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GemeinschaftsschulenDie Lüge von der Chancengleichheit

Alle unter einem Dach: Baden-Württemberg will die Gemeinschaftsschule. An sich eine gute Idee, findet Pädagoge Matthias Burchardt. Nur sorgt das angestrebte Modell für noch mehr soziale Ungerechtigkeit.Axel Göhring 09.03.2016 - 15:30 Uhr
Foto: dpa

WirtschaftsWoche Online: Herr Burchardt, wenn Sie kommende Woche Bildungsminister in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt werden würden, wie würden Sie das dortige Bildungssystem fit machen?
Matthias Burchardt: Der Flurschaden der Blitzreform in Baden-Württemberg muss dringend beseitigt werden, damit nicht eine ganze Generation von Kindern als Versuchskaninchen die Folgen der Reform ausbaden müssen. Die bisherige Landesregierung rudert ja schon kräftig zurück.

Was würden Sie also konkret tun?
Die Schulen brauchen nun vor allem eines: Ruhe! Schule lebt vom Unterricht durch gute Lehrer und braucht eine gewisse Leistungsdifferenzierung. Ich würde deshalb die Gemeinschaftsschulen in diesem Sinne weiterentwickeln, G8, die Neue Lernkultur und die Kompetenzorientierung aber landesweit abschaffen.

Zur Person
Matthias Burchardt

Was haben Sie denn an der Neuen Lernkultur auszusetzen?
Im Kern beruht die Neue Lernkultur darauf, dass wesentliche pädagogische Funktionen und Verantwortungsbereiche des Lehrers den Schülern aufgebürdet werden. Diese sollen eben nicht nur lernen, sondern müssen das eigene Lernen auch noch organisieren.

Also das Konzept „Der Lehrer als Lernbegleiter, der Schüler als Lernpartner“...
Der Idealtypus der Neuen Lernkultur ist der Autodidakt, man könnte aber auch von „Kaspar-Hauser-Pädagogik“ sprechen.

Was Schüler in der neunten Klasse können sollen
Was wurde diesmal getestet?
Was ist die Basis für die Testaufgaben?
Wie läuft so ein Test ab?
Welche Schulleistungs-Untersuchungen gibt es noch?
Was war der Grund für den deutschen Stopp?
Wie sind die innerdeutschen Ergebnisse diesmal zu interpretieren?
Was wurde noch ermittelt?
Welche Kritik gibt es an den Bundesländervergleichen?

Klingt sehr anspruchsvoll...
Ja,  es kommt in jeder Hinsicht zu einer Überforderung der Kinder. Aber auch die Lehrer sind nicht etwa entlastet, sondern werkeln an „Lernpaketen“ herum, bereiten Material für verschiedene Niveaustufen vor, kommen mit den Korrekturen oder der Leistungsbewertung kaum hinterher. Erschreckend war für mich, dass bei der Bewertung vornehmlich darauf geschaut wurde, ob die Schüler ihr Pensum geschafft haben, inhaltliche Fehler wurden dagegen kaum korrigiert.

Bloß nicht mit den Fingern rechnen

Wenn kleine Kinder anfangen zu rechnen, tun sie das in der Regel mit ihren Fingern: Sie zählen ab, wie viel "vier plus eins" ergibt. Was man ihnen in der Schule ganz schnell wieder abtrainiert. Denn spätestens beim Einmaleins helfen die zehn Finger ja auch nicht mehr weiter. Mathe ist eben abstrakt. Ganz falsch, sagt Jo Boaler. Sie ist Professorin für Mathedidaktik an der Stanford University und kann belegen: Um Mathematik zu lernen, müssen Menschen Zahlen visualisieren. Das geht beispielsweise mit einem Rechenschieber, einem Abakus - oder mit den Fingern. Wer Kindern also verbietet, mit den Fingern zu rechnen, macht es ihnen unnötig schwer und behindert sie in der Entwicklung ihrer mathematische Fähigkeiten.

