BrandIndex: Wie Erkältungsmittel auf Verbraucher wirken
Erkältungsmittelmarken haben ihre Fans.
Foto: dpaDie ganze Wick-Familie ist krank – Vater, Mutter und die beiden Kinder. In drei Fernsehspots feiert Wick gerade Klischees ab: Vater ist wehleidig, Mutter muss sich um die Kinder kümmern... Aber dann schlafen dank Wick alle ruhig in einem Bett. Ob die Werbung so gut wirkt wie DayMed, VapoRub und MediNait versprechen, zeigt der BrandIndex von YouGov. Außerdem tracken wir in unserem Markenmonitor Imagewerte von rund einem Dutzend anderer Erkältungsmittel.
Keine andere Erkältungsmittelmarke wirbt zurzeit so intensiv wie Wick. Erstaunliche 20 Prozent unserer Befragten geben an, in den vergangenen zwei Wochen Wick-Werbung gesehen zu haben. An Werbung für Aspirin oder Grippostad können sich nur gut halb so viele erinnern. Das spiegelt sich direkt darin wieder, welche Marken von Verbrauchern beim Kauf von rezeptfreien Arzneien in Betracht gezogen würden: 31 Prozent nennen Wick, 21 Prozent Grippostad.
Auch wenn Werbewahrnehmung und Kaufinteresse bei Grippostad damit in einem gesunden Verhältnis stehen, gelingt es etwa Ratiopharm für sein Paracetamol-Produkt mit viel weniger Werbung auf deutlich mehr Interesse zu stoßen.
Priorität 3, Medium: Shigella
Die Stäbchenbakterien aus der Familie der Enterobakterien sind vor allem in Entwicklungsländern ein großes Problem. Sie können sehr schwere Bakterienruhr mit Durchfällen hervorrufen und verbreiten sich hauptsächlich durch verschmutztes Wasser oder durch Nahrungsmittel. Die Behandlung von Epidemien hat zu einer stärkeren Verbreitung von gegen Antibiotika resistenten Stämmen geführt. Wissenschaftler schätzen die Gefahr von Erregern auf Basis ihrer Medikamenten-Resistenz, der Zahl der Toten, die sie verursachen und der Häufigkeit, in der Menschen außerhalb von Krankenhäusern infiziert werden, ein.
Quelle: WHO
Foto: PRTyp 3, Medium: Haemophilus influenzae
Haemophilus influenzae existiert ausschließlich in den Schleimhäuten des Menschen, vor allem in denen des oberen Atmungssystems (Nase, Rachen, Luftröhre). Die Bakterien verursachen dort entzündliche Erkrankungen und sind vor allem für Kleinkinder gefährlich. Weltweit sterben jährlich schätzungsweise 371.000 Kinder unter fünf Jahren an der durch vorbeugende Impfung vermeidbaren Infektion.
Foto: PRPriorität 3, Medium: Streptococcus pneumoniae
Allgemein bekannt als Pneumokokken verursachen diese Bakterien schwere Infektionen, besonders gefährlich sind sie für Säuglinge, Kleinkinder und älteren Menschen mit Vorerkrankungen. Jedes Jahr sterben weltweit mehrere Millionen Menschen an einer Pneumokokken-Infektion, in Deutschland sind es im Schnitt 10.000. Trotz Antibiotika tritt die Hälfte dieser Todesfälle schon innerhalb der ersten 48 Stunden ein.
Foto: PRPriorität 2, Hoch: Neisseria gonorrhoeae
Der Verursacher der häufigsten Geschlechtskrankheit der Welt, Gonorrhoe beziehungsweise Tripper, ist mittlerweile immun gegen die früher übliche Behandlung mit Penicillin. Inzwischen sind auch gegen sämtliche Breitbrand-Antibiotika resistente Stämme identifiziert worden.
Foto: PRPriorität 2, Hoch: Salmonellen
Das meldepflichtige Bakterium gehört zu den Zoonosen. Das bedeutet, dass sich Mensch und Tier in Wechselwirkung gegenseitig anstecken können. Häufig ist die Infektion über Lebensmittel – insbesondere Eier und Geflügelfleisch. Pro Jahr kommt es in Deutschland zu rund 120.000 Infektionen, von denen bis zu 120 tödlich enden. Einige Salmonellenarten haben inzwischen eine Resistenz gegen die herkömmlichen Antibiotika entwickelt.
Foto: PRPriorität 2, Hoch: Campylobacter
Der in Deutschland häufigste bakterielle Erreger von Durchfall-Erkrankungen heißt Campylobacter. Er wird genau wie Salmonellen häufig durch Nahrungsmittel übertragen, insbesondere Geflügelfleisch. Besonders gefährlich sind Campylobacter-Bakterien für Kinder unter sechs Jahren und ältere Menschen, sowie generell für Menschen, deren Immunabwehr geschwächt ist.
