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Bitcoin und BlockchainDie skurrilen Trittbrettfahrer des Bitcoin-Booms

Kleine Unternehmen aus aller Welt verbuchen steigende Aktienkurse, bloß weil sie plötzlich lautstark in Bitcoin und Blockchain machen.Mark Fehr 20.01.2018 - 14:00 Uhr

Bitcoin: Wer sind die Trittbrettfahrer beim "Bitcoin-Boom"?

Foto: REUTERS

Händler und Makler an der Börse Düsseldorf haben vor ein paar Tagen den Begriff „Bitcoin-Boom“ zum Unwort des Jahres 2017 gewählt. Begründung: Das Reizwort kann wirtschaftliche Aktivität vortäuschen, wo keine ist. Es reicht manchmal schon, die Begriffe Bitcoin oder Blockchain in den Unternehmensnamen einzubauen, um den Aktienkurs deutlich klettern zu lassen. Das tun sogar Firmen, die eigentlich Eistee oder Zigarren hergestellt haben.

So spotteten amerikanische Medien im Dezember über den kleinen börsennotierten Zigarrenhersteller Rich Cigars aus Miami, dessen unternehmerischer Ehrgeiz plötzlich nicht mehr für den Tabak glühte und der fortan nur noch für das Bitcon-Business brennen will. Schnell hopste die Aktie in die Höhe, blieb allerdings weit entfernt von ihren historischen Hochs.

Kräftig auf den Putz haute auch das US-Biotech-Unternehmen Bioptix, das sich bereits im Oktober 2017 lautstark in Riot Blockchain umbenannte. Zuvor hatte sich der ehemalige Biotech-Wert noch seiner Patente und Kompetenzen in der Tiermedizin gerühmt. Auch hier konnten sich die Aktionäre über einen Kurssprung direkt nach dem verkündeten Kurswechsel freuen.

Der Trick, mit formellen Ad-hoc-Mitteilungen die eigene Aktie nach oben zu bewegen, erinnert an die wilden Zeiten des Neuen Marktes in Deutschland. Damals – Ende der 1990er-Jahre – veröffentlichten boomende Börsenneulinge gern profane Unternehmensnachrichten, die gar nicht ad-hoc-pflichtig gewesen wären, nur um das Investoreninteresse zu entfachen. Viele Werte des Neuen Marktes erlebten nur ein kurzes Strohfeuer. Dabei nutzten nicht nur technologieintensive Unternehmen den Nimbus des neuen Börsensegments, selbst Unternehmen der Old Economy schlüpften in den kleidsamen Mantel der New Economy, etwa ein Seniorenheimbetreiber mit Namen Refugium.

Dieses guerillahafte Namensmarketing erlebt angesichts der Popularität digitaler Währungen eine Renaissance. An der Düsseldorfer Börse, die den Bitcoin-Boom zum Unwort gekürt hat, nutzen einige Unternehmen ebenfalls die Strahlkraft der geheimnisvollen Technologie hinter dem Phänomen. Etwa die Advanced Blockchain AG, die bis Oktober 2017 noch BrainCloud AG hieß.

Für Furore sorgte auch das zuvor kaum bekannte Hamburger FinTech-Unternehmen Naga, das im Juli im Wachstumssegment Scale an der Deutschen Börse startete. Naga betreibt eine Plattform für Wertpapierhandel im Stil eines sozialen Netzwerks oder verwaltet digitales Geld, das in den virtuellen Welten von Computerspielen zum Einsatz kommt. Als Großaktionär ist der chinesische Beteiligungskonzern Fosun an Bord.

Bitcoin statt Eistee

Nach der Erstnotiz des kräftig überzeichneten Börsengangs schoss die Naga-Aktie erst in die Höhe, nur um kurz darauf wieder abzustürzen. Die Zweifel des Kapitalmarkts konterten die Investor-Relations-Experten jedoch geschickt mit einer Ad-hoc-Mitteilung, wonach das Unternehmen an einer digitalen Geldbörse arbeite, mit der Kunden Krypto-Währungen kaufen und aufbewahren können. Dabei war das Projekt bereits andeutungsweise im Börsenprospekt veröffentlicht worden. Wie auch immer, die Naga-Aktie liegt jetzt wieder hübsch im Plus.

Axel Weber, Präsident der Schweizer Bank UBS

Der ehemalige Präsident der Bundesbank ist Bitcoin gegenüber sehr skeptisch. „Das kommt wahrscheinlich von meinem Hintergrund als Notenbanker“, sagte er. Eine Währung müsse allgemein akzeptiert sein, als Wertaufbewahrung dienen und als Zahlungsmittel sowie für Transaktionen verwendet werden können. „Bitcoin ist nur eine Transaktionswährung“, sagte Weber. Ihren Kunden rate die UBS bewusst von Bitcoins ab. Sie hätten keinen intrinsischen Wert und die Bank sehe keine darin keine Substanz.