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Entweder kann man Mathe oder Sprachen

Mathe ist für viele Schüler ein Hass- beziehungsweise Angstfach. Oftmals werden sie damit getröstet, dass ihnen eben Sprachen und Geisteswissenschaften mehr liegen, als dröge Zahlenreihen. Dabei können auch sprachbegabte Teenager Mathe verstehen, wenn man sie richtig motiviert.
Dazu gehört, den Sinn dessen zu erklären, was vermittelt wird. Während in der Grundschulmathematik noch völlig klar ist, wozu das Einmaleins gut ist, sieht es bei Algebra, Stochastik und Analysis schon anders aus. Wer sich aber sagt: "Wozu soll das denn gut sein, das brauche ich doch nie im Leben" tut sich mit dem Lernen schwer. Wissenschaftler der Universität Tübingen haben bewiesen: Gymnasiasten, die sich mit dem Nutzen der Mathematik im alltäglichen Leben beschäftigt haben, schnitten bei Tests besser ab und waren motivierter als Schüler, die bloß stur Formeln pauken. Wer aus einem Mathemuffel also einen Zahlenfan machen will, muss ihn überzeugen, dass Mathe nicht nur in wenigen MINT-Studiengängen nützlich ist.

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Ist ein Handy-Verbot sinnvoll?

Eine aktuelle Studie zweier Ökonomen der London School of Economics kommt zu dem Schluss, dass Schüler besser lernen, wenn Smartphones aus den Schulen verbannt werden. Der Leistungsanstieg entspräche fünf zusätzlichen Schultagen im Jahr. Bei den schwächeren Schülern sei der Effekt sogar doppelt so stark. Die britischen Forscher hatten die Leistungen von 16-jährigen Schülern an vier britischen Schulen vor und nach dem Handyverbot verglichen.

Doch Einigkeit herrscht bei dem Thema nicht. So bietet etwa das Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen Materialien und Regeln für die Nutzung des Smartphones im Unterricht. Dass das sinnvoll ist, haben im vergangenen Jahr Forscher der Universität Duisburg-Essen in einer Studie mit 100 Mittelstufenschülern herausgefunden. Sie untersuchten, inwieweit sich Smartphones und Tablets sinnvoll in den Unterricht einbinden lassen. „Im Projektverlauf hat sich die Nutzung immer dann als besonders hilfreich erwiesen, wenn sie der individuellen Förderung dient und Medien als Lernwerkzeuge selbstgesteuert von Lernenden genutzt werden können“, heißt es darin. Zudem könne so sichergestellt werden, dass die Schüler einen „sicheren, kritischen und reflektierten Umgang mit dem Internet“ lernen. Smartphones im Unterricht können also durchaus sinnvoll sein – wenn sie richtig eingesetzt werden.

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Fehler helfen beim Lernen

Wer sich beim Lernen häufig verhaspelt und die Lösung raten muss, lernt trotzdem was. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass die Gedächtnisleistung sogar von den Fehlern profitiert. Dies gilt allerdings nur, wenn die Raterei nicht völlig ins Kraut schießt, sondern nur knapp an der richtigen Lösung vorbei ist. Wer häufig fast richtige Vermutungen anstellt, dem helfen diese wie kleine Brücken beim Erinnern an die korrekte Information. Diesen Vorteil konnten die Forscher sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Probanden feststellen. Wer sich selbst herantastet, profitiert davon also mehr, als wenn ihm die richtige Antwort vorgesagt wird.

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Texte wiederholt zu lesen, heißt viel zu lernen

Wer Texte häufiger liest, um sie auswendig zu lernen, der hat schon recht mit seiner Methode: Damit kann er sich die Texte wirklich besser merken. So hat es schon in Kinderzeiten mit dem Gedicht für Nikolaus oder Weihnachtsmann funktioniert. Aber übrigens auch nur, wenn man es vorher laut vor sich aufgesagt hat.

Allerdings bedeutet das wiederum nicht, dass man wirklich gelernt - also verstanden - hat. Auswendiglernen ist nicht gleich verstehen. Deshalb sollte man den Text versuchen etwa in anderen Worten zu erklären. Das hilft wirklich.

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Gelerntes erzählen hilft, es sich zu merken

Wer etwas liest und es anschließend anderen erzählt oder mit jemandem bespricht, kann sich Sachverhalte und Zusammenhänge besser merken. Das stimmt. Wenn wir mit anderen sprechen, senden und empfangen wir Emotionen. Diese senden verstärkt Signale an unser Gehirn, wodurch wir uns das Besprochene besser merken können. Deshalb ist gemeinsam lernen auch häufig effektiver, als alleine zu pauken.