Foto: PRPriorität 2, Hoch: Helicobacter pylori
Das Bakterium ist ein ansteckender Magenkeim, der zu Entzündungen der Magenschleimhaut, Magengeschwüren und Magenkrebs führen kann. Der Übertragungsweg ist bis heute ungeklärt. Die Therapie gegen das Bakterium ist eine Kombination eines Protonenpumpenhemmers mit zwei Antibiotika – antibiotische Monotherapien zeigen keinen ausreichenden Erfolg. Mediziner haben zuletzt eine zunehmende Resistenz gegen Breitbandantibiotika beobachtet.
Foto: PRPriorität 2, Hoch: Staphylococcus aureus
Das Bakterium ist vor allem wegen seiner Form als gefürchteter, multiresistenter und zugleich ansteckender Keim bekannt. Staphylococcus aureus kommt dabei fast überall in der Natur vor und löst meist keine Krankheitssymptome aus. Findet das Bakterium günstige Bedingungen, wie etwa ein schwaches Immunsystem, vor, breitet es sich jedoch aus und kann zu lebensbedrohlichen Erkrankungen, zum Beispiel Lungenentzündung, Endokarditis (Entzündung der Herzinnenhaut), toxisches Schocksyndrom (TSS, schweres Kreislauf- und Organversagen) und Sepsis (Blutvergiftung) führen.
Foto: PRPriorität 2, Hoch: Enterococcus faecium
Die den Darm besiedelnden Bakterien besitzen eine natürliche Resistenz gegen mehrere Gruppen von Breitband-Antibiotika. Die Tatsache, dass sie im Darm vorkommen, ist nicht problematisch. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind sie jedoch einer der häufigsten Verursacher von Krankenhausinfektionen, also Infektionen, die während und wegen der Behandlung in einem Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung auftreten.
Foto: PRKategorie 1, Kritisch: Enterobakterien
Enterobakterien sind ein natürlicher Bestandteil einer gesunden Darmflora. Auch sie kommen aber als nosokomiale Erreger – also Krankenhauskeime – vor und befallen Menschen mit schwachem Immunsystem. Krankenhausinfektionen machen den Großteil aller Komplikationen im Klinikalltag aus.
Foto: PRPriorität 1, Kritisch: Pseudomonas aeruginosa
Der Krankenhauskeim ist als Boden- und Wasserkeim weit verbreitet und lebt daher in Rohrleitungen, Waschbecken und Duschen. Darüber hinaus kann er in destilliertem Wasser, in Desinfektionsmitteln und in Shampoo überleben. Eine große Rolle spielt der Keim nicht nur als multiresistenter Infektionserreger, sondern auch als Lebensmittelverderber.
Foto: PRPriorität 1, Kritisch: Acinetobacter baumannii
Das Bakterium ist ein Krankenhauskeim und kann unter anderem Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Meningitis (Hirnhautentzündung) hervorrufen. Das Robert-Koch-Institut sieht den Einsatz von Breitbrand-Antibiotika als wesentlichen Grund für das mittlerweile vermehrte Auftreten des Bakteriums.
Foto: PR
Jeder Zweite kennt Sinupret
Die bisher genannten Marken gehören zu den bekanntesten Erkältungsmittelmarken in Deutschland. Mehr als 70 Prozent der repräsentativ Befragten kennen sie. Aber es gibt auch weitere Mittel, die aktuell schon rund die Hälfte der Deutschen kennen. Und diese haben ihre Fans, die auf sie zu schwören scheinen. Hierzu gehört Sinupret: Bekanntheitsgrad 51 Prozent, Werbewahrnehmung vernachlässigbar, aber bei 28 Prozent derjenigen, die die Marke kennen, in der engeren Wahl, wenn es gilt, Husten, Schnupfen oder Heiserkeit zu bekämpfen. Noch stärker sind die Werte für Gelomyrtol. Die Marke ist nur mittelmäßig bekannt, aber ihre Kenner sagen zu 34 Prozent, dass sie auch den Kauf in Betracht ziehen.
Novartis
Zahlungen 2015 an Ärzte und Kliniken: 91,1 Millionen Euro
Soviel wie kein anderes Unternehmen gab Novartis in Deutschland für klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen an Ärzte aus – über 70 Millionen Euro im Jahr 2015. Anwendungsbeobachtungen, bei denen Ärzte die Wirkung eines Medikaments an ihren Patienten beobachten, sind allerdings umstritten. Kritiker sprechen von wertlosen Pseudostudien, die Konzernen nur einen Vorwand liefern, Geld an die Ärzte zu zahlen. Novartis hat seinen Hauptsitz in der Schweiz und stellt unter anderem das Schmerzmittel Voltaren und das Leukämiepräparat Glivec her.