Foto: REUTERS

James Dimon:
„Wer dumm genug ist Bitcoins zu kaufen, muss irgendwann den Preis dafür zahlen“. Der CEO der Bank JP Morgan hat sich bereits mehrfach äußerst kritisch gegenüber Bitcoins geäußert. Er hat sogar seinen Mitarbeitern gedroht jeden zu feuern, der mit Bitcoin handele. Im Januar 2018 räumte er allerdings ein, dass er es bedaure, Bitcoins als Betrug bezeichnet zu haben. Interessant findet er hingegen die Blockchain-Technologie, die nicht nur hinter dem Bitcoin steckt, sondern von immer mehr Unternehmen genutzt wird, um Daten aufzuzeichnen.

Foto: WirtschaftsWoche

Warren Buffett:

Der US-Starinvestor hat vor Bitcoin und anderen Digitalwährungen gewarnt. „Ich kann mit annähernder Sicherheit sagen, dass sie ein böses Ende nehmen werden“, sagte der 87-jährige Börsen-Guru am Mittwoch im Sender CNBC. Wann es soweit sein werde, könne er allerdings nicht sagen. Buffett spekuliert mit seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway nach eigenen Angaben bislang noch nicht aktiv auf einen Crash.

Die Frage, ob er mit sogenannten Futures gegen Kryptowährungen wette, verneinte Buffett. Er würde aber mit langfristigen Optionsgeschäften - etwa über einen Zeitraum von fünf Jahren - auf Kursverfall setzen, wenn dies möglich wäre. Buffett räumte jedoch auch offen ein, sich mit Bitcoin und Co. nicht sonderlich gut auszukennen. „Doch ich denke, was derzeit abläuft, wird definitiv böse enden“, so die Investorenlegende.

Foto: AP

Lars Rohde, Notenbankchef von Dänemark

„Bleiben Sie weg. Das ist tödlich“, so Dänemarks Nationalbankgouverneur Lars Rohde. „Ich sehe Bitcoin als Tulpenmanie, was eine außer Kontrolle geratene Blase ist“, sagte er im Dezember 2017 in einem Interview. Die Tulpenmanie in den Niederlanden gilt als erste dokumentierte Spekulationsblase der Welt. In den 1630er Jahren waren dort die Tulpenpreise auf astronomische Höhen gestiegen, bevor sie 1637 abrupt einbrachen.

Foto: WirtschaftsWoche

Felix Hufeld:
Angesichts der heftigen Kursausschläge beim Bitcoin warnt nun auch die deutsche Finanzaufsicht vor der Digitalwährung. „Es handelt sich um höchst spekulative Vorgänge mit der Möglichkeit des Totalverlustes“, sagte der Präsident der Aufsichtsbehörde Bafin, Felix Hufeld, der „Bild“-Zeitung (Samstag-Ausgabe). Es werde „Exzesse geben, die bittere Verlierer produzieren“ würden. Hufeld rät daher zu höchster Vorsicht. Ein Anleger müsse wissen, „dass er im schlimmsten Fall sein ganzes Geld verlieren kann.“
Der Chef der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kündigte an, seine Behörde müsse „eng am Ball bleiben“, sprach allerdings auch von einer großen Lernaufgabe. „Wir sind alle dabei, dieses Gebiet erst zu verstehen und Know-how aufzubauen.“

Foto: dpa

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann

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Valdis Dombrovskis:
Die EU-Kommission warnt vor Risiken der Cyberwährung Bitcoin für Investoren und Verbraucher. Es bestehe die Gefahr, dass diese ihr gesamtes Vermögen verlören, sagte der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis. Die Investoren sollten realisieren, dass der Bitcoin-Kurs jeden Moment fallen könnte. "Virtuelle Währungen wie Bitcoin sind nicht wirklich Währungen." Dombrovskis sagte, er habe die Bankaufseher der EU aufgefordert, ihre Warnungen zu Bitcoin auf aktuellen Stand zu bringen.

Foto: REUTERS

Joseph Stiglitz:
Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften geht sogar soweit vorzuschlagen, dass man Bitcoins verbieten solle. „Sie erfüllen keine soziale Funktion. Geldschöpfung ist eine der wichtigsten Funktionen des Staates. Bitcoins sind nur erfolgreich, weil sie dieses System umgehen. Es mangelt an Aufsicht.“ Bitcoins würden nur von ihren Erwartungen leben, später mehr wert zu sein. Es hätte sich ein Blase gebildet, die ein paar Leuten eine heiße Zeit beschere.

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John Bogle:
Der Gründer der Vanguard Group, einem der größten Vermögensverwalter der Welt, äußerte sich auf einem Event des Council of Foreign Relations zu Bitcoins: „Vermeide Bitcoin wie die Pest.“ Er habe keine zugrundeliegenden Gewinne und sei vollständig von der Hoffnung abhängig, dass jemand anders die digitale Münze für einen höheren Preis abkaufe.