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Hochbegabte sind Lernüberflieger

Wer einen ungewöhnlich hohen IQ hat, ist in der Schule noch lange kein Überflieger. Weil viele Hochbegabte in der Schule unterfordert sind, markieren sie den Klassenclown und bekommen entsprechend schlechte Noten.

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Sport steigert die Konzentration

Die Meinungen der Wissenschaftler gehen auseinander: Hirnforscher sind sich sicher, dass das Gehirn vom Sport profitiert, da es dann mit mehr Blut und somit mehr Sauerstoff versorgt wird. Das kann eine neue Verknüpfung von Nervenzellen fördern, die den Kopf dadurch lernfähiger machen können. Das würde bedeuten, dass Sportler geistig fitter sind als Sportmuffel. Einen wirklichen Beweis dafür gibt es aber nicht - aussagekräftige Studien fehlen.

Lernforscher sagen deshalb, dass Sport und gesteigerter Denkleistung kein direkter Zusammenhang bestünde. Aber auch sie stimmen zu, dass Sport Stress und Aggressionen abbauen und damit auch zum Beispiel Denkblockaden aus der Welt schaffen kann - quasi "den Kopf frei machen". Somit ist Sport durchaus hilfreich beim Lernen, auch wenn es vielleicht keinen direkten Einfluss hat.

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Manche sind nachts am lernfähigsten

Generell gilt, dass Tageslicht unsere Wachheit und Aufmerksamkeit steigert. Wer aber von sich behauptet ein Nachtmensch zu sein, muss nicht falsch liegen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Tagesrhythmus. Es gibt also sogenannte "Lerchen-Typen", die gerne früh aufstehen, weil sie dann am besten arbeiten können, und sogenannte "Eulen-Typen", sie nachts richtig aktiv werden und sich am besten aufs Lernen konzentrieren können. Ist man der Nachttyp, sollte man aber auch konsequent sein, um wirklich effektiv lernen zu können. Das heißt lange schlafen, spät aufstehen und dann die Nacht durch arbeiten - sprich den Tag-Nacht-Rhythmus komplett umdrehen. Wer morgens nur nicht aus dem Bett kommt, ist noch lange keine Eule.

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Der frühe Vogel fängt den Wurm

Genau diese Typen sagen auch schon viel darüber aus, warum diese Lernmythe falsch ist. "Morgenstund' hat Gold im Mund" trifft nämlich nicht unbedingt für Schulkinder zu. Abgesehen von den Lerchen-Typen und Eulen-Typen haben verschiedene Forschungen der vergangenen Jahre gezeigt, dass die meisten Kinder am frühen Morgen wenig leistungsfähig sind. Nach der ersten großen Pause und nachmittags sind die meisten Schüler geistig deutlich fitter, so die Ergebnisse. Jugendlichen fällt es meistens noch schwerer. Deshalb plädieren viele Wissenschaftler für einen Schulstart zu einer späteren Uhrzeit und nicht zwischen sieben und acht.

Foto: dpa/dpaweb

Chaos macht kreativ

Ordnung gibt Sicherheit, weshalb kreative Köpfe gerne im Chaos versinken. Nur weil sich auf dem Schreibtisch Bücher und Zettel türmen, wird man aber noch lange nicht kreativ. Kreativ werden kann nämlich nur, wer bereits gelernt hat.

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Lernen geht am besten unter Druck

Lernen unter Druck schafft für viele - vor allem im Studium - erst die dringende Notwendigkeit, die sie zum Lernen motiviert. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Experten warnen davor unter Zeitknappheit zu lernen, denn das sei nur erfolgreich, wenn schon viel Wissen vorhanden sei, auf das man aufbauen kann. Sie raten: Nur mit Ruhe und Entspannung gelingt lernen richtig gut - und kostet auch weniger Nerven.

