"Beasts of No Nation": Warum Netflix auf ein Drama über Kindersoldaten setzt

"Beasts of No Nation": Warum Netflix auf ein Drama über Kindersoldaten setzt

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Regisseur Cary Fukunaga (L) und Schauspieler Abraham Attah (R) des neuen Netflix-Films "Beasts of no Nation".

von Stephan Happel

Mit „Beasts of No Nation“ feiert ein Film bei Netflix Premiere, der so auch für das Kino getaugt hätte. Das ist nicht nur ein weiterer Schritt im Wandel der Sehgewohnheiten, sondern auch für die Strategie des Streamingdienstes zentral.

Es wird geschrien, geschossen, gemordet. „Beasts of No Nation“ hat es in sich. Das Drama über einen jungen Kindersoldaten in Westafrika ist schmutzig, brutal und hoffnungslos. Kritiker loben den Film über die Maße. Schauspieler Idris Elba, der einen westafrikanischen Kommandanten gibt, der die Kindersoldaten drillt, gilt als Oscar-Anwärter.

Früher wäre das Stück auf der großen Leinwand gelaufen, Freitag feierte es seine Premiere auf Netflix – nahezu exklusiv. Nur in den USA und Großbritannien ist der Streifen überhaupt in einigen wenigen, kleinen Kinos zu sehen.

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Die Veröffentlichung des Kriegs-Dramas gilt als ein weiterer Schritt im Wandel des Filmgeschäfts. Lange wurden die großen Filme erst im Kino, Monate später auf Video und dann im Fernsehen gezeigt. Der Zeitraum zwischen den einzelnen Verwertungen schrumpft schon seit Jahren. Bei „Beasts of No Nation“ ist der Kinobonus nun ganz abgeschafft, der Start erfolgt parallel. Auch deshalb wollen die großen Ketten in den USA ihn gar nicht zeigen.

Regisseur Cary Joji Fukunaga, der zuvor die gesamte erste Staffel der HBO-Serie „True Detective“ inszenierte, hatte gezögert, den Netflix-Deal einzugehen. „Ich wollte wirklich einen Film machen, der im Kino erlebt wird. Obwohl vermutlich alle meine Filme häufiger zu Hause gesehen werden als auf der großen Leinwand“, sagte Fukunaga im Interview mit "Vanity Fair". Die Gefahr, dass bei Netflix eine besondere Kino-Erfahrung verloren geht, schien ihm groß. Doch der Dienst habe ein Angebot gemacht, dass er nicht ausschlagen konnte.

Damit dürfte zum einen die Summe von zwölf Millionen Dollar gemeint sein, die Netflix laut Gerüchten für die Verleihrechte der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Uzodinma Iwealas gezahlt hat. Zum anderen aber auch das Versprechen, den Film zumindest in kleineren Kinos auf die Leinwand zu bringen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Netflix-Start

  • Was kostet Netflix?

    Die Preise des Dienstes sind gestaffelt. Wer die Filme und Serien in HD sehen will oder mehrere Zugänge für die ganze Familie braucht, zahlt mehr.

    Einstiegspreis: 7,99 Euro pro Monat (Standard Auflösung / ein Gerät)

    HD-Paket: 8,99 pro Monat (Höhere Auflösung / zwei Geräte zeitgleich)

    Familien-Paket: 11,99 (Höchste Auflösung (4K-Ultra-HD / vier Geräte zeitgleich)

  • Welche Geräte unterstützt Netflix?

    Das Netflix-Angebot ist auf mehreren Wegen abrufbar:

    Im Browser über www.netflix.com/de

    Über die Netflix-App für iOS und Android

    Über Spielekonsolen die PlayStation 3 und 4, die Xbox 360 und One und die Wii,

    Über Set-Top-Boxen  wie Apple TV und das Fire TV von Amazon sowie Googles Chromecast

    Über verschiedene Blue-Ray-Spieler und Smart-Tvs (vorrangig Geräte von Samsung und Sony)

  • Welche besonderen Serien bekomme ich?

