohen hohe Bußen. 

Foto: dpa

November 2015

Der Pensionsfonds für Lehrer aus Chicago hat bei einem Bundesgericht in Manhattan Klage unter anderem gegen die Deutsche Bank eingereicht. Mit anderen Banken soll sie versucht haben, die Fondsmanager vom elektronischen Handel mit Zinsswaps fernzuhalten. 

Foto: REUTERS

Oktober 2015

Deutsche-Bank-Chef John Cryan schreibt Firmenwerte radikal ab und erhöht die Rückstellungen für Prozesse deutlich. Das führt zu einem Quartalsverlust von rund sechs Milliarden Euro – der höchste in der Geschichte der Bank.

Foto: dpa

September 2015

Die Deutsche Bank ist zusammen mit anderen Geldhäusern wegen möglicher illegaler Preisabsprachen im Edelmetallhandel im Visier von Schweizer Beamten. Die Schweizer Wettbewerbskommission verfüge über Anhaltspunkte, dass sieben Institute möglicherweise unzulässige Absprachen im Handel mit Edelmetallen getroffen hätten, teilte die Behörde mit.

Foto: CLARK/obs

August 2015

Frankfurter Staatsanwälte klagen Beschäftigte der Deutschen Bank wegen Mittäterschaft bei besonders schwerer Umsatzsteuerhinterziehung an. Die Beschuldigten sollen 2009 und 2010 beim Handel mit Verschmutzungsrechten dubiosen Firmen geholfen haben, den Fiskus um mehrere Hundert Millionen Euro zu betrügen.

Foto: REUTERS

Juli 2015

Ein Zwischenbericht der Finanzaufsicht Bafin gelangt an die Öffentlichkeit. In diesem wirft die Behörde Topmanagern der Bank schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit der Manipulation des Referenzzinses Libor vor.

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07. Juni 2015

Aus für Anshu Jain. Die Deutsche Bank ersetzt den bisherigen Co-Chef durch den Briten John Cryan. Jains Position war auch durch seine mögliche Verbindung zu zahlreichen Skandalen im Investmentbanking unhaltbar geworden. 

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Die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain (l) und Jürgen Fitschen, lächeln am 21.05.2015 während der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main (Hessen). Die Deutsche Bank hat kurz vor der Hauptversammlung ihren Vorstand kräftig umgebaut. Dabei erhält der vor allem in Deutschland umstrittene Jain deutlich mehr Macht. Foto: Arne Dedert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Mai 2015

Eklat bei der Hauptversammlung: Nur 60 Prozent der Aktionäre stimmen der Entlastung des Vorstands zu. Ein derartiges Misstrauensvotum ist ziemlich beispiellos.

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April 2015

Dieser Frieden ist teuer erkauft: Die Deutsche Bank muss für die Manipulation der Libor-Zinsen eine Rekordstrafe von 2,3 Milliarden Euro zahlen. Britische und amerikanische Behörden sehen sie im Mittelpunkt des Skandals. Außerdem werfen sie ihr unkooperatives Verhalten vor.

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Bei vielen Investoren ist der Frust wegen eines Verlustes von knapp sieben Milliarden Euro 2015 und des vor sich hin siechenden Aktienkurses groß. "Die Reputation hat gelitten, das Vertrauen am Kapitalmarkt ist erschüttert, der Aktienkurs ist ein Desaster", sagte Fondsmanager Speich. "Die Deutsche Bank steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte." Cryan müsse nun die Scherben zusammenkehren, die ihm seine Vorgänger hinterlassen hätten. Kritik äußerte Speich auch am Ausscheiden von Aufsichtsrat Georg Thoma. Der renommierte Jurist war Ende April auf Druck seiner Kollegen zurückgetreten, weil diese ihm öffentlich Übereifer bei der Aufarbeitung von Skandalen vorgeworfen hatten. "Dass solche Dinge auf dem offenen Marktplatz ausgetragen werden, zeigt, wie tief wir in diesem ehrenwerten Haus mittlerweile gesunken sind", kritisierte Klaus Nieding, der Vize-Präsident der Aktionärsvereinigung DSW.

Achleitner tut die Affäre Thoma nach eigenem Bekunden "besonders leid", da beide eine langjährige Freundschaft verbindet. Der Rückzug war aus Sicht des Österreichers aber unvermeidbar. Bei dem Streit sei es "weniger um den Inhalt, als vielmehr um die Form der Prüfhandlugen gegangen. Das Vertrauensverhältnis war derart belastet, dass der Rücktritt von Herrn Thoma schließlich im Interesse des Unternehmens war."

Cryan hat nach der Übernahme des Chefsessels im Sommer 2015 fast den gesamten Vorstand des Geldhauses ausgetauscht. "Wir begrüßen den Neuanfang ausdrücklich", sagte Fondsmanager Andreas Thomae von der Dekabank. Die größten Rechtsstreitigkeiten - etwa Geldwäsche-Vorwürfe in Russland und umstrittene Hypothekengeschäfte in den USA - will das neue Vorstandsteam möglichst noch in diesem Jahr mit Vergleichen aus der Welt zu schaffen. "Bei aller Vorsicht sehe ich uns - was unsere Rechtsstreitigkeiten angeht - allmählich auf der Zielgeraden", sagte Cryan, der seine Rede auf der Hauptversammlung anders als sein Vorgänger Jain auf Deutsch hielt. Wegen der Aufarbeitung der Vergangenheit rechnet er allerdings auch 2016 "noch einmal mit weiteren Belastungen".

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Cryan, der nach der Finanzkrise als Finanzchef bereits die Schweizer Großbank UBS umbaute, genießt bei Investoren einen guten Ruf als Sanierer. Einige haben allerdings Zweifel daran, ob der Brite auch noch der Richtige ist, wenn die Bank in einigen Jahren das Gröbste hinter sich hat. "Wenn irgendwann wieder Licht am Ende des Tunnels erkennbar wird, erwarten wir von ihnen auch eigene strategische Impulse zur Weiterentwicklung der Bank", forderte Fondsmanager Speich.

Cryan betonte, er sehe sich nicht ausschließlich als Aufräumer. "Wir, dieses Team hier vorne, werden mit Rückendeckung des Aufsichtsrats die Deutsche Bank wieder auf die Wachstumsstraße bringen." Beim Umbau der Bilanz habe das Geldhaus bereits einen Großteil des Weges hinter sich. "Wir sind besser als unser Ruf. Viel besser sogar!" Der bisherige Co-Chef Fitschen, der nach der Hauptversammlung ausscheidet, will dem Geldhaus weiter verbunden bleiben wird. Der 67-Jährige soll Unternehmenskunden in Europa und Asien beraten und dafür sein über Jahrzehnte aufgebautes Kundennetzwerk nutzen.

dpa, rtr
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