Foto: dpa/dpaweb

Gehirnjogging macht geistig fitter

Wer durch bekannte Denksportspiele, wie zum Beispiel die eines japanischen Doktors nutzt, um seine Intelligenz zu steigern, der übt vergebens. Aber Lernforscher sind sich einig, dass das Merken von Gegenständen oder Wörtern, das Gedächtnis trainiert und die Konzentration fördert. Wer allerdings viele Gedächtnistrainings macht, ist nicht gleich besser in Schule und Studium, denn zunächst verbessert man sich beim sogenannten Gehirnjogging immer nur darin, was man tut - also man wird in den Spielen besser. Fürs Lernen hilft es aber nur begrenzt.

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Musizieren macht klug

Eine schöne Idee, die sogar ein Stück Wahrheit birgt. Wer ein Musikinstrument spielt, kann seine Intelligenz nicht steigern, aber erwirbt andere Kompetenzen, die etwa zum Lernen sehr hilfreich sein können. Wer musiziert, gibt seinem Gehirn viel zu tun: Zum einen muss man sich konzentrieren, mit den Augen die Noten lesen, sie im Kopf übersetzen, sodass die Hände das Instrument entsprechend spielen können. Dann kommt noch das Hinhören hinzu, ob man auch die richtigen Töne trifft und schließlich ist damit noch viel Gefühl verbunden. Durch all diese Schritte und das häufige Wiederholen entstehen neue Vernetzungen im Gehirn. Das ist aber nicht einzigartig fürs Musizieren, sondern kann zum Beispiel auch durchs Schachspielen geschafft werden. Fazit: Wer ein Musikinstrument lernt, kann sich zusätzliche Kompetenzen aneignen, die helfen können, aber nicht unbedingt hilfreicher sind als andere Hobbys - wie etwa Sport.

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Kurz-vor-knapp-Lernen funktioniert

Der Prüfungstermin rückt näher - Nur noch wenige Tage, manchmal wenige Stunden bis zur Prüfung und jetzt fängt man so richtig an zu lernen - und es funktioniert, meinen die "Fast-Food-Lerner", die sich dabei auf ihr Kurzzeitgedächtnis verlassen. Es ist ein ganz alltägliche Phänomen, dass wir das Hier und Jetzt wichtiger nehmen. Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin müssen erst trainiert werden. Wem es so geht, der setzt häufig auf das Last-Minute-Lernen und besteht vielleicht auch. Der Erfolg ist aber wahrscheinlicher, wenn man sich richtig vorbereitet - vor allem mit Blick auf die Zukunft. Wer nicht in der Schule oder spätestens im Studium anfängt, langfristig zu planen und sich langfristige Ziele zu setzen, der scheitern etwa beim ersten Großprojekt im Büro.

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Werden Kinder gelobt, lernen sie besser

"Das hast du richtig gut gemacht!", ist Balsam für jede Seele - ob klein oder groß. Bei Kindern wird immer wieder diskutiert, ob es sinnvoll ist zu loben. Psychologen sagen, dass es in gewissem Maße sinnvoll und notwendig ist. Wer aber für jede Kleinigkeit gelobt wird, bekommt ein falsches Selbstbild und ist häufig weniger motiviert. Deshalb sollte sich das Lob in Grenzen halten. Außerdem kommt es auch darauf an, was man lobt: Statt sein Kind für sein Talent zu loben, sollte man zeigen, dass man besonders die Anstrengung oder das Durchhaltevermögen schätzt. Das kann durchaus motivieren und dazu verhelfen, dass Kinder mit mehr Spaß lernen und dadurch auch besser darin sind.

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Aus Fehlern und Kritik lernt man am meisten

Es ist das Grauen vieler Kinder: "Komm du doch bitte mal an die Tafel!" Wer vorne steht, fühlt sich schnell bloßgestellt. Dabei ist die Idee dahinter nicht, einen Schüler lächerlich zu machen, sondern dass die ganze Klasse profitiert: Fehler zu erkennen und sie zu korrigieren. Wer Fehler macht und sie selbst korrigiert, macht sie meistens nicht noch einmal. Wird Kritik zu viel, kann sie aber demotivieren und die Lernbereitschaft zunichte machen. Wer ständig Fehler macht, verliert die Lust und gibt häufig auf. Dann braucht man ein Erfolgserlebnis, um wieder auf Kurs zu kommen. Fehler und Kritik alleine machen einen also nicht lernfähiger - können in Maßen aber durchaus zum besseren Verständnis beitragen.

