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Riedls Dax-RadarKoreakrise bringt den großen Börsentrend in Gefahr

Die Spannungen mit Nordkorea machen den jüngsten Erholungsversuch deutscher Aktien zunichte. Dennoch, wenn der Dax in den nächsten Tagen nicht unter 11.900 rutscht, hat er eine zweite Chance.Anton Riedl 11.08.2017 - 13:59 Uhr

Der Konflikt zwischen US-Regierung und dem Regime in Nordkorea sorgt für Nervosität an den Börsen.

Foto: AP

Der Konflikt um Nordkorea trifft die Börsen in einer wackligen Konstellation: Nach mehreren Jahren starker Hausse gab es in den vergangenen Wochen zwar vereinzelt neue Kaufsignale; auf der anderen Seite aber drehen schon seit längerem immer mehr Einzelaktien und Branchen nach unten.

Bis Freitagvormittag (11. August) haben die Aktienbörsen zwar auf den Konflikt in Korea mit deutlichen Kursverlusten reagiert, die Abschläge halten sich bisher aber im kleinen, einstelligen Prozentbereich. Der Aktienmarkt ist angespannt, aber nicht im Crash-Modus.

Das kann natürlich noch kommen. Das gegenseitige Hochschaukeln der Parteien macht einen einseitigen Rückzug schwierig. Sollte Nordkorea noch eine Rakete steigen lassen, so spekuliert ein Banker in Frankfurt, und die Amerikaner würden diese Rakete abschießen, dürfte das „einen kleinen Crash“ auslösen – also schnelle Verluste von zehn bis 15 Prozent.

Beim bisherigen Tief am Freitagvormittag tauchte der Dax fast bis auf die 200-Tage-Linie ab. Selbst wenn der Dax in einer Schockreaktion nach einer möglichen Eskalation in Korea unter diese Linie rutscht, würde sie aller Voraussicht nach noch für mehrere Wochen weiter steigen. Auch nach einem Kursschock dürfte der Dax also noch die Kraft für mindestens eine Erholung haben.

US-Märkte sind angeschlagen, aber nicht ausgeknockt

Gerade in Krisenzeiten wird die große Richtung der Börsen in den USA gemacht. Hier kam es am Donnerstag (10. August) zu deutlichen Kursverlusten, die erste ernste Marktreaktion auf den Koreakonflikt. Im Dow Jones war dies der schwächste Tagesverlauf seit Ende Juni. An der Nasdaq wurde das bisherige Juni-Hoch wieder unterschritten. Beides sind kurzfristige Warnsignale

Dow Jones und Nasdaq sind noch mehrere Prozente von ihren steigenden 200-Tage-Linien entfernt. In beiden Aktienbarometern liegen keine großen Trendwendeformationen vor. Würde man nur die Kurskurven ansehen ohne die politische Nachrichtenlage zu kennen, wäre man vorsichtig, aber nicht wirklich beunruhigt.

Die klassischen Krisenbarometer ziehen an: Die Volatilität, die aus Optionen destillierten Kurserwartungen, dringen in den mittleren Bereich vor. Von ähnlicher Dimension sind die Aufschläge bei Staatsanleihen und beim Gold. Insgesamt heißt das: Die Märkte sind angespannt, aber noch weit weg von panischen Verkäufen. Vorteil daran: Wenn sich die politische Krise beruhigt, geht es schnell zur Tagesordnung über. Nachteil: Sollte es sich politisch zuspitzen, bestehen trotz der in den vergangenen Wochen schon gesunkenen Notierungen noch weitere Risiken.

Der Anstieg der Volatilitätsindizes deutet darauf hin, dass sich immer mehr professionelle Anleger absichern. Abgesicherte Märkte aber sind stabiler, da der Druck schwindet, bei weiteren Kursrückgängen verkaufen zu müssen. Technisch ist das der Hintergrund für den allgemeinen Börsenspruch, dass der Crash dann, wenn man ihn erwartet, nicht kommt.

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Der Konflikt mit Nordkorea ist vergleichbar mit der Kubakrise 1962. Auch hier schaukelten sich beide Parteien in einem Machtpoker immer höher, keine Seite wollte nachgeben.

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An den Börsen führte das zu einem schweren Einbruch. Der Dow Jones verlor während der akuten Zitterpartie von März bis Juni 1962 ein Viertel seines Werts. Überträgt man das auf die aktuelle Situation, ergäbe das einen Rückschlag im Dow, der im Herbst unter 17.000 Punkte ginge. Im Dax wäre bei dieser Rechnung etwa ein Kursniveau um 9000 Punkte möglich.

Ein solcher Einbruch hätte nicht die Dimension des Finanzkrisen-Crash, wäre aber mit ziemlicher Sicherheit das Ende des seit 2009 laufenden großen Aufwärtstrends an den Börsen.

1962, im Jahr der Kubakrise, brauchten die Märkte vier Monate um sich zu stabilisieren, danach drehte der Markt wieder nach oben. Nach weiteren sechs Monaten war das Niveau von vor der Kubakrise wieder erreicht. Insgesamt also 13 Monate Zittern und Hoffen.

Fazit: Die akute Entwicklung in Korea trifft derzeit auf einen deutschen Aktienmarkt, der durch die Schwäche der zentralen Autobranche und die Aussicht auf eine wieder stärkere eigene Währung in einer empfindlichen Situation ist. Die Risiken bei einer Eskalation sind erheblich und könnten an den Märkten noch einmal zu weiteren Verlusten von zehn bis 20 Prozent führen. Eine Entspannung an der politischen Front hätte eine schnelle Rally zur Folge; allerdings dürften die Märkte dann bald wieder von ihren eigenen Problemen eingeholt werden. Für ein insgesamt positives Szenario wäre es gut, wenn der Dax in den nächsten Tagen das Niveau um 11.900 Punkte verteidigen könnte.

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