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Mohamed El-Erian:

Der Chefberater der Allianz hält den Bitcoin zwar für eine disruptive Technologie. Aber: "Das derzeitige Preisniveau konnte nur erreicht werden, weil Anleger davon ausgehen, dass der Bitcoin sich weltweit durchsetzen wird. Regierungen werden das in dem Ausmaß aber nicht zulassen, wie es sich im Bitcoin-Preis widerspiegelt." Er erwartet einen deutlichen Kursverlust, die Technologie werde trotzdem fortbestehen, sagte El-Erian bereits im September in einem Interview mit dem TV-Sender "CNBC".

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Robert Shiller:

Der Wirtschaftsnobelpreisträger der Universität Yale sieht im Bitcoin das klassische Muster für irrationale Übertreibungen. "Wichtig ist die Story dahinter", sagte er dem Wirtschaftsportal "Quartz" in einem Interview. "Wir leben heute in einem Zeitalter fundamentaler Zukunftsängste, die durch die Digitalisierung ausgelöst werden. Die Leute fragen sich, was künftig ihr Platz in der Gesellschaft sein wird; ob sie noch einen Job haben oder überhaupt irgendeine Art von Eigentum. Und hier kommt der Bitcoin ins Spiel: Er befähigt die Leute. Sie verstehen, dass sie sich mit dem Bitcoin vom bisherigen System unabhängig machen können. Sie können damit spekulieren und reich werden. Er soll eine Lösung für die fundamentalen Ängste sein." Ideale Voraussetzungen für eine Blase, findet Shiller.

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Ray Dalio:

Der Gründer von Bridgewater Associates, dem größten Hedgefonds der Welt, hält nichts vom weltweiten Run auf Kryptowährungen. "Der Bitcoin befindet sich in einer Blase. Anders als Gold ist es kein Mittel, um Werte zu erhalten - der Preis schwankt viel zu stark", sagte er CNBC im September in einem Interview. Auch als Zahlungsmittel tauge die Digitalwährung nicht. "Bitcoins lassen sich nicht leicht ausgeben, das Netzwerk ermöglicht zu wenige Transaktionen." Dabei ist er grundsätzlich von Konzept der Digitalwährungen überzeugt. "Es könnte funktionieren. Im Moment ist es aber reine Spekulation."

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Ben Bernanke:

Der ehemalige Vorsitzende der US-Notenbank Fed traut der Blockchain-Technologie zu, bald in großem Stil von der Finanzindustrie adoptiert zu werden. Vom Bitcoin hält er nicht so viel: "Bitcoin ist ein Versuch, Fiat-Währung zu ersetzen und damit Regulierungsmaßnahmen und staatliche Kontrolle zu umgehen. Ich glaube nicht, dass das ein Erfolg wird. Regierungen werden alles Nötige tun, um dies zu verhindern", sagte er laut Finanzen.net auf einer Konferenz des Blockchain-Start-ups Ripple im November.

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Wladimir Putin:

Russland steht Bitcoin und anderen Kryptowährungen mit einer Art Hass-Liebe gegenüber. Von Verboten bis zur Zulassung und dem Start einer eigenen Kryptowährung hat Russland in den vergangenen Jahren seine Positionen ständig überdacht. Der russische Präsident Wladimir Putin traf sich im Oktober mit Vertretern aus dem Finanzministerium und der russischen Zentralbank, um seine Position zum Bitcoin zu ordnen. "Kryptowährungen können illegale Einnahmen reinwaschen, mit ihnen lassen sich Steuern hinterziehen und Anleger betrügen", zitiert ihn der Kreml in einer Mitteilung. "Und niemand garantiert für die Einlagen. Sollte die Blase platzen, gibt es keine Institution, die die Verantwortung dafür übernehmen wird." Doch verdammen will Putin Bitcoin und Co. nicht. Er regte an, in Russland Regulierungen zu schaffen, die es Bürgern, Unternehmen und dem Staat ermöglichen, innovative Finanzinstrumente wie Kryptowährungen nutzen zu können.

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Paul Krugman:

Der Wirtschaftsnobelpreisträger bezog schon 2013 eine klare Position zum Bitcoin. Eine Kolumne, die er für die New York Times schreibt, betitelt er "Der Bitcoin ist böse". Sein Argument: "Um erfolgreich zu sein, muss Geld sowohl ein Tauschmittel als auch Wertbewahrungsmittel sein. Und es ist vollkommen unklar, warum Bitcoin ein stabiles Mittel sein sollte, um Werte zu bewahren."