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Intelligente Kinder haben bessere Noten

Um eine gute Note zu bekommen, braucht es neben Intelligenz und Begabung auch Fleiß, Hingabe und Motivation. Ein intelligenter Mensch, der nicht lernt, bekommt schlechtere Noten als ein weniger intelligentes Kind, das sich anstrengt.

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Wer lernt und es aufschreibt, merkt es sich besser

Das stimmt. Schreibt man etwas ab oder auf, ist das Gehirn intensiver mit dem Inhalt beschäftigt, als wenn man ihn nur liest. Dadurch ist an dem Spruch "durch die Hand ins Gedächtnis" durchaus etwas Wahres dran. Das gilt allerdings nur fürs Handschriftliche! Wer sich etwas merken will, dem hilft das Tippen eines Textes deutlich weniger, als wenn er ihn mit der Hand schreibt.

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Die Jüngsten lernen am besten

Der Englischkurs für die Dreijährige, Französisch mit vier - Frühförderkurse boomen. Experten warnen aber davor, dass das eigene Kind überfordert werden könnte. Kinder sammeln nur so viel Wissen, wie sie es für ihre Entwicklung benötigen. Können sie die ihnen gestellten Aufgaben lösen können, weil sie ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechen, so lernen sie optimal. Kinder sind von Geburt an neugierig und lernen sehr gerne. Deshalb wird häufig gesagt, dass sie am besten lernen können. Aber auch sie können überfordert werden. Nur weil sie sich für besonders viel begeistern lassen, lernen sie aber nicht besser. Also liebe Eltern, kein Stress mit tausend Kursen für die Vorschulkinder! Auch der Grundschüler, Teenager oder Student kann durchaus neugierig, wissbegierig und gut im Lernen sein - je nach Thema sogar besser als das Vorschulkind.

Foto: dpa

Kinder müssen immer gelobt werden

Eltern sollten die Leistungen ihrer Kinder loben, aber nicht übertreiben. Wer sein Kind für jede Kleinigkeit als Genie und sonstiges lobt, tut dem Selbstbild seines Kindes nichts Gutes.

Foto: Fotolia

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr

Was bei Kindern übertrieben wird, traut man Senioren häufig nicht mehr zu. Sie werden häufig im wahrsten Sinne des Wortes zum "alten Eisen" gezählt. Lernfähigkeit traut man der älteren Generation nicht mehr zu. Das ist aber falsch. Senioren beweisen heutzutage Tag für Tag, wie lernfähig sie noch sind: Sie lernen Fremdsprachen, mit Computern umzugehen oder schreiben sich für Studiengänge ein und machen Master in Physik oder Philosophie. Während Kinder sich noch ein gewisses Grundwissen aneignen müssen, können viele ältere Menschen bereits auf ihr Vorwissen zurückgreifen und lernen deshalb noch nicht einmal unbedingt langsamer als die Jüngeren. Ihr großer Nachteil liegt hingegen darin, gewohnte Abläufe und automatisiertes Verhalten zu ändern - das Umlernen ist die Schwierigkeit für die Erwachsenen. Neues Wissen fällt ihnen ähnlich leicht oder schwer wie Kindern.

Foto: CLARK/obs

Im Schlaf wird weitergelernt

Das Gehirn arbeitet rund um die Uhr. Damit stimmt die Aussage, dass man im Schlaf weiterlernt. Während wir schlummern, verarbeitet unser Gehirn die neuen Eindrücke und Informationen des Tages. Die "Datenflut", die wir am Tag aufgenommen haben, wird sortiert und gespeichert. Der Lernprozess geht im Schlaf also weiter.

In langen und anstrengenden Lernphasen ist Schlaf deshalb besonders wichtig, um Gelerntes gut zu verinnerlichen. Ein kleiner Mittagsschlaf und viel Schlaf in der Nacht sollten in jeder Lernphase also drin sein - besonders in der nächtlichen Tiefschlafphase werden Informationen tiefer abgespeichert.