Foto: APMerck
Zahlungen 2015 an Ärzte und Kliniken: 55,9 Millionen Euro
Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern zahlte 2015 mehr als fünfzig Millionen Euro an Ärzte. Merck ist unter anderem auf Präparate gegen Multiple Sklerose (MS) spezialisiert. Für Selbsthilfegruppen gegen MS finanziert Merck häufig Broschüren und Aufklärungsprogramme. Was ja auch immer eine gute Gelegenheit ist, die eigenen Medikamente ins rechte Licht zu rücken.
Foto: dpaBayer
Zahlungen 2015 an Ärzte und Kliniken: 33,9 Millionen Euro
Fast zehn Millionen Euro zahlten die Leverkusener an Ärzte, um etwa Vorträge oder Hotelübernachtungen bei Fortbildungen zu finanzieren. Um die Mediziner von einem Medikament zu überzeugen, suchen die Pharmakonzerne oft nach starken Meinungsbildnern, die Vorträge auf Kongressen halten. Deren Unabhängigkeit steht jedoch oft infrage.
Foto: APRoche
Zahlungen 2015 an Ärzte und Kliniken: 46,6 Millionen Euro
Der Pharmakonzern zahlte 35 Millionen an Ärzte und sechs Millionen an Kliniken und andere medizinische Einrichtungen. Für das Unternehmen, das sich besonders auf Krebsmedikamente spezialisiert hat, ist auch das Klinikgeschäft sehr wichtig. Seinen Hauptsitz hat Roche wie Novartis in der Schweiz.
Foto: REUTERSPfizer
Zahlungen 2015 an Ärzte und Kliniken: 29,1 Millionen Euro
Der Viagra-Erfinder gab mehr als zwanzig Millionen Euro an Ärzte. Auch bei Patientenorganisationen zeigt sich der US-Konzern großzügig. Etwa 450.000 Euro flossen 2015 in Deutschland an Selbsthilfegruppen, so viel wie von keinem anderen Unternehmen. Die Deutsche Rheuma-Liga erhielt etwa 48.000 Euro.
Foto: dpaBoehringer
Zahlungen 2015 an Ärzte und Kliniken: 21,4 Millionen Euro
Das rheinland-pfälzische Familienunternehmen bietet Medikamente gegen Diabetes, Lungenkrankheiten, Krebs und Schlaganfall an. Entsprechende Ärzte und Patientenorganisationen stehen bei Boehringer entsprechend im Fokus.
Foto: APSanofi
Zahlungen 2015 an Ärzte und Kliniken: 12,3 Millionen Euro
Der französische Konzern hält sich in Deutschland mit Zahlungen an Ärzte, Kliniken und Patientenorganisationen eher zurück. Nur rund zehn Millionen Euro gehen an die Ärzte; 1,4 Millionen an Kliniken und medizinische Fachverbände. In Sanofi sind auch Teile des früheren deutschen Pharma- und Chemiekonzerns Hoechst aufgegangen.
Foto: dpa
Die genannten Marken haben etwas gemeinsam: Gelomyrtol setzt zur Erkältungsbehandlung auf „ein Mischdestillat aus rektifiziertem Eukalyptusöl, Süßorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl“, Sinupret auf „kombinierte Pflanzenkraft“, und das ebenfalls eher unbekannte aber bei seinen Kennern sehr geschätzte Bronchipret auf Thymian, Efeu und Primeln. Es sind also Mittel mit pflanzlichen Wirkstoffen, die in ihrer Nische außerordentlich beliebt sind. Die Wirkstoffe in Wick MediNait hingegen heißen Dextromethorphan, Paracetamol, Ephedrin und Doxylamin.
Hohe Weiterempfehlungsbereitschaft
Statt Werbung scheint bei den Mitteln mit pflanzlichen Wirkstoffen demnach Mund-zu-Mund-Propaganda oder virales Marketing gut zu funktionieren. Sieben Prozent der Kenner von Sinupret und neun Prozent der Kenner von Gelomyrtol geben an, kürzlich mit Bekannten über die Marke gesprochen zu haben. Diese Werte sind vergleichbar mit denen von Grippostad und Wick, deren Produkte eine viel größere Verbreitung haben. Und man darf davon ausgehen, dass die Gespräche über Sinupret und Gelomyrtol voll des Lobes sind: Wir messen im BrandIndex eine hohe Weiterempfehlungsbereitschaft.
Was das beste Mittel ist, damit die erkältete Familie ruhig schlafen kann – dazu gibt es also verschiedene Meinungen. Bei der Vielfalt an zur Verfügung stehenden Marken ist aber sicher für jeden etwas Wirksames dabei.