Unternehmensnachfolge "Fairness bedeutet nicht, alle gleich zu behandeln"

Wenn ein Unternehmer seine Nachfolge innerhalb der Familie regeln will, kommt es oft zu Konflikten. Ein neutraler Mediator kann helfen, wenn Abstand und Feinfühligkeit gefragt sind. Wie das Coaching funktioniert.

Wolfgang Galonska Quelle: PR

WirtschaftsWoche: Herr Galonska, viele Unternehmer drücken sich über Jahre beim Thema Nachfolgeplanung. Sie ahnen: Das gibt Ärger in der Familie. Wie groß ist das Schweigen in deutschen Unternehmerfamilien?
Wolfgang Galonska: Mich überrascht immer wieder, wie wenig selbst in sogenannten Harmoniefamilien ohne erkennbare Konflikte aus Sorge um Unstimmigkeiten so wichtige Dinge wie das eigene Vermögen und die Nachfolge nicht angesprochen werden. Aber ausgesessene Konflikte wachsen und bei der Nachfolgeplanung kommen plötzlich viele unausgesprochene Themen auf den Tisch. Das betrifft vor allem Familien, bei denen es ein dominanter Part, meistens der Vater, beruflich gewohnt ist, Entscheidungen im Wesentlichen allein zu treffen und durchzusetzen. Die Vorstellung, gemeinsam etwas zu entwickeln, liegt solchen Menschen häufig fern.

Zur Person

Müssen die an einer Mediation Beteiligten erstmal „Hausaufgaben“ machen, bevor Sie sie an einen Tisch bitten?
Es mag verwunderlich klingen, aber so viel kläre ich vor einer Mediation überhaupt nicht. Mir ist sehr wichtig, möglichst unbefangen und offen in ein Mediationsverfahren einzutreten. Nichts verstört Familienmitglieder mehr, als wenn der Mediator Details kennt, die nach Auffassung eines anderen beteiligten Familienmitglieds so nicht zutreffend sind.
Im Vorfeld ist es für den Mediator viel wichtiger, dass die Beteiligten über die „Spielregeln“ und Chancen des Verfahrens informiert werden. Jeder muss wissen, dass alles, aber auch wirklich alles, zur Sprache gebracht werden darf, was jeden Einzelnen bewegt.

Konflikte beenden – vier Tipps des Mediators Wolfgang Galonska

Muss ein Mediator allen Beteiligten im Vorfeld klar machen, dass auch lange verdrängte Probleme auf den Tisch kommen, damit sich eine gute Regelung für alle finden lässt?
Ich mache das nicht. Es sei denn, es steht von vornherein fest, dass wir es mit einer Familie zu tun haben, in der ein Konflikt bereits ausgebrochen ist. Dient die Mediation weniger der Projektbegleitung als mehr der Streitschlichtung, muss man natürlich ansprechen, dass nicht nur sämtliche Konflikte Thema sind, sondern auch möglicherweise deren Ursachen. Aber auch in harmonischen Familien stößt man auf solche Themen. Die werden dann aufgegriffen und intensiver behandelt.

Der Umgang mit Konflikten muss gelernt sein, was zum Beispiel der langjährige Steuerberater, der für solche Projekte gerne genommen wird, in der Regel nicht kann. Im letzteren Fall kommt hinzu, dass er meist der Elterngeneration verbunden ist, mit der er schon lange Jahre zusammengearbeitet hat. Den Kindern ist es dagegen wichtig, Vertrauen entwickeln zu können zu jemandem, der im Grunde außerhalb der Familie und des Unternehmens steht.

Wie nordet man ein Alphatier auf Konsens ein?
Gerade bei Konflikten droht gerne einer der Beteiligten mit dem Gang vor Gericht. Ein Mediator spielt dann zum Beispiel fiktiv ein solches Gerichtsverfahren durch. In Anbetracht der Verfahrensdauer vergeht den meisten schnell die Lust. Gerade in komplexen Fällen nehmen Gerichtsverfahren überproportional an Dauer zu. Die Erkenntnis, dass es keine bessere Lösung gibt, schleust dann meist auch den „Türenknaller“ wieder an den Tisch zurück.

Mit dem sogenannten Alphatier verhält sich das etwas anders. Es ist doch ganz klar, dass ich jemanden, der immer allein die Verantwortung in einem Unternehmen getragen und das vielleicht auch im Familienleben so fortgesetzt hat, nur schrittweise zum Umdenken bewegen kann, damit er auf die Kindergeneration zugeht.

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