Biotech: Bei Biotech zeigt Deutschland, was es kann

Biontech – wer sonst? Kein deutsches Biotechunternehmen hat je einen solchen Erfolg erzielt wie die Mainzer bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Die gute Nachricht: Biontech ist kein Einzelfall. Der Kauf des Münchner Biotechunternehmens Morphosys durch den Schweizer Pharmakonzern Novartis zeigt, dass auch andere deutsche Biotechunternehmen international attraktiv sind.
Wer genau hinschaut, konnte das schon länger beobachten: Die Hamburger Evotec etwa ist – allen Aktien-Eskapaden der vergangenen Wochen zum Trotz – immer noch ein gefragter Partner großer Pharmakonzerne bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe. Und ITM aus Garching bei München, das an radioaktiven Therapien zur Bekämpfung von Krebs arbeitet, konnte kürzlich Investoren zu einer Finanzierung von insgesamt 255 Millionen Euro überzeugen. Die Beispiele zeigen, dass deutsche Grundlagenforschung und Know-how doch noch etwas gelten.
Milliarden-Hoffnung
Durch die Übernahme sichert sich Novartis Zugriff auf den größten Morphosys-Hoffnungsträger, das Mittel Pelabresib zur Behandlung einer seltenen bösartigen Erkrankung des Knochenmarks. Das Präparat hatte sich Morphosys durch die Übernahme des US-Krebsspezialisten Constellation Pharma für 1,7 Milliarden Dollar im Jahr 2021 eingekauft. Bislang war das 2012 zugelassene Medikament Jakavi von Novartis das einzige Arzneimittel für dieses Krankheitsbild. Nun braucht Novartis einen Nachfolger, da Jakavi nach zwei bis fünf Jahren bei der Hälfte der Patienten weniger wirkt. Morphosys traute Pelabresib bislang Umsätze in Milliardenhöhe zu.
Für Novartis erscheint die Übernahme daher sinnvoll. Gleichwohl ist sie eine einzige große Wette: Denn Pelabresib ist noch nicht auf dem Markt, die Zulassung soll nach früheren Angaben Mitte dieses Jahres beantragt werden. Morphosys hat ansonsten nur ein einziges anderes Medikament auf dem Markt und schreibt rote Zahlen.
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