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Maklergebühren Wie Makler in Europa ihr Geld verdienen

Maklergebühren in Deutschland und Europa Quelle: dpa

Im europäischen Vergleich kassieren deutsche Immobilienmakler die dritthöchsten Gebühren für ihre Vermittlung. Doch es geht auch anders, wie einige Nachbarländer zeigen.

Ein paar Zeilen über den Grundriss schreiben, zwei bis drei Fotos ins Internet stellen, 20 Minuten lang einem Besichtigungstermin beiwohnen und am Ende eine dicke Provisionsrechnung ausstellen. Oft können Käufer von Wohneigentum in Deutschland nicht verstehen, warum sie für scheinbar so wenig Leistung bis zu sieben Prozent vom Verkaufspreis an einen Makler zahlen sollen. Oft auch, weil sie den Makler gar nicht beauftragt haben, sondern der Vermieter oder Eigentümer.

In anderen europäischen Ländern sind die Vermittlungsgebühren deutlich geringer. In den Niederlanden und Großbritannien zahlen Käufer meist nur zwischen ein und zweieinhalb Prozent Courtage. Wie ist das möglich?

Der Traum von den eigenen vier Wänden wird durch horrende Maklerprovision schnell zur Belastungsprobe für den Geldbeutel. Einer Studie des Deutschen Bundestags nach kassieren Makler in der Bundesrepublik regelmäßig zwischen fünf und sechs Prozent, in manchen Ballungsregionen sogar bis zu 7,14 Prozent Vermittlungsgebühr vom Kaufpreis. Genau das möchte Bundesjustizministerin Katharina Barley ändern. Zukünftig soll auch beim Haus- oder Wohnungsverkauf derjenige die Courtage des Vermittlers bezahlen, der ihn auch beauftragt hat. So steht es im entsprechenden Referentenentwurf ihres Ministeriums. Die Maklerlobby wehrt sich gegen den Entwurf, doch das sogenannte Bestellerprinzip könnte verschiedene positive Effekte für sie und die Kunden haben, wie ein Blick in andere europäische Länder beweist.

Was in Deutschland wie geregelt ist

Um als Immobilienmakler in Deutschland arbeiten zu können, braucht es nicht viel. Fachwissen oder eine spezielle Ausbildung sind nicht erforderlich, nur eine Maklererlaubnis nach Paragraph 34c der Gewerbeordnung. Die gibt es ganz einfach gegen eine umfangreiche Selbstauskunft und eine Bearbeitungsgebühr beim zuständigen Bürgerbüro. Mit der Erlaubnis in der Tasche kann jeder Häuser oder Wohnungen vermieten und verkaufen.

Wie viel Prozent Provision der Makler berechnen darf, ist bundesweit nicht einheitlich festgelegt. Das Maklerunternehmen „Homeday“ hat in einer eigenen Studie drei Millionen Immobilieninserate aus 400 verschiedenen Quellen ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass die Maklerprovision je nach Bundesland und Regionen oder nachfragestarken Gebieten zwischen 4,4 und sieben Prozent beträgt.
Wer den Makler bezahlen muss, hängt ebenfalls vom Bundesland ab. In elf der 16 Bundesländer teilen sich Käufer und Verkäufer die Provision. Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg und Hessen dagegen bitten vorwiegend den Käufer zur Kasse. Erst im Juni 2015 führte der damalige Bundesjustizminister Heiko Maas für Neuvermietungen das Bestellerprinzip ein.

Bekommt ein Haus oder eine Wohnung einen neuen Mieter, muss derjenige den Makler bezahlen, der ihn beauftragt hat. Doch private Inserate sind nicht unbedingt günstiger, weil keine Maklergebühr erhoben wird. Einer Studie des Immobiliendienstleisters McMakler nach sind Immobilien vom privaten Verkäufer durchschnittlich 4,1 Prozent teurer als Maklerangebote. Eigentümer schlagen einfach die Provision obendrauf oder erhöhen den Kaufpreis, weil Käufer bei Privatangeboten keine Vermittlungsgebühren erwarten, so die Argumentation von McMakler-Geschäftsführer Heintzenberg.

Grundsätzlich gilt in Deutschland, dass ein Immobilienvermittler nur eine Vermittlungsgebühr in Rechnung stellen darf, wenn laut Paragraph 652 des Bürgerlichen Gesetzbuches nur durch seine Dienstleistung ein Kauf- oder Mietvertrag zustande gekommen ist. Im europäischen Vergleich berechnen deutsche Immobilienmakler die dritthöchsten Provisionssätze. Teurer ist es nur in Italien (drei bis acht Prozent) und Frankreich (drei bis zehn Prozent).

Wie niederländische Makler arbeiten

Niederländische Immobilienvermittler dürften sich angesichts der hohen deutschen Maklergebühren fragen, warum ihr Courtageniveau so gering ist.

Laut der größten niederländischen Maklervereinigung NWM lag der durchschnittliche Verkaufspreis einer Immobilie im vergangenen Jahr bei 298.000 Euro. Eine Steigerung um 10,3 Prozent gegenüber 2017.

Don Willems arbeitet seit 2003 als Makler für die Agentur VeTeBe in Venlo. Vorher war er Bauingenieur bei einer Wohnungsbaugesellschaft und hat Gutachten für Wohnungsprojekte erstellt. Ein bis zwei Prozent Provision bekommen Makler in den Niederlanden. „Wer früher in Holland Makler werden wollte, der musste einer der drei großen niederländischen Maklervereinigungen angehören und eine Gutachterausbildung haben“, erklärt er, „doch vor zehn Jahren wurde diese Regelung abgeschafft“. Nun kann jeder Häuser und Wohnungen vermitteln, wie in Deutschland auch. Doch wer den Makler bestellt, der muss ihn bezahlen. So will es das niederländische Gesetz.

Die niedrigen niederländischen Provisionen erklärt sich Willems durch drei Gründe. Große Banken wie ING Groep oder Rabo Direct sind Großvermittler, wodurch kleine Maklerbüros, wie es sie in Deutschland gibt, eher selten sind. Vor allem aber ist der niederländische Immobilienmarkt eins: digital. Makler arbeiten fast ausschließlich über eigene Internetplattformen oder inserieren bei Portalen wie Immobilienscout24. So haben sie laut Willems weniger Kosten, was ein bis zwei Prozent Courtage für ihn legitimiert, nicht aber höhere. Das heißt aber nicht, dass niederländische Makler nur wenig Möglichkeiten haben, Geld zu verdienen. Erstellen sie ein Inserat für einen Verkäufer oder schätzen den Wert einer Immobilie, berechnen Sie ebenfalls Provisionen für ihre Dienste. Käufern kommt aber zugute, dass alle anderen Verkaufsprozesse ebenfalls digital erledigt werden können. Muss mit dem Grundbuchamt etwas für den Kaufvertrag geregelt werden, reicht in den Niederlanden eine einfache Mail und innerhalb eines Tages sind die meisten Angelegenheiten erledigt.

Nicht zuletzt ist die Wohneigentumsquote, die das Verhältnis zwischen allen verfügbaren Wohnungen und den von Eigentümern selbst bewohnten Immobilen abbildet, den offiziellen Zahlen der Europäischen Union nach in den Niederlanden mit 69 Prozent höher als in Deutschland (51,4 Prozent). Willems zufolge liegt das daran, dass Niederländer schon in jungen Jahren kleine Wohnungen kaufen, mit zunehmenden Alter größere Immobilien möchten, ihre alte dann verkaufen und eine neue Bleibe suchen.

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