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Kenneth Rogoff:

Der Ökonomieprofessor von der Harvard Universität schrieb Anfang Oktober in einem Beitrag für die britische Zeitung The Guardian: "Ich schätze, dass sich die Blockchain-Technologie langfristig durchsetzen wird. Der Bitcoinkurs wird aber dramatisch an Wert verlieren." Rogoff verteufelt Kryptowährungen als Alternative zur staatlich kontrollierten Währung keinesfalls. "Aber es wäre verrückt anzunehmen, dass der Bitcoin jemals das Zentralbankgeld ersetzt. Es wäre wünschenswert, dass Regierungen Transaktionen von kleinen Summen mittels digitalen Währungen erlauben. Aber es ist etwas völlig anderes, große Summen anonym zu versenden. Die Regierungen werden das schon deshalb nicht zulassen, weil es für sie dann sehr schwer wird, Steuern einzusammeln oder Geldwäsche zu bekämpfen."

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Vitor Constancio:

Während EZB-Präsident Mario Draghi (links) bislang nur erklärte, die Europäische Zentralbank habe nicht die Macht, den Bitcoin zu regulieren, äußert sich sein Stellvertreter Vitor Constancio konkreter. Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert ihn bei einem Auftritt in Frankfurt: "Bitcoin ist eine Blase, ähnlich der Tulpenmanie im 17. Jahrhundert. Er ist ein Spekulationsobjekt für diejenigen, die auf etwas wetten wollen, dessen Kurs in ein paar Tagen um 50 Prozent fallen oder 40 Prozent zulegen kann. Aber es ist definitiv keine Währung - und in der EZB sehen wir es als keine Gefahr für die Zentralbanken oder die Geldpolitik, damit das klar ist."

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Laurence Fink:

In einem Bloomberg-Interview Anfang Oktober fand der Gründer und Vorstandschef von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt, klare Worte. "Der Bitcoin zeigt einfach, wie viel Nachfrage es in der Welt gibt Geld zu waschen."

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Tidjane Thiam:

Auch der Vorstandschef der Credit Suisse, Tidjane Thiam, sieht im Bitcoin keinen Wert. "Wir haben bislang keinen anderen Grund gefunden, warum man Bitcoins kaufen sollte, außer um damit Geld zu machen. Und solch ein Grund ist die reine Definition von Spekulation und einer Blase", zitiert ihn die Nachrichtenagentur Reuters Anfang November bei einer Konferenz.

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Lorenzo Bini Smaghi:

Der italienische Wirtschaftswissenschaftler arbeitete bis Ende 2011 als Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank. Mittlerweile ist er Vorsitzender im Verwaltungsrat der Société Générale. In einem Bloomberg-Interview findet er deutliche Worte für den Bitcoin-Hype: "Wir alle werden lernen, dass im Rahmen dieses Bitcoin-Scams möglicherweise Gelder für die Terrorismusfinanzierung geflossen sind. Und dann werden wir alle aufwachen und merken, wie unangemessen dieses System ist."

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Besonders bemerkenswert ist der Marketing-Schachzug des amerikanischen Erfrischungsgetränkeherstellers namens Long Island Iced Tea Corp. Das börsennotierte Unternehmen hieß plötzlich Long Blockchain Corp., was den Kurs um 200 Prozent in die Höhe schnellen ließ. Die Aktie mit dem Börsenkürzel LBCC notiert jetzt übrigens immer noch 200 Prozent über ihrem Wert vor der Namensänderung. Mit geschickten Namensschöpfungen kennt man sich in Long Island aus, schließlich heißt die ursprüngliche Eistee-Marke wie ein über die Region im Staat New York hinaus bekannter Longdrink, obwohl die Produkte des Hauses alkoholfrei sind.

Ach ja, das Eistee-Unternehmen heißt nicht nur anders, es will jetzt auch Beteiligungen an Firmen aus der Kryptowährungs-Szene erwerben und eigene Projekte in dem boomenden Bereich starten. Vom Geschäft mit Erfrischungsgetränken dürfte sich dieser Ansatz gravierend unterscheiden. Es sei denn, bei den neuen Beteiligungen handelt es sich ebenfalls um kurz vorher umbenannte Unternehmen aus der Getränkeindustrie.

