Lebensmittel: Wie sich die Händler bei der Butter einen Preiskampf liefern
Die Preise für Lebensmittel sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Das zeigte sich auch bei der Butter: 2024 waren die Preise so hoch wie noch nie – das günstigste Päckchen deutscher Markenbutter wurde für 2,39 Euro angeboten.
Doch in diesem Jahr sinkt der Preis. Bereits Ende Oktober hatten die großen Handelsketten die Butterpreise ihrer Eigenmarken zum dritten Mal innerhalb von sechs Wochen gesenkt. Die deutschen Lebensmittelhändler liefern sich so einen Preiskampf.
Und sie setzen nun wieder einen drauf: Die Discounter Aldi Nord und Süd senkten in dieser Woche zweimal die Preise für diverse Eigenmarken, darunter Butter. Prompt reagierte Konkurrent Lidl und reduzierte die Butterpreise ab Samstag ebenfalls. Jetzt ist Butter wieder für 1,19 Euro zu haben. Und damit so günstig wie seit acht Jahren nicht mehr. Zuerst hatte die „Lebensmittel-Zeitung“ berichtet.
Und das nicht umsonst. Beide kämpfen um die Preisführerschaft und unterbieten sich gegenseitig, um Kunden und Marktanteile zu gewinnen. Immerhin ist Butter im Handel ein psychologisch wichtiger Artikel, eine Art Gradmesser für Verbraucher. „Aus dem Butterpreis werden Schlüsse gezogen: Wenn er hoch ist, gelten die Preise im jeweiligen Markt generell als eher teuer“, weiß auch Armin Valet, Lebensmittelexperte von der Verbraucherzentrale Hamburg.
Butter ist ein psychologischer Schlüsselartikel
Denn Butter zählt zu den Eckprodukten, denen eine besondere Zugkraft zugeschrieben wird: Sie lockt Kunden in die Geschäfte.
Dahinter steckt oft eine Mischkalkulation. Gekauft wird dann nicht nur die Butter, die die Händler besonders günstig anbieten, manchmal sogar mit Verlust. Andere Waren mit höheren Margen sollen das dann ausgleichen.
Rohstoffpreise und Milchmarkt: Die Hintergründe des Preisrückgangs
Die Handelsketten können sich die Vergünstigungen auch leisten, weil sich die Rohstoffpreise etwas entspannen. Eine sinkende Tendenz zeigt etwa die amtliche Preisnotierung der Süddeutschen Butter- und Käse-Börse: Pro Kilogramm lag die verpackte Butter im 250-Gramm-Paket zuletzt bei 4,70 bis 5,35 Euro netto. In der Vorwoche lag die Spanne noch bei 5,00 bis 5,60 Euro.
„Die Versorgungslage am Milchmarkt bleibt weiterhin angespannt“, heißt es in einem aktuellen Bericht der Butter- und Käse-Börse. Aber: „Die angelieferten Mengen bewegen sich deutlich über dem Vorjahresniveau und zeigen zuletzt zum Teil wieder eine leichte Zunahme.“ Auch laut Kerstin Keunecke von der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft hängt der Preisrückgang vom Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage ab. Schon im Herbst sei in Deutschland und der EU mehr Milch erzeugt worden als im Vorjahr.
Rückgang der Milchbetriebe: Langfristige Auswirkungen
Wer die Preisschwankungen bei der Butter verstehen möchte, muss die Produktionskette kennen. Die Landwirte liefern Milch, Molkereien trennen das Fett aus der angelieferten Rohmilch. Das gewonnene Fett ist Hauptbestandteil für Butter und Sahne, aber es wird auch für viele andere Produkte wie Käse benötigt.
2024 etwa war diese Produktionskette an mehreren Stellen strapaziert: Es gab weniger Milch, der Fettgehalt der Rohmilch nahm ab und für manche fetthaltige Produkte wie Käse zog die Nachfrage deutlich an. Die Folge: Der Butterpreis kletterte in die Höhe.
Das liegt auch daran, dass die Zahl der Milchbetriebe stetig sinkt. Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft zeigen: 48.649 Betriebe gab es im November 2024 in Deutschland – im Jahr 2000 waren es noch 138.500.
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