Foto: Fotolia

Latein fördert das logische Denken

Das stimmt so nicht. Nur wer in der Schule gelernt hat das "Veni vidi vici" nicht wörtlich "Er kam, sah und siegte" heißt, denkt nicht logischer als diejenigen, die doch lieber Französisch gepaukt haben. In wissenschaftlichen Untersuchungen zeigte sich, dass Lateinschüler Logikaufgaben nicht besser lösen als andere Schüler. Allerdings sind es Lateinschüler gewohnt, mit komplizierten Sätzen umzugehen und methodisch zu übersetzen. Das erleichtert das Lernen anderer Sprachen. Außerdem haben Lernforscher festgestellt, dass Schüler mit Lateinunterricht auch im Deutschen komplexere Sätze bilden können und leichter Fehler in deutschen Sätzen erkennen.

Foto: AP

Jungs sind besser in Mathe als Mädchen

Die Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen, was die mathematischen Fähigkeiten angeht, sind minimal. Reden sich Mädchen aber immer ein, dass sie Mathe nicht können oder bekommen es von Eltern und Lehrern eingetrichtert, werden sie sicherlich keine Mathegenies.

Foto: ASSOCIATED PRESS

Immerhin will auch die grün-rote Landesregierung die Einführung einer Gemeinschaftsschule. Wird dann nicht alles besser? Das Konzept verspricht, durch Integration und Inklusion aller Schüler, gesellschaftliche Grenzen zu überbrücken und Chancengleichheit zu schaffen...
Dieser Köder wurde ausgelegt, um die Akzeptanz für den Umbau des Schulsystems zu erhöhen. Das Gegenteil ist leider der Fall. Gerade die benachteiligten Schüler haben am wenigsten von der Neuen Lernkultur profitiert. Zwar hat man nun alle unter einem Dach versammelt, aber die soziale Selektion wird im Verborgenen fortgesetzt.

Inwiefern?
Mehr denn je entscheidet hier das ökonomische und kulturelle Kapital des Elternhauses über den Erfolg. Wer nicht aus einem entsprechenden Elternhaus kommt, hat es schwer im selbstorganisierten Lernen. Selbstständiges Lernen führt eben nicht zwangsläufig zum Lernen der Selbständigkeit.

Eine radikale schulische Inklusion führt bei einigen Kindern möglicherweise dazu, dass sie als Erwachsene weniger selbstbestimmt leben, als wenn an einer Förderschule unterstützt worden wären. Es ist ein typisches Kennzeichen von Ideologien, die Wirklichkeit zugunsten von Verheißungen auszublenden, als ob schon das hehre Ziel davon entlasten würde, nach geeigneten Mitteln zu seiner Verwirklichung zu suchen.

Viele Politiker, die soziale Bildungsexperimente im großen Stil planen, wurden dabei „erwischt“, dass sie ihre eigenen Kinder ganz konservativ in Privatschulen oder herkömmlichen Gymnasien anmelden...
Ja, ein wunderbarer Prüfstein, ob die Prediger an die eigene Lehre glauben. Die Kinder des Stuttgarter Kultusministers Andreas Stoch gehen auf eine private Waldorf-Schule. Meistens redet man sich dann damit heraus, dass die Frau es so wollte. Sicher sollte man fair bleiben, möglicherweise wurde diese Entscheidung getroffen, lange bevor das Amt gerufen hat. Aber ein Geschmäckle hat das Ganze schon, wenn man selbst Wein trinkt und Wasser predigt. Die Konsequenz sollte aber nicht sein, dass die Ministerkinder auf die GMS geschickt werden, sondern das die Politik das öffentliche Schulwesen so stärkt, das es mit den Privatschulen mithalten kann.

Laut Stoch soll neben der Gemeinschaftsschule immerhin auch das Gymnasium und die entsprechende Lehrausbildung erhalten bleiben...
Eines sollte klar sein: Allein das Schild am Schultor gewährleistet nicht, dass im inneren auch gymnasiale Ansprüche aufrechterhalten werden. Es gab beispielsweise einen Arbeitskreis Gymnasium 2020, der in einem internen Papier eine Aushöhlung des Gymnasiums vorbereitet hat. Mein Eindruck ist, dass man auch hier über die Ideologisierung des Lernens und vermeintliche „Harmonisierungen“ in Richtung Gemeinschaftsschule bewährte Konzepte abwickeln will. Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei einer Fortsetzung der Koalition zu weiteren verdeckten Angriffen auf das Gymnasium kommen wird.

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