Finger weg oder kaufen? Zehn Fragen zum Bitcoin
Der Bitcoin hat in diesem Jahr über 1.000 Prozent zugelegt. Das beispiellose Kursfeuerwerk hat viele Gründe. Ein wesentlicher Treiber des Preises war zuletzt das gestiegene Interesse der klassischen Finanzwelt. Hedgefonds und Investmentbanken interessieren sich plötzlich für die Kryptowährung. Kommende Woche wird der erste Bitcoin-Future an einer renommierten Börse angeboten, der CBOE. Eine Woche darauf startet die weltgrößte Terminbörse CME mit einem ähnlichen Angebot. Im ersten Halbjahr 2018 will auch die US-Technologiebörse Nasdaq nachziehen. Kein Wunder, dass mit dem zunehmenden Erfolg der digitalen Währung die Anzahl von Kleinanlegern stieg, was den Kurs ebenfalls befeuert hat. Inzwischen begeistern sich Anleger überall auf der Welt für die weltweit größte Kryptowährung, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Sie ermöglicht es, digitales Geld direkt von einer Person zur anderen zu transferieren, ohne dass eine Bank als Mittelsmann eingeschaltet werden muss. Die Hoffnung auf eine Revolution im Finanzsystem ist groß. Selbst ein Verbot von Krypto-Börsengängen (sogenannte „Initial Coin Offerings“, kurz: ICOs) und die Schließung mehrerer Kryptobörsen in der einstigen Bitcoin-Nation China konnten den Erfolg der Währung nicht stoppen.
Viele Finanzexperten sind fest davon überzeugt, dass der Bitcoin-Boom bald wieder vorbei sein wird. Schließlich ist eine digitale Währung nur so viel wert, wie die Nutzer bereit sind, dafür zu bezahlen. Den Skeptikern ist verdächtig, dass der Kurs des Bitcoins so rapide gestiegen ist – es könnte eine Blase sein. Selbst Krypto-Unternehmer, die die Branche maßgeblich mit vorantreiben, warnen private Investoren davor, große Summen ihrer Ersparnisse zu diesen Preisen in Bitcoins zu stecken. Doch es gibt auch die Optimisten: Eine große Anzahl von Visionären geht vom Erfolg des Bitcoins aus. Ob es eine Blase ist oder sich die Kryptowährung langfristig als eine Art digitales Wertaufbewahrungsmittel durchsetzen wird, kann nur die Zukunft zeigen.
Bitcoins erstehen Anleger ähnlich wie Aktien an elektronischen Handelsplätzen. In Deutschland gehören zum Beispiel www.bitcoin.de, Kraken, Coinbase und Anycoin Direct zu den bekanntesten Kryptobörsen. Nutzer müssen sich zunächst anmelden, können dann loslegen. Es gilt die Regel: Je größer die Beträge sind, die ein Investor handeln will, desto strenger sind die Anforderungen zur Identifizierung. Zu den meistverbreiteten Methoden gehört es, sich via Skype mit einem Mitarbeiter eines Börsenbetreibers zusammenzuschalten. Der potenzielle Anleger hält dann zur Identifizierung einen Personalausweis neben sein Gesicht. Was Anleger im Vorfeld beachten sollten: Jede Börse erhebt unterschiedliche Gebühren für den Kauf von Bitcoins. So verlangt etwa Bitcoin.de 0,5 Prozent pro Kauf. Bei Kraken sind es dagegen 0,26 Prozent. Zudem können die Gebühren auch in Abhängigkeit des gewählten Zahlungsmittels variieren. Wer seine Bitcoins mit Kreditkarte bezahlt, muss mehr Gebühren bezahlen als bei einer Sepa-Überweisung. Dafür dauert es in der Regel zwei Tage, bis die Sepa-Transaktion abgeschlossen ist und die Bitcoins auf dem Konto des Nutzers ankommen. Bei den meisten Börsen ist es möglich, die erworbene Kryptowährung mit Euro zu bezahlen. Davon zu unterscheiden sind Handelsplätze wie Shapeshift – reine Krypto-Börsen. Dort können beispielsweise Bitcoins in Ether oder andere digitale Währungen umgewandelt werden. Euro oder Dollar werden dagegen nicht akzeptiert.
Im Prinzip gibt es keine Grenze nach oben. Befürworter der Währung halten einen weiteren rasanten Kursanstieg für möglich. Sie sind jedoch oft Teil der Branche und haben damit ein eigenes Interesse am Erfolg der Währung. „Wir sind noch am Anfang der Entwicklung. Der Bitcoin-Preis kann auf lange Sicht auch auf 100.000 Dollar oder mehr steigen. Wenn Bitcoin erfolgreich bleibt und weite Verbreitung findet, gibt es keinen Grund, der dagegenspricht“, sagt etwa Timo Schläfer, Mitgründer der Londoner Börse Crypto Facilities.