    Nach ersten Berichten fällt das Angebot von Netflix in Deutschland bislang offenbar deutlich geringer aus, als in de USA. Bekannte Filme und Serien wie Breaking Bad, Sherlock, The Walking Dead oder Big Bang Theory sind aber dabei.
    Exklusiv gibt es offenbar Serien wie Fargo und From Dusk till Dawn.  Der von vielen sehnlichst erwartete Breaking-Bad-Ableger Better Call Saul soll parallel zum US-Serienstart im Februar 2015 starten.

    Wichtig für viele Film- und Serienfans: Alle englischsprachigen Produktionen gibt es synchronisiert und mit Originalton zu sehen – auf Wunsch mit deutschen Untertiteln.

  • Wie sieht es mit Eigenproduktionen von Netflix aus?

    In der Vergangenheit hat Netflix die Auslandsrechte an seinen eigenen Serien häufig verkauft. Das führt zu merkwürdigen Situationen: Das hochgelobte House of Cards war bereits vor dem Netflix-Start in Deutschland zu sehen. Und: Der Streamingdienst hat jetzt zwar die ersten beiden Staffeln im Angebot. Die dritte Staffel wird aber wohl bei Sky laufen. Auch Lillyhammer und Arrested Development sind derzeit nicht über Netflix abrufbar.

    In Zukunft wird Netflix aber vermutlich keine derartigen Deals mit der Konkurrenz mehr eingehen.  Die bereits angekündigten Eigenproduktionen Marco Polo und Sense8 werden wohl erstmal nur für Netflix-Kunden zu sehen sein.

Wichtig war Fukunaga auch die künstlerische Freiheit, die der Dienst ihm beim „final cut“, also der fertigen Fassung, gelassen habe. Er musste keine Kompromisse bei der Darstellung oder Dauer eingehen. So ist „Beasts of No Nation“ denn auch ein 137-Minuten-Film geworden, der viele Zuschauer abschrecken, andere aber umso mehr faszinieren wird.

Genau das ist es, was Netflix braucht. Denn der Wettbewerb im Streaming-Segment wird härter. „In dem Markt sind mit Größen wie Netflix, Amazon Prime, iTunes, Google, Sky oder Maxdome sehr viele 500-Pfund-Gorillas unterwegs“, sagt Klaus Goldhammer, Medienexperte und Gründer des Beratungsunternehmens Goldmedia in Berlin der WirtschaftsWoche, „wir befinden uns mitten in einer ziemlich heftigen Schlacht um Marktanteile. Nur wenn sich Netflix Alleinstellungsmerkmale schafft, hat das Unternehmen die Chance auf lange Sicht zu wachsen. Dazu setzte der Dienst bislang auf Eigenproduktionen von Serien – "Orange Is the New Black"  und "Narcos" zum Beispiel – und Exklusivrechte an Dokuserien.

Deshalb verzichtet Netflix künftig auch auf teure Verleihverträge mit dem Blockbuster-Verleih Epix. Filme wie "Die Tribute von Panem" und "World War Z" lassen sich schließlich auch bei Amazon sehen – und bringen deshalb nicht genug neue Kunden, glauben die Netflix-Macher.

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Der Start von „Beasts of No Nation“ kommt zur rechten Zeit. Netflix braucht die Aufmerksamkeit. Zwar steigen die Nutzerzahlen weiter: Mehr als 69 Millionen Kunden hat der Dienst mittlerweile weltweit, von Juli bis September allein stieg die Zahl um 3,62 Millionen. Anleger und Analysten hatten sich jedoch noch mehr versprochen.

Im Heimatmarkt USA schwächt sich der Anstieg bereits deutlich ab. Und die Expansion in weitere Länder kostet, ebenso die aufwendigen Eigenproduktionen: Der Gewinn des Unternehmens fiel zuletzt von 59 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf 29 Millionen Dollar (25,4 Millionen Euro). Der Umsatz wuchs um 23 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar. An der Börse verlor Netflix nach Bekanntwerden der Quartalszahlen am Donnerstag mehr als acht Prozent.

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