Leben mit Aktien: Das sollten Anleger über den Börsengang von Lineage wissen
Logo of Lineage, the world’s largest global temperature-controlled warehouse, is displayed after its initial public offering (IPO) at the Nasdaq MarketSite, at Times Square in New York City, U.S., on July 25, 2024. REUTERS/Eduardo Munoz
Foto: REUTERSAlarm in Wolfsburg: Hopp-oder-Top-Chance bei VW
In wackeligem Börsenumfeld hat ein Unternehmen an der New Yorker Wall Street den bisher größten Börsengang des Jahres hingelegt: der Kühlhausbetreiber Lineage Cold Storage. Ende Juli ging er an die Börse und sammelte damit 4,4 Milliarden Dollar ein. Zum Start wurde das Unternehmen mit sportlichen 18 Milliarden Dollar bewertet. Dieses Niveau konnte es auch nach einem Monat noch halten.
Lineage ist ein Real Estate Investment Trust (REIT), eine Sonderform der Immobilien-Aktiengesellschaft. Gegründet wurde das Unternehmen 2008 von zwei ehemaligen Investmentbankern von Morgan Stanley, Adam Forste und Kevin Marchetti. Seitdem haben die beiden ein Imperium aufgebaut, das heute fast ein Drittel der temperaturkontrollierten Lagerflächen in den USA beherrscht.
Im aktuellen Podcast „Leben mit Aktien“ sprechen WirtschaftsWoche-Chefredakteur Horst von Buttlar und Investor Christian W. Röhl über die Hintergründe des Unternehmens. Doch was müssen Anleger sonst noch über den Neuen an der Wall Street wissen?
Erfolgsgeschichte mit Risiken
In den vergangenen 16 Jahren hat sich Lineage zu einem Giganten in einem Sektor entwickelt, der ansonsten stark von Familienunternehmen geprägt ist. Lineage ist, gemessen an der verwalteten Fläche, der größte Kühlhausbetreiber der Welt. Diese Stellung hat er nicht von ungefähr: Seit 2008 hat Lineage 116 Übernahmen getätigt und massiv in Automatisierungstechnik und datengesteuerte Logistik investiert.
Das Wachstum hat auch Schattenseiten. Teure Zukäufe und hohe Investitionen haben dazu geführt, dass das Unternehmen neun Milliarden Dollar an langfristigen Schulden angehäuft hat. Die Zinslast drückt.
Bei einem Umsatz von fünf Milliarden Dollar machte Lineage im vergangenen Geschäftsjahr 437 Millionen Dollar Verlust. Auch in diesem Jahr wird unterm Strich womöglich ein positiver Cashflow stehen, aber wohl kein Gewinn – und damit sehr wahrscheinlich, anders als bei den meisten REITs, auch keine Dividende.
Konkurrenz aus Frankreich
Nicht nur die Zurückhaltung der Verbraucher macht dem Unternehmen zu schaffen, sondern auch die europäische Konkurrenz. Denn in Frankreich gibt es mit der STEF SA ein ähnlich aufgestelltes Unternehmen, das ebenfalls die gesamte Wertschöpfungskette der „kalten“ Logistik abdeckt. Anders als Lineage hat STEF bereits über eine lange Kapitalmarkthistorie. In 20 Jahren hat sich die Aktie mehr als verzehnfacht, allein in den letzten fünf Jahren stieg sie um 60 Prozent.
STEF zeigt, was im Geschäft mit Kühlhäusern realistischerweise zu erwarten ist. Das Unternehmen schaffte in den vergangenen zehn Jahren ein jährliches Wachstum von durchschnittlich fünf Prozent beim Umsatz und zehn Prozent beim Gewinn – und blieb dabei an der Börse günstig: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt um die zehn.
Investoren, die sich für die Branche der Kühlhausbetreiber interessieren, sollten abwägen, ob sich der Einstieg in den amerikanischen Markt lohnt oder ob sie auf den bewährten europäischen Kandidaten setzen. Immerhin: Marktbeobachter blicken optimistisch auf Lineage. Von 15 Analysten, die laut dem Finanzdatendienst Bloomberg die Aktie beobachten, raten zehn jetzt zum Kauf, fünf zum Halten und keiner zum Verkauf.
Mehr zu Lineage und STEF hören Sie in unserem Podcast „Leben mit Aktien“. Außerdem diese Woche: Alarm in Wolfsburg – letzte Chance für VW. Und wie laufen eigentlich Aktien, die aus großen Indizes herausfallen?