Wer Bitcoins über eine Handelsplattform kauft, muss die Gewinne unter Umständen versteuern. Das gilt für den Bitcoin genauso wie für andere Kryptowährungen – wie Ether, Ripple und Litecoin. Der Handel „zählt steuerlich zu den privaten Veräußerungsgeschäften – auch Spekulationsgeschäfte genannt“, erklärt der Verein Vereinigte Lohnsteuerhilfe. Entscheidend für die Besteuerung sei jedoch, wann die digitale Währung gekaut und wieder verkauft werde. „Haben Sie Bitcoin & Co. vor mehr als einem Jahr gekauft, ist die Sache einfach: Ihre Veräußerungsgewinne bleiben steuerfrei“, versichern die Experten.Wer die Bitcoins dagegen nur wenige Monate hält und sie dann mit Gewinn veräußert oder tauscht, müsse den Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. „Es gibt allerdings eine Freigrenze, die beim Sparen hilft“, erklärt der Lohnsteuerverein. „Denn private Veräußerungsgeschäfte bleiben bis zu einer Freigrenze von 600 Euro pro Jahr steuerfrei.“Wie die Veräußerungsgewinne ermittelt werden, ist derzeit jedoch nicht eindeutig geregelt. Schließlich unterliegt der Bitcoin starken Schwankungen. Ein Anleger könnte daher mit einem Bitcoin einen hohen Veräußerungsgewinn erzielen, weil er ihn günstig gekauft hat, mit dem nächsten jedoch nur einen kleinen Gewinn, wenn er ihn zu einem höheren Preis erworben hat. Steuerberater empfehlen, sich daher an der sogenannten „First-in-first-out“-Methode zu orientieren. Der Bitcoin, der zuerst gekauft wurde, muss demnach auch zuerst wieder verkauft werden. In jedem Fall sollten Bitcoin-Besitzer ihre Geschäfte genau dokumentieren. Dann können sie dem Finanzamt bei Bedarf genaue Auskünfte liefern.
Ja! Bei aller Euphorie sollten Nutzer nicht vergessen, dass das Besitzen von Bitcoins mit einigen Risiken verbunden ist. Bislang ist nicht bekannt, dass das eigentliche Bitcoin-Netzwerk gehackt wurde. Bei Dienstleistern wie Handelsplätzen oder den Anbietern von Wallets, einer Art digitaler Geldbörse, haben Hacker allerdings in der Vergangenheit immer wieder Bitcoins von ahnungslosen Nutzern gestohlen. Der bekannteste Hack ist der um Mount Gox aus dem Jahr 2014. Mount Gox war zu der Zeit die größte Bitcoin-Börse, die von dem Franzosen Mark Karpelès von Japan aus betrieben wurde. 850.000 Bitcoins verschwanden im Wert von damals 450 Millionen Dollar. Zu heutigen Preisen wären es bereits über elf Milliarden Dollar. Und das Risiko besteht unvermindert weiter: Erst vergangenen Mittwoch meldete der Krypto-Anbieter Nicehash, dass er Opfer eines Hackerangriffs geworden sei. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Bitcoins und andere Kryptowährungen aufzubewahren. Einige Börsen bieten an, die dort gekauften digitalen Münzen auch auf ihren Rechnern zu speichern. Andere Dienste verschlüsseln die digitalen Währungen. Eine weitere Möglichkeit, zu der einige Experten raten: sogenannte „Hardware Wallets“ zu benutzen – eine Art USB-Stick, auf dem sich bestimmte Kryptowährungen speichern lassen. Sie werden nur dann an den Computer angeschlossen, wenn der Besitzer kaufen, verkaufen oder digitale Währungen an andere Nutzer verschicken will. Sonst ist er offline und damit vor Hackerangriffen geschützt. Trezor heißt einer der bekannteren Anbieter. Allerdings: Nicht jede beliebige digitale Währung lässt sich auf einem Stick speichern, sondern nur jene, die von dem jeweiligen Anbieter unterstützt wird. Nachteil: Anleger sollten die Sticks nicht verlieren.
Es war ein Teil der Faszination rund um den Bitcoin, dass die Kryptowährung zunächst weitgehend unreguliert war. So waren Bitcoins in ihren frühen Jahren ein beliebtes Zahlungsmittel im sogenannten Darknet, da sich die Transaktionen nicht so einfach zurückverfolgen ließen. Derzeit steigt mit dem zunehmenden Erfolg aber auch das Maß an Regulierung. Einige Börsen und Investmentfonds sind damit von den zuständigen Finanzaufsichten in ihrem jeweiligen Heimatland beauftragt worden. Auch die Bitcoin-Futures, die ab kommender Woche in Chicago gehandelt werden, wurden von Aufsehern abgesegnet. Zentralbanken diskutieren angesichts des Kursfeuerwerks ebenfalls über eine Regulierung von Kryptowährungen. Die Regierung in China hat Kryptobörsengänge, sogenannte ICOs, bereits verboten und den Handel mit digitalen Währungen stark eingeschränkt. Großbritannien macht sich dafür stark, dass Regeln gegen Geldwäsche auch für Kryptowährungen gelten, ebenfalls wurden Steuerbehörden aktiv. So hat etwa die US-Steuerbehörde IRS von der größten Kryptobörse des Landes, Coinbaise, Informationen über ihre Kunden verlangt. Sie will sicherstellen, dass die neuen Kryptomillionäre ihren Reichtum auch angemessen versteuert haben.
Der Bitcoin basiert auf der sogenannten Blockchain-Technologie. Damit wird eine dezentrale Datenbank bezeichnet, die auf weltweit Tausenden von Rechnern gespeichert ist und ständig erweitert wird. Es handelt sich sozusagen um eine lange Kette von Datenblöcken. Alle neuen Transaktionen – zum Beispiel der Kauf von Bitcoins – werden von einer Art digitalem Buchhalter gebündelt und in Form von neuen Blöcken an die Kette angehängt. Für ihre Arbeit werden sie mit Bitcoins belohnt. Der Haken des Verfahrens: Die Buchhalter können die Datenblöcke nur hinzufügen, wenn ihre Computer Rechenaufgaben lösen, die der Bitcoin-Algorithmus vorgibt. Für jeden neuen Block, der an die Kette angehängt wird, gibt es einen Wettbewerb zwischen den Computern. Wer die Aufgabe als Erstes löst, gewinnt. Die Aufgaben werden über die Zeit immer komplizierter. Konnte sie früher noch jeder am heimischen PC lösen, sind die Produzenten heute meist Betreiber großer Computernetzwerke. Diese lösen die zunehmend komplizierteren Rechenaufgaben. Weil das viel Energie verschlingt, sitzen die Produzenten aufgrund des billigen Stroms vor allem in China und werden Schürfer (englisch: „Miner“) genannt.Da die Rechenaufgaben komplexer werden, sinkt die Zahl der neu produzierten Bitcoins. Der Algorithmus besitzt sogar eine absolute Obergrenze: Bei 21 Millionen Münzen ist Schluss. Über 16 Millionen sind bereits produziert, das „Mining“ von neuen wird schwieriger. Somit wird der Bitcoin über die Zeit seltener und wertvoller. Das System gilt als praktisch fälschungssicher, da nicht nur eine zentrale Datenbank existiert, sondern die Blockchain auf einer Vielzahl von Rechnern gleichermaßen existiert: Jeder Teilnehmer kann die vorhandenen Kopien miteinander vergleichen. Ist in einer eine nachträgliche Manipulation versteckt, fällt das aufgrund der vielen Kopien sofort auf.
Bisherige Versuche, börsengehandelte Fonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), für Bitcoins aufzulegen, sind am Widerstand der Aufsichtsbehörden gescheitert. So versuchen die Zwillinge Cameron und Tyler Winklevoss, bekannt zunächst als Ruderer und dann als Investoren, seit Langem, von der US-Wertpapieraufsicht (SEC) die Genehmigung für einen Bitcoin-ETF zu erhalten – bisher ohne Erfolg. Erst im Frühjahr hatten sie den Versuch unternommen, den „Winklevoss Bitcoin Trust ETF“ aufzulegen – erfolglos. Die Winklevoss-Zwillinge wurden vor wenigen Tagen zu den ersten Bitcoin-Milliardären gekürt. Bereit s im Jahr 2013 haben sie für elf Millionen Dollar Bitcoins gekauft. Das war ein Teil der Entschädigung, die sie von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg erstritten hatten. Sie werfen dem Facebook-Chef vor, die Idee für das ‧soziale Netzwerk von ihnen gestohlen zu haben. Heute betreiben die Zwillinge die New Yorker Kryptobörse Gemini. Einige wenige Anbieter haben klassische Investmentfonds entwickelt, die in einen Korb von verschiedenen Kryptowährungen investieren. Diese Fonds sind bislang jedoch vor allem für institutionelle Investoren zugänglich. Das könnte sich ändern. Denn auf den Start der regulierten Bitcoin-Futures kommende Woche könnten weitere Finanzprodukte folgen. So wäre es zum Beispiel denkbar, einen ETF zu entwickeln, der auf Bitcoin-Futures basiert.
Zu den Risikofaktoren zählt ein möglicher und erfolgreicher Hackerangriff auf die gesamte Infrastruktur. Bislang ist das System davon verschont geblieben. Lediglich Dienstleister, die auf den Bitcoins basierende Angebote betreiben, hatten bislang mit Angriffen zu kämpfen.Ein weiteres Risiko besteht seitens der Regulierer. Sollten die G20-Staaten zum Beispiel gemeinsam den Bitcoin-Handel verbieten – ähnlich wie in China geschehen –, würde das den Preis stark beeinflussen. Selbst wenn der Bitcoin nur strenger reguliert würde, sind die Auswirkungen unklar. Immerhin hat der Bitcoin lange Zeit davon profitiert, weitgehend unreguliert zu sein. Sobald sich alte Finanzwelt und Aufseher zu stark einmischen, könnte das die neue Kryptowährung unattraktiv machen. Auszuschließen ist auch nicht, dass es irgendwann eine neue, bessere Kryptowährung geben wird, die den Bitcoin ablösen wird. Denn: Das Schürfen der digitalen Münzen ist extrem energieaufwendig. Berechnungen des Analysedienstes Digiconomist zufolge liegt der jährliche Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks um die 30 Terawattstunden und liegt damit auf dem Niveau von Dänemark.Und das System kann die hohe Nachfrage kaum noch bewältigen. Rund sieben Transaktionen pro Sekunde kann die Bitcoin-Blockchain abwickeln. Zum Vergleich: Der Kreditkartenkonzern Visa schafft an normalen Tagen 2.000 Transaktionen pro Sekunde. Updates müssen her. Doch in einem dezentralen System ist das nicht so einfach.

Die alte Internetpräsenz des Unternehmens gibt es noch immer. Über leckeren Eistee-Rezepten prangt dort stolz das von den Getränketüten am Supermarktregal bekannte Markenzeichen. Im Investorenbereich berichtet der Erfrischungsgetränkehersteller, Verzeihung, das Blockchain-Unternehmen natürlich, über seine durchaus zahlreichen ersten Aktivitäten auf dem Feld der Krypto-Währungen. Beispiel gefällig?

Zunächst soll teure Ausrüstung für das digitale Schürfen von Bitcoins angeschafft werden, die Lieferung erwartet man noch im Januar. Die Finanzierung der Antminer genannten Geräte des chinesischen Herstellers Bitmain allerdings scheint laut einer aktuelleren Investoren-Mitteilung noch nicht ganz geklärt zu sein. Sobald die Gerätschaften zur Verfügung stehen, soll das Bitcoin-Schürfen beileibe nicht in den gleichen Fabriken stattfinden, in denen der Eistee zusammengerührt wird.

Als Standort für die neue Ausrüstung haben die Manager stattdessen ein sicheres Rechenzentrum an einem geheimen Ort in Skandinavien auserkoren, das von einem externen Dienstleister mit reichlich Erfahrung in diesem Geschäft betrieben wird. Wer und wo genau das ist, dazu hüllt sich die Mitteilung in bedeutungsvolles Schweigen. Immerhin verrät die Investorenmitteilung, dass die Kälte Skandinaviens beim Kühlen der vom Bitcoin-Schürfen heiß laufenden Rechner helfen soll. Die auch im Eisteegeschäft erforderliche Kühlkompetenz scheint hier zumindest eine Parallele zum ursprünglichen Unternehmenszweck darzustellen.

Große Hoffnung liegt bei dem Eisteebrauer jetzt auf dem vor wenigen Tagen angekündigten Zusammenschluss mit dem FinTech-Unternehmen Stater, das in Großbritannien eine Tauschbörse für Devisen und Krypto-Währungen betreibt. Sollte der Merger klappen, würde die ehemalige Eisteefirma komplett im Unternehmen des Fusionspartners aufgehen. Stater ist noch nicht börsennotiert und hätte mit diesem Kniff einen schnellen Weg aufs Parket gefunden.

Der Eisteehersteller hat unter seinem neuen Namen Long Blockchain Corp. zwischenzeitlich eine zweite Webseite ins Netz gestellt, auf der er sich bereits als lupenreines Blockchain-Unternehmen präsentiert. Das Design ähnelt auffällig dem der Internetseite von Stater, des Fusionspartners in spe. Dort verleiht er dem Ziel Ausdruck, ein bedeutendes Blockchain-Geschäft aufbauen zu wollen. Die Verhandlungen mit Geschäftspartnern stünden freilich noch am Anfang.

Frei von Häme lässt sich zumindest sagen, dass sich die Altaktionäre dank des Namenstricks über deutliche Kurserholungen freuen können. Vorher hatte ihre Aktie viel schwächer ausgesehen.
Trotz Kursturbulenzen bei den Krypto-Währungen dampft der Bitcoin-Zug munter weiter – und nicht nur börsennotierte Unternehmen springen auf.

Bitcoin-Entwickler

"Politischer Aktionismus kann Bitcoin nicht gefährden"

von Sebastian Kirsch

Das Frankfurter Start-up savedroid etwa legt für seine Nutzer automatisch jeden Euro oder Cent zurück, den diese sparen, wenn sie zum Beispiel einen von dem Sparroboter vermittelten billigeren Handyvertrag abschließen. Motto: Spar dich glücklich. Das ist der Kern des Geschäftsmodells. Doch auf der Webseite und bei der Kommunikation des Unternehmens stand in diesen Tagen das Thema Bitcoin im Fokus.

Grund: Die vom Sparroboter abgeknapsten Ersparnisse sollen bald auch in Bitcoin fließen, denn savedroid tauscht ab Mitte des Jahres Guthaben in die Cyberwährung um, wenn der Kunde das wünscht. Gründer Yassin Hankir sagt ganz offen, dass er mit diesem Angebot die Bekanntheit seines Unternehmens bei potenziellen Nutzern steigern will, weil die Cyberwährungen so populär geworden sind. Aus dem gleichen Grund lässt er seine Nutzer auch Beteiligungen an savedroid auf Basis einer digitalen Bezahleinheit zeichnen. Vor solchen Token-ICOs, hat die Finanzaufsicht Bafin die Verbraucher jüngst gewarnt.

Die Kommunikationsstrategie von savedroid jedenfalls ist aufgegangen, bereits nach Stunden war die in einem Vorverkauf angebotene Tranche im Volumen von fünf Millionen Euro ausverkauft.

Auch das Investoreninteresse ist hoch: Auf dem ganz klassischem Weg der Venture-Capital-Finanzierung hat savedroid gerade 1,5 Millionen Euro frisches Geld von dem FinTech-Investor Alfred Schorno, Krypto-Unternehmer Dennis Weidner und weiteren Kapitalgebern für seine Geschäftsidee erhalten.

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