BörsenWoche 521: Editorial: Asiens Tigerstaaten erleben ein Börsen-Comeback
Asien ist in Aufruhr. Das exportorientierte Wirtschaftsmodell der Region wird durch die Zolldrohungen der US-Regierung gefährdet. Das könnte Anleger verunsichern, aber die asiatischen Börsen zeigen sich überraschend robust. Besonders in den Tigerstaaten geht es aufwärts.
Die Aktienmärkte in Hongkong, Singapur und Südkorea sind deutlich gestiegen. Sie haben aber auch einiges nachzuholen: Bis zur Finanzkrise 2008/09 war das Interesse an exotischen Börsen groß. Danach jedoch ging es für die Aktienmärkte der aufstrebenden Industrieländer Asiens vor allem seitwärts. Das ändert sich dieses Jahr, Investoren fassen wieder Mut. Der Detailblick in die Länder zeigt, dass für die Börsen nicht die Geopolitik entscheidend ist, sondern gesunde Unternehmen und die richtigen Rahmenbedingungen.
Die koreanische Börse gehört dieses Jahr global zu den großen Gewinnern. Der Leitindex Kospi ist seit Jahresbeginn ein Drittel gestiegen. Lange Zeit galten koreanische Unternehmen als zu komplex. Häufig handelt es sich um Konglomerate in Familienhand. Der im Juni neu gewählte Präsident Lee Jae Myungs will nun aber aufräumen: mehr Aktionärsrechte, bessere Unternehmensführung. Während seiner fünfjährigen Amtszeit will Lee den Leitindex Kospi auf einen Zählerstand von 5000 bringen. Aktuell steht der Index bei 3200 Punkten.
Die großen Unternehmen spielen mit. Der Halbleiterkonzern SK Hynix überzeugt schon länger. Jetzt zieht der behäbige Großkonzern Samsung Electronics nach. Dessen Chipsparte schwächelte zuletzt, konnte nun aber mit einem Milliardenauftrag des US-Elektroautoherstellers Tesla punkten. Samsungs Aktie stieg nach Bekanntgabe um sieben Prozent.
In Hongkong boomt der Markt für Börsengänge. Dabei war die Sonderverwaltungszone wegen der zunehmenden Repression aus Peking schon totgesagt. Im ersten Halbjahr wurden mit Neuemissionen umgerechnet 14 Milliarden Dollar eingesammelt, achtmal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Hongkong hat eine gute Chance, dieses Jahr die meisten Börsengänge weltweit zu verbuchen – noch vor der New Yorker Börse und der Nasdaq. Die Beratungsfirma PwC schätzt, dass es dieses Jahr bis zu 100 Börsengänge in Hongkong geben könnte.
Pop Mart: Mit Labubu an die Hongkong-Börse
Zu den Neuzugängen gehört etwa die Bubble-Tea-Kette Mixue. Bei Mixues Börsengang war die Nachfrage 5200-mal höher als das Angebot. Der Ausgabepreis der Aktie lag bei 202,5 Hongkong-Dollar, mittlerweile kostet ein Anteil 466 Hongkong-Dollar. Ebenfalls in Hongkong gelistet ist der Spielwarenkonzern Pop Mart. Um dessen Labubu-Puppen gibt es derzeit auch in Deutschland einen Hype. Um Pop Marts Aktie gleich mit: Sie ist seit Anfang 2024 14-mal wertvoller geworden.
Etwas ruhiger geht es in Singapur zu. Trotzdem hat dort das heimische Börsenbarometer, der Straits Times Index, neue Rekordwerte erreicht. Zuvor war der Höchstwert aus dem Jahr 2007 ungebrochen geblieben. Singapur profitiert von seiner robusten Wirtschaft und Stabilität. Der Stadtstaat hat drei gesunde Großbanken: DBS, OCBC und UOB. Der kürzliche Börsengang des Immobilienkonzerns NTT DC war Singapurs größter seit 2017. Zusammengefasst: Die Tigerstaaten sind